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Sonntag, 21. April 2019

Mubarak von Ägypten lebenslange Haft

Hosni Mubarak, 84, der einstige ägyptische Volksheld, da er 1968 im Krieg mit Israel aus ägyptischer Sicht als Sieger hervorging, muss lebenslang hinter Gitter. Das entschied am Samstag ein Gericht. Mubarak war seit 1982 ägyptischer Präsident. Mubarak wurde vor etwas mehr als einem Jahr in der ägyptischen Revolution gestürzt. Die Menschen hatten das korrupte System im Staat satt. Mubarak hatte es versäumt eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Menschen gleiche Chancen haben. Besonders junge Menschen sahen und sehen sich in Ägypten um ihre Zukunft betrogen. Dass Mubarak lebenslang hinter Gitter muss ist besonders den Hunderten Toten während der gewaltsamen Revolution in Kairo im Frühjahr 2011 zuzuschreiben. Auf dem Tahirplatz war es zu einem Massaker an Demonstranten gekommen.

Für Mubarak selber ist das Urteil zu lebenslanger Haft ein harter Schlag. Aus seiner Sicht hatte er vieles während seiner Amtszeit richtig gemacht: Er hatte als einziges arabisches Land für eine friedliche und dauerhafte Aussöhnung mit Israel gesorgt. Er hatte das Land für den Tourismus geöffnet und Millionen Touristen, davon Dutzende Millionen Deutsche, im Laufe von Jahrzehnten ins Land am Nil geholt. Unter seiner Regierung ging es den Ägyptern zunehmend besser, aber im Vergleich zu Ländern wie Libyen immer noch nicht wirklich gut. So liegt das ägyptische Brutto-Pro-Kopf-Einkommen mit unter 200 Euro pro Monat mehr als vier Mal niedriger als im Nachbarland Libyen.

Ahmed, 23, vom Ostofer des Nils in Luxor, erzählte schon vor Monaten dem Kriegsberichterstatter des pazifistischen Onlinemagazins kriegsberichterstattung.com: „Der Staat war einfach nur noch korrupt. Wollte man einen Taxischein in Luxor musste man vier Tausend Euro an den korrupten Beamten in der lokalen Bezirksbehörde bezahlen. Ich selbst bin von heute auf morgen verhaftet worden, geschlagen worden, war ein Jahr lang im Gefängnis in Kairo, da wir uns gegen eine Zwangsenteignung ohne Entschädigung gewehrt hatten.“

In Luxor hatten vor zwei Jahren Hunderte Familien, die ohne rechtliche Basis seit Jahrzehnten direkt am Nilufer gebaut hatten, ihr Haus verloren. Sie wurden über Nacht enteignet und nicht entschädigt. Der wertvolle Grund und Boden der wurden, hatten sich teils korrupte Beamte unter den Nagel gerissen oder reiche mächtige ägyptische Patriarchen.

Vernachlässigungen gab es in Ägypten während Mubaraks Regentschaft – sie nannten ihn auch den Pharao – auch in der Bildung. Millionen junger Menschen, selbst in Kairo, können immer noch keine zweite Fremdsprache. Wer englisch spricht gilt schon als aus der privilegierten Schicht entstammend.

Das Urteil gegen Mubarak geht vielen Ägyptern nicht weit genug. Sie wollten gar eine Hinrichtung von Mubarak. Allerdings hat das Gericht in Kairo weise entschieden. Denn eines kann man Hosni Mubarak nicht nehmen: Er ist wahrlich nicht der schlimmste Regierungschef in Afrika gewesen und hat erheblich dazu beigetragen, dass seit Jahrzehnten kein Krieg in der Region – besonders mit Israel – mehr entfachte. Auch der Westen hat Mubarak sehr viel zu verdanken. Es ist ein kläglicher Freundschaftsbeweis, dass der Westen jahrzehntelang hofierte und jetzt ihn wie einen Outlaw, einen Aussätzigen, behandelt.



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