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Mittwoch, 19. September 2018

Nach Kriegskomödie: Angeblich „Morddrohungen“ gegen Jung-Schauspieler Ochsenknecht

Noch am Montagabend verkörperte Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht in einer „Kriegskomödie“ auf Pro7 jemanden, der sich nach Ansicht vieler über die Bundeswehrsoldaten, die im Ausland Kriegsdienst tun, lustig macht. Nun berichtet die BILD-Zeitung, er habe mittlerweile „Morddrohungen“ erhalten.

Doch schaut man sich die bekannt gewordenen Details an, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht viel mehr übrig bleibt, als dass ein oder mehrere soldatische Heißsporne in etwas jugendlicher Art und Weise übers Ziel hinausgeschossen haben, indem er oder sie auf ihrem Facebook-Profil „lediglich“ posteten, man würde Ochsenknecht „umbringen“, wenn Ochsenknecht ihm oder ihnen einen Besuch abstatten würde.

Wirklich ernst nehmen kann man so etwas nicht. Des weiteren wird berichtet, ähnliches hätten der oder die betreffenden Bundeswehr-Soldaten mittels Facebook privat auch an Ochsenknecht gesendet.

In Berlin sind Sprüche, wie „komm her, ich bring Dich um, Mann“ in bestimmten Vierteln, wie Neukölln oder Wedding, aber auch in Köln-Kalk oder dem Münchener Hasenbergl, auch in Hamburg-Altona, an jeder zweiten Straßenecke zu hören. Sie meinen aber nicht tatsächlich „Mord“, sondern eher „Komm her, wir diskutieren das mal aus“, im schlimmsten Fall „Ich will mich mit Dir schlägern“.

Kirche im Dorf lassen…

Deshalb sollte man hier auch die Kirche im Dorf lassen. Der oder die Soldaten, die das auf Facebook gepostet oder an Ochsenknecht-Junior verschickt haben, sollten sich einfach bei dem Schauspieler für diese beleidigenden Auslassungen entschuldigen und klar machen, dass es nicht so ernst gemeint war, wie es Dritte, welche der Gossensprache eher nicht bekannt sind, vielleicht interpretieren könnten.

Ochsenknecht-Junior wäre gut beraten, eine solche Entschuldigung auch anzunehmen, statt hier jetzt die große Keule der juristischen Rache zu schwingen – gerade wo die Kriegskomödie auf Pro7 vom Ostermontag ebenfalls etwas grob beleidigendes und verletzendes gegenüber den Soldaten der Bundeswehr hatte. Denn diese stehen gerade in Afghanistan tatsächilch Mord und Totschlag gegenüber – ausgeübt von den Taliban.

Grundsätzlich stellt sich dennoch für Facebook-Postings die Frage: Wann ist eine derbe gossenartige „Umgangskraftmeierei“ auf Facebook, wie „Ich bring Dich um“, eine grobe Beleidigung oder eine derbe Art der Nötigung und wann ist ein „Mord“-Spruch auf Facebook wirklich eine realistisch gemeinte „Morddrohung“.

Eines dürfte klar sein: Keiner der beteiligten Bundeswehrsoldaten hatte ernsthaft vor, Ochsenknecht auch nur ein Haar zu krümmen. Kritisch fragen lassen muss sich Ochsenknecht-Junior, warum er sofort mit der offensichtlich nicht gerade ernst gemeinten „Mord-Drohungen“ gleich an die Öffentlichkeit, also die Boulevardpresse ging? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch er die „Morddrohungen“ nicht wirklich ernst genommen hat und schlichtweg medial Kapitel daraus schlagen wollte. Oder gibt es neuerdings polizeilichen Personenschutz für Ochsenknecht-Junior?

Kritik an Pro7 steht im Zentrum

Außerdem kann die Diskussion um Ochsenknecht-Junior nicht darüber hinweg täuschen, dass derzeit immer noch gerade in Facebook die härteste Kritik direkt Richtung Pro7 geht. Der Sender hatte ausgerechnet zwei Jahre nachdem in Afghanistan gleich drei deutsche Soldaten ihr Leben verloren hatten, die umstrittene Kriegskomödie „Willkommen im Krieg“ ausgestrahlt – am Ostermontag.

Nach Ansicht vieler, sei dies nicht nur ein respektloser Umgang mit einem todernsten Thema, sondern auch ein unglücklich gewähltes Sendedatum. Denn knapp 40 deutsche Bundeswehrsoldaten sind bereits bei Auslandseinsätzen in Kriegen in den vergangenen Jahren ums Leben gekommen. Ostern 2010 ist für viele Soldaten der Bundeswehr immer noch ein ganz heikles Datum. Für sie ist das Thema Kriegseinsatz deshalb längst kein Scherz mehr.

Knapp 5000 Leser gaben einem Artikel zur Pro7-„Kriegskomödie“ eine Facebook-Empfehlung

Der Pro7-Kriegsfilm „Willkommen im Krieg“ sorgte auch auf dem pazifistischen Online-Portal kriegsberichterstattung.com, ein unabhängiger watchdog rund um Krisengebiete, für emotionale Debatten. Knapp 5000 Facebook-Nutzer klickten beispielsweise auf einem kriegsberichterstattung.com-Artikel, der sich mit der Kriegskomödie auseinandersetzte, den Facebook-Button „Artikel empfehlen“.

Das zeigt, wie wichtig das Thema auch in der Bundeswehr vielen sein dürfte. Denn viele der Artikel-Leser sind selbst Bundeswehrsoldaten. Ihre Kommentare über ihre Erlebnissen in Afghanistan sind bedrückend. Aber auch der Hass, der ihnen teils in Deutschland von Zivilbürgern grenzenlos entgegenschlägt, ist erschütternd. Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Thema „Kriegseinsätze“ in Deutschland noch lange höchst umstritten. Die Bundesregierung tut deshalb sehr gut, Deutschland aus Kriegen herauszuhalten.

Eine Komödie ist jedoch so oder so sicherlich nicht der richtige Umgang mit dem Thema Kriegseinsätze Deutschlands. Morddrohungen gegen Schauspieler sind jedoch ebenfalls absolut unakzeptabel. Allerdings wäre es falsch, hier einzelne Verblendete als Spiegelbild der Bundeswehr zu verwenden. Die Bundeswehr und die dort dienenden Soldaten machen seit vielen Jahren einen hervorragenden Job für Deutschland, aber auch weltweit. Die Soldaten der Bundeswehr sind ein wichtiger Garant für die innere und äußere Sicherheit. Obendrein ist die Bundeswehr ein wichtiges Bindeglied in der NATO, in der gerade Deutschland häufig eher kriegsverhindernd wirkt.

Zum erwähnten Bundeswehr-Artikel mit 5000-Facebook-Empfehlungen:

https://www.kriegsberichterstattung.com/id/1510/Warum-wir-deutsche-Soldaten-brauchen-und-warum-die-Politik-ihnen-mehr-Respekt-entgegenbringen-sollte/



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