Ägypten: 11 bis 20 Demonstranten und Islamisten von Schlägertrupps getötet /160 Verletzte

In Ägyptens Hauptstadt Kairo sind heute bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen radikalen Islamisten und Gegendemonstranten mindestens 11 bis 20 Demonstranten gestorben. Die Toten seien überwiegend auf Seiten der Islamisten zu verzeichnen gewesen.

Außerdem hätten die aktuellen Auseinandersetzungen auch rund 160 Verletzte mit sich gebracht, berichtete die Polizei. Viele der Angreifer hätten Gewehre und Schlagstöcke bei sich gehabt. Außerdem seien viele der Demonstranten und Gegendemonstranten unter dem Einfluss von Drogen gestanden, wurde kriegsberichterstattung.com von Zeugen berichtet. Besonders für junge Leute gehört es gerade abends, nachts und am frühen Morgen zum üblichen Ritual, beispielsweise Haschisch oder Opium zu konsumieren.

Seit dem Sturz des langjährigen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak vor einem Jahr reißen die gewaltsamen Auseinandersetzungen besonders in Kairo nicht ab. Dabei sind die Opfer so unterschiedlich wie die Motive: Vor einem halben Jahr wurden mehr als 20 christliche Kopten im berühmten alten Koptischen Viertel von Kairo von radikalen Islamisten ermordet. Jetzt scheint es in Kairo eine Gegenbewegung zu geben und es wurden 11 bis 20 Islamisten umgebracht.

Viele Ägypter verfolgen mit großer Angst die zunehmende Macht der radikalen Islamisten, welche sich gegenüber dem Westen abgrenzen möchten. Sie fürchten, dass dadurch der wirtschaftlich dringend notwendige Aufschwung Ägyptens behindert wird. Besonders die Millionen Touristen bringen jährlich Milliarden Devisen ins Land. Doch sie werden von radikalen islamistischen Tendenzen in der Politik abgeschreckt.

Militärrat will eventuell Macht abgeben, genießt aber immer noch eine heldenhafte Verehrung unter vielen Ägyptern

Derweil hat der Militärrat von Ägypten bekannt gegeben, er erwäge möglicherweise noch im Mai die Macht komplett an eine zivile Regierung übergeben zu wollen. Das wäre für Ägypten eine Zäsur. Spielen doch die ägyptischen Militärs seit den Kriegen gegen Israel bis zum heutigen Tage eine teils fast schon heldenhafte Rolle im Land. Der Besuch des Militärmuseums in Kairo gehört für die Schüler zum Pflichtprogramm.

Da in Ägypten die erste Runde der Präsidentenwahl am 23. und 24. Mai. 2012 stattfindet, muss mit weiteren brutalen Auseinandersetzungen in Kairo gerechnet werden. Viele, die in Kairo leben, sagen, die eigentliche Revolution habe Ägypten mit dem Sturz Mubaraks nicht hinter sich, sondern sie stünde noch bevor.

Allerdings ist ein Urlaub in Ägypten für Touristen immer noch absolut sicher, zumal besonders die klassischen Urlaubsregionen wie El Gouna oder Luxor seit Anfang der Revolution komplett ruhig waren. Zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für Reisende. Das gilt im Prinzip auch für die Hauptstadt Kairo, zumal die Polizei und Militärs eine starke Präsenz zeigen. Davon konnte sich vor sechs Monaten das pazifistische Onlinemagazin kriegsberichterstattung.com auch selbst ein Bild vor Ort machen.

 

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