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Freitag, 19. Oktober 2018

Flugzeugabsturz Parchim: Zeuge berichtet exklusiv kriegsberichterstattung.com wie er zwei Leben mit rettete

© mark wagner/ aviation-images.com all rights reserved

In Mecklenburg-Vorpommern, in Parchim, ist am Sonntag ein Flugzeug abgestürzt. Zwei Personen, ein Mann und eine Frau, starben. Zwei weitere konnten gerettet werden. Sie konnten gerettet werden, da mehrere Privatpersonen Zivilcourage zeigten und vor Ort anpackten, die Überlebenden – ebenfalls ein Mann und eine Frau – aus den Wrackteilen zogen. Und das, obwohl es nicht ganz ungefährlich war: Überall war Kerosin.

Ein Funke und das Flugzeug hätte brennen können und die zivilen Helfer wären selbst in Gefahr gewesen. W., 32, Informatiker aus Bremen, war zufällig Zeuge, als das Flugzeug abstürzte. Anschließend half er mutig zwei Menschenleben zu retten. Dem pazifistischen Onlinemagazin kriegsberichterstattung.com gewährte er ein Interview über die zivile Rettungsaktion. Bei der verunglückten Maschine handelt es sich um eine Diamond DA42, die in Foren und Fachbeiträgen zunehmend kritisiert wird (Zitat am Ende des Textes). Vermutlich wollten die Passagiere in die Schweiz zurückfliegen.

kriegsberichterstattung.com: Herr W., wie ist das Flugzeugunglück in Parchim passiert?

W.: Ich fuhr mit meinem Auto etwas sechs Kilometer außerhalb von Parchim. Da sah ich ein Sportflugzeug in einem seltsamen Winkel am Himmel fliegen – im 90 Grad-Winkel zur Erde. Das Flugzeug war komplett gekippt, so dass man von unten nicht die Tragfläche sah, sondern einen Flügel der wie ein Pfeil richtung Erde zeigte. Ich dachte mir noch, was macht denn der Pilot da.

Und dann?

W.: Es wirkte sehr bedrohlich. Dann sah ich, wie das Flugzeug über die Wiese in dieser seltsamen Position schwebte und irgendwann im Wald verschwand. Ich fuhr mit dem Auto weiter und sah, dass ein Mann ein Warnschild aufstellte. Da erfuhr ich, dass das Flugzeug, welches ich in dieser seltsamen Position gesehen hatte, abgestürzt war. Ich rannte die circa 300 Meter zum Unglücksort.

Was sahen Sie?

W.: Ich sah überall Wrackteile. Das Flugzeug war nicht mehr zu erkennen. Ich dachte nur, hoffentlich gibt es da noch Überlebende, denen ich helfen kann.

Und das taten Sie dann auch?

Ja. Es waren mittlerweile auch noch andere Personen vor Ort. Die unterhielten sich, dass sie Angst hätten, dass das Kerosin, das überall die Wrackteile überzog, sich entzünden könnte. Ich sah, wie das Kerosin aus den zerbrochenen Flügeln lief und über die Wrackteile floss. Der Boden vor dem Wrack war dunkel gefärbt, wie nasser Wiesenboden aussieht. Also beschloss ich, einen weiten Bogen um die größten Wrackteile der Kabine zu machen und ging von vorne, wo ich kein Kerosin sehen konnte, an das Flugzeug ran.

Und dort?

Ich sah einen Mann, er hing im Sicherheitsgurt seines Sitzes. Er lebte noch und er rief um Hilfe. Gemeinsam mit einem anderen Mann schnallte ich ihn vorsichtig ab und wir trugen ihn etwas vom Flugzeug weg und legten ihn auf die Wiese. Der Mann war auch noch ansprechbar, aber schwer verletzt. Beim Wegtragen sah ich im Wrack eine weitere Frau. Hier versperrte aber ein Wrackteil den Weg, welches sich jedoch leicht entfernen lies. Dann konnte wir die Frau auch vom Gurt lösen und vorsichtig herausziehen. Wir trugen sie ebenfalls auf die Wiese und ich blieb bei ihr. Sie war bei Bewusstsein und ansprechbar. Nach meiner Information, und so wie wir das vor Ort sahen, saßen die beiden Männer vorne, die beiden Frauen hinten.

Ich habe die Frau zwei Sanitätern übergeben, ich habe aber nicht gesehen, wie sie dann ins Krankenhaus kam. Die Frau berichtete von einem Motorproblem vor dem Absturz. Ich vermute die Fluglage ist ein Resultat des Motorproblems. Das Flugzeug schlitterte ziemlich sicher von der Wiese in den Wald. Beim Auftreffen der Tragflächen in den ersten Baumreihen brachen diese dann auseinander.

Wann kamen die offiziellen Rettungsmannschaften?

Die Polizei war als erstes vor Ort, dann kamen nach und nach Feuerwehrautos und Rettungswägen. Der Mann wurde in einem ADAC-Rettungshubschrauber nach 30 bis 45 Minuten in ein Krankenhaus geflogen.

Was war mit den beiden Toten im Flugzeug?

Darüber möchte ich nicht sprechen. Es war schrecklich. Man konnte die Menschen kaum mehr erkennen. Der Mann hatte schlimmste Kopfverletzungen.

Wie erklären Sie sich den Flugzeugabsturz?

Das hängt sicherlich mit der seltsamen 90-Grad-Stellung des Flugzeugs zusammen. So fliegt man ja normalerweise nicht. Soweit ich das rekonstruieren kann, ist das Flugzeug in einer solchen massiven Schräglage möglicherweise auch auf der Wiese aufgeknallt und schlidderte dann weiter Richtung Wald. In der Wiese klaffen zahlreiche große Furchen von dem Aufschlag. Allerdings gibt es auch klare Spuren im Wald, da das Flugzeug dort eine Schneise geschlagen hat.

Ich habe aus der Überzeugung geholfen, dass auch andere Menschen mir selbst in einer Notlage helfen würden.

kriegsberichterstattung.com: Herr W., sie, sowie die anderen zivilen Helfer, haben sich selbst in Gefahr gebracht, um anderen Menschen zu helfen und ihr Leben zu retten. Wir danken Ihnen für das offene Gespräch und hoffen, dass es hilft, dass auch andere in Stunden der Not Zivilcourage zeigen und behilflich sind.

FLUGZEUG DA 42 des Herstellers Diamond Aircraft Industries GmbH aus Österreich, steht zunehmend in der Kritik. Zitat aus flightforum.ch, welches sich auf austrianwings.at bezieht:

„Die Diamond DA 42 steht seit Jahren wiederholt in der Kritik von Piloten und Fachmagazinen, da es in der Vergangenheit zu einer Häufung von schweren, mitunter tödlichen Unfällen kam – allein zwischen Juni 2007 und Juni 2009 gingen acht DA 42 Twin Star durch Unfälle verloren, zwölf Menschen starben, mehrere wurden schwer verletzt.“

Auch dieser Artikel könnte Sie interessieren: Flugzeugabsturz Parchim: Schweizer Familienangehöriger der Überlebenden bedankt sich bei deutschen Helfern über kriegsberichterstattung.com



Kommentare (2)


Sven Engelberg 31. Mai 2012 um 22:01

Hallo,
auch ich war Ersthelfer und war als Erster am Wrack und habe die Rettungskräfte alarmiert. Dann habe ich zusammen mit Herrn W. und anderen Helfern die Überlebenden aus dem Wrack befreit und anschließend betreut. Seit nunmehr fast 17 Jahren bin ich Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr und kann sagen, dass es eine sehr riskante Rettungsaktion war. Dennoch bin ich froh , dass wir zwei Menschenleben retten konnten. Ich wünsche den Geretteten eine schnelle Genesung!

Antworten

Rolf 29. Mai 2012 um 20:00

Ich möchte mich von ganzem Herzen im Namen von meiner Schwester und meines Schwagers, die beide überlebt haben, bei Herrn Martin Martin W. und all den unbekannten Helfern vorerst auf diesem Weg bedanken! Rolf aus der Schweiz

Antworten

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