Skip to main content
Montag, 17. Juni 2019

Massengräber: Genozid an Tutsi in Burundi unter Präsident Pierre Nkurunziza?

Bujumbura in Burundi – Die südafrikanische Tageszeitung Sunday Argus berichtete am 31. Januar 2016 in einem ganzseitigen Artikel auf Seite 17 (Autorin: Shannon Ebrahim), dass in Burundi angesichts der anstehenden Wahlen ein Genozid an den Tutsi im Gange sei. Für den Artikel reiste die Autorin eigens nach Burundi und sprach dort auch mit Regierungsmitgliedern.

Auftraggeber oder Täter scheinen Schergen rund um den regierenden Hutu-nahen Präsidenten Pierre Nkurunziza zu sein. Doch der kämpft scheinbar einen Zweifrontenkrieg und steht im Verdacht auch oppositionelle Hutu umbringen zu lassen und zwar in Form von „targeted killings“, also gezielten Ermordungen, heißt es mehr oder weniger deutlich in dem Bericht der großen südafrikanischen Tageszeitung The Argus.

The Argus schreibt, dass der Genozid an den Tutsi von Burundi langsam aber stetig durch die Mehrheit der durch die Hutu-nahen Regierung aufgehetzten Hutu-Bevölkerung durchgeführt werde.

Zum Genozid gegen die Tutsi aufgehetzt hätten Regierungsanhänger um Burundis Präsident Präsident Pierre Nkurunziza. Er lässt angeblich in seinem Umfeld behaupten, die Tutsi wollten wieder die Macht im Lande übernehmen, weshalb es nun Zeit sei, an die „Arbeit zu gehen“.

Dies ist in Afrika, so auch in Burundi, eine Umschreibung dafür, andere umzubringen. In dem Fall die Tutsi. Mal seien es in Burundis Hauptstadt Bujumbura sechs ermordete Tutsi am Tag, dann 20. Die Opfer gehen mittlerweile auch von der UN bestätigt in die Hunderten.

Der Volksstamm der Tutsi befindet sich in Burundi in der Minderheit und regierte das Land vor der Machtübernahme durch Hutu über Jahrzehnte. Vor rund 20 Jahren kam es zum Machtwechsel zu Gunsten der Hutu. Kommt es zu neuen Wahlen im Land spitzt sich der Konflikt der Bevölkerungsgruppen gefährlich zu. Drahtzieher sind meist Regierungs-Mitglieder, die Angst haben, abgewählt zu werden.

Seit gut einem Jahr hetzt nun wieder die Hutu-nahe Regierung gegen die Tutsi (Minderheit), was wiederum zu Massenmorden an Tutsi, durchgeführt durch Hutu, führte und führt.

So gebe es auch jetzt wieder, schreibt die Zeitung The Argus, Massengräber in Burundi. Die UNO spreche von neun. Die Hutu-Regierung verteidigt diese lapidar mit den Worten, man müsse sich ja verteidigen können, wenn ein Tutsi mit einer Pistole einen Polizisten angreife.

Derweil diskutiert die multinationale afrikanische Eingreiftruppe AU (African Union) in Addis Ababa, ob sie Friedenstruppen nach Burundi schicken soll – die Rede sind 5000 Mann – um die Tutsi vor einem weiteren Genozid zu schützen. Doch veröffentlichte die BBC erst am 31. Januar 2016 einen Artikel, dass sich die AU vorerst nicht dazu habe durchringen können, Soldaten nach Burundi zu schicken. Dem waren massive Proteste des seit 2005 regierenden Präsidenten Pierre Nkurunziza vorausgegangen.

Burundis Präsident Pierre Nkurunziza kämpft derzeit um eine dritte Amtsperiode und heizt deshalb die Ressentiments von Burundis Hutu-Bevölkerung gegen die Tutsi-Bevölkerung weiter an. Möglich sei dieses, schreibt der Argus aus Südafrika weiter, da die meisten Hutu-Führer in Burundi noch die Schrecken durch zwei Genozide an der Hutu-Bevölkerung vor Augen hätten. So seien sowohl 1972 als auch 1992 Tausende Hutu durch das Tutsi-Regime umgebracht worden. Die Rede ist von angeblich bis zu 300.000 ermordeten Hutu in Burundi.

Dies führe heute, schreibt The Argus zudem, dazu, dass die führende Regierung in Burundi – bestehend überwiegend aus Hutu – die damaligen Genozide nutze, um in einem schleichenden Prozess durch Massenmorde an der Tutsi-Bevölkerung ein für allemal diesen Teil der Bevölkerung in Burundi auszulöschen.

The Argus schreibt zudem, dass der Senatspräsident von Burundi, Reverien Ndikuriyo, nicht nur die Hutu aufgefordert habe, „an die Arbeit zu gehen“ („gukora“), sondern auch ihre Nachbarschaft sauber zu machen – also von Tutsi zu befreien. Da seit Ruanda klar ist, was mit „an die Arbeit zu gehen“ gemeint sei, wisse man, dass in Burundi dieses bedeute, mit Macheten oder was auch immer Tutsi umzubringen. Weiter heißt es in dem Argus-Bericht, dass Hutu, die gute Arbeit vollbringen würden, mit Land belohnt würden.

Mitte 2015 machten Gerüchte die Runde, dass ein Sicherheitschef und enger Verbündeter des regierenden Präsidenten von Burundi, von Pierre Nkurunziza, angeblich erschossen worden sein soll. Ob es sich dabei um Realität oder ein gezielt gestreutes Gerücht zum Schaden der Tutsi handelt, konnte nicht verifiziert werden.

In Burundi leben 10,4 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern beträgt in dem zweitärmsten Land der Welt lediglich 50 Jahre. 85% der Bevölkerung sind Mitglieder des Volksstammes der Hutu, 14% Tutsi. In Burundi sind auf Grund des schleichenden Völkermordes an den Tutsi zahlreiche lokale Journalisten, die darüber berichtet hatten, verschwunden oder geflüchtet. Unter den verhafteten Journalisten sind auch ein Brite und ein Franzose.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]

Donnerstag, 06. Juni 2019

D-Day

Winston Churchills Buch The Second World War: Zwischen Wahrheit und verdrehten News oder warum der Brexit so gefährlich ist

In der Normandie, im Norden Frankreichs, kamen am Donnerstagvormittag den 6. Juni 2019 Hunderte geladene Besucher gemeinsam mit rund 10 britischen Veteranen zusammen. Man gedachte den schrecklichen Ereignissen am 6. Juni 1944, die man damals als „Operation Neptune“ oder auch „Operation Overlord“ bezeichnete. Damals, vor 75 Jahren, waren an einem einzigen Tag weit über 100.000 Soldaten in einem brutalen Krieg […]

Mittwoch, 15. Mai 2019

Zündeln

Iran-Krise um angebliche Drohnenangriffe und die Lügenkriege

Kommentar – Es ist immer das gleiche: Wenn eine Nation gegen eine andere mit kriegerischen Aggressionen auf Grund politischer Dissonanzen vorgehen möchte, beginnt als erstes der PR-Lügenkrieg. Damit möchte man die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen. Das war im Zweiten Weltkrieg so, als Polen und Großbritannien den deutschen Diktator Adolf Hitler bewusst über die Danzig-Frage 1939 monatelang provozierten. Und damit […]

Mittwoch, 01. Mai 2019

Interessengemeinschaft Schiessen Schweiz will am 19. Mai gegen Verschärfung des Waffenrechts entsprechend EU-Vorgaben stimmen

Auch wenn es in der EU zahlreiche Gegner von Waffen in privaten Händen gibt: In der Schweiz wollen am 19. Mai in einer Volksabstimmung zahlreiche Bürger nach wie vor für ihr Waffenrecht stimmen. Dabei gibt es aber hitzige Diskussionen ob das alte Waffenrecht erhalten bleiben soll oder ob es entsprechend des Schengener Euro-Abkommens überarbeitet, also verschärft werden soll. Die Anhänger […]

Sonntag, 28. April 2019

Todesfall UKE Hamburg + Wollte Ärztin Psychopharmaka mit Gewalt in den Mund stopfen lassen?

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versinkt in einem Skandal. Wie die linksalternative Tageszeitung taz berichtet, habe sich ein unglaublicher Vorfall an der „Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf“ mit Todesfolge eines Patienten ereignet.[i] Für die psychiatrische Klinik des UKE verantwortlich wird auf der Homepage des UKE Klinikdirektor Univ-Prof. Dr. Jürgen Gallinat genannt.[ii] Der Arzt lässt sich auch auf der […]

Freitag, 26. April 2019

Trauer

Asylsuchende aus Pakistan und Afghanistan werden in Sri Lanka wegen Terroranschlägen von verzweifelten Christen bedroht

Kommentar – Nach den Terroranschlägen von Sri Lanka, denen am höchsten Fest der Christen, dem Ostersonntag, rund 250 bis 300 Menschen zum Opfer fielen, kommen weitere Details ans Tageslicht. Alleine in der christlichen Kirche St. Sebastians in der Katuwapitiya Straße im sri-lankischen Städtchen Negombo[i] sollen 93 betende Christen von den Terroristen massakriert worden sein. Unter den in der alten Kirche […]