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Dienstag, 21. Mai 2019

UAE

Matthew Hedges – Großbritannien droht Abu Dhabi „ernsthafte Konsequenzen“ wegen lebenslanger Haft für Briten an

Abu Dhabi feiert mit seiner Fluglinie "Emirates" derzeit den 100. Geburtstag seines 2004 verstorbenen Sultans und Diktators Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan.

Die Verstimmungen zwischen dem Westen und der arabischen Halbinsel nimmt weiter dramatische Ausmaße an. Jetzt drohte die britische Regierung den Diktatoren der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) „ernsthafte diplomatische Konsequenzen“ für die Inhaftierung eines jungen Briten an. Dies teilte der britische Außenminister mit.

Auf Antrag von Abdu Dhabi war der junge britische Doktorand Matthew Hedges am Flughafen von Dubai im Mai 2018 verhaftet worden. Dies berichtet der amerikanische Nachrichtensender CNN auf seiner Homepage. [1]

Die Vereinigten Arabischen Emirate werfen dem jungen Briten vor, er habe keine Studien für seine Doktorarbeit in Dubai und Abu Dhabi durchgeführt. Vielmehr habe er angeblich für die britische Regierung „Spionage“ betrieben. Großbritannien weist diese Behauptungen zurück.

Es ist nicht der erste Fall, dass vor allem Abu Dhabi mit drastischen Strafen gegen Bürger vorgeht, die in irgendeiner Weise die Diktatoren der UAE kritisch hinterfragen. Denn alle Länder der Vereinigten Arabischen Emiraten sind nicht Demokratien, sondern letztlich Diktaturen, verkleidet unter dem Deckmantel von absolutistisch geführter Monarchien.

Doch dass ein Brite, der über die gesellschaftlichen Zustände in Abu Dhabi akademische Recherchen durchführte, nun zu lebenslanger Haft verurteilt wird, ist eine neue Zuspitzung der irren Zustände auf der arabischen Halbinsel.

Er schrieb an seiner Doktorarbeit über den Arabischen Frühling

Matthew Hedges ist ein Spezialist für Nahoststudien an der Durham University in Großbritannien. Er war bereits am 5. Mai 2018 von Beamten der Vereinigten Arabischen Emirate festgenommen worden, als er nach einer Forschungsreise den Flughafen von Dubai verlassen wollte.

Die Familie des jungen Briten teilte gegenüber der Presse mit, man habe ihn nach der Verhaftung lediglich fünf Minuten verhört, ihm keinen Rechtsbeistand gewährt und hätte ihn nun am 21. November 2018 in einem kurzen Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seit Mai 2018 hatten die Vereinigten Arabischen Emirate den 31-jährigen Matthew Hedges fast sechs Monate in Einzelhafte gehalten. Noch vergangenen Monat war er auf Kaution aus der Haft zwischenzeitlich entlassen worden, hatte aber Abu Dhabi nicht verlassen dürfen.

„Zutiefst geschockt“

Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt erklärte am Mittwoch, das nun in Abu Dhabi ausgesprochene Gerichtsurteil entspreche nicht dem, was das Vereinigte Königreich „von einem Freund und einem vertrauenswürdigen Partner… erwartet“.

  • Zudem verstoße das Urteil gegen  „frühere Zusicherungen“.
  • Entsprechend sei Großbritannien nun „zutiefst geschockt und enttäuscht“.

Auch die britische Premierministerin Theresa May erklärte, sie sei „tief enttäuscht und besorgt“ über das Urteil. Derzeit sei man auf „höchster Ebene“ mit den Regierenden der UAE im Gespräch.

Die Ehefrau des zu lebenslanger Haft verurteilten Doktoranten, Daniels Tejada, erklärte, sie sei während der Gerichtsverhandlung  anwesend gewesen. Ihr Mann habe nach dem Lebenslang-Urteil  vom Mittwoch am ganzen Körper gezittert. Bereits die vergangenen sechs Monate seien für sie und ihren Mann die „schlimmsten“ ihres Lebens gewesen:

„Das Auswärtige Amt weiß das und hat den Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate klar gemacht, dass Matthew kein Spion für sie ist“, erklärte Tejada.

Er habe „Sicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate gefährdet“

Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate, Hamad Al Shamsi, hatte bereits am 15. Oktober 2018 behauptet, dass „ein britischer Staatsbürger angeklagt“  worden sei unter dem Vorwurf, er habe für einen fremden Staat und dessen Militär und die Wirtschaft spioniert. Damit habe er angeblich die „politische Sicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate gefährdet“.

Hedges wiederum erklärte, er habe in den Vereinigten Arabischen Emiraten lediglich Interviews für seine Doktorarbeit geführt, was Abu Dhabi aber als angebliche Scheinbehauptung vom Tisch wischt.

Dem widerspricht Daniels Tejada und teilte mit, wonach ihr 31-jähriger Mann in den VAE gewesen sei, um für seine Doktorarbeit über zivil-militärische Beziehungen nach dem Arabischen Frühling Interviews mit Bürgern zu führen.

„Ist die Golfnation Verbündeter oder Gefährder?“

Radha Stirling, die Chief Executive der britischen Rechtsberatungsgesellschaft „RadhaStirlingLaw / Radha Stirling Limited“ [2], erklärte, die Besorgnisse wüchsen, „ob die Golfnation wirklich ein Verbündeter ist oder tatsächlich eine Gefahr für nationale Interessen darstellt“:

Die Vereinigten Arabischen Emirate zeigten im Moment immer wieder:

  • Dass die Realität in den Vereinigten Arabischen Emiraten nichts mit dem angeblichen modernen Image zu tun hätte, welches PR-Agenturen über die UAE gerne verbreiteten.

Man müsse sich, so Stirling, deutlich machen, dass das Justizsystem in Abu Dhabi für Korruption, unfaire Gerichtsverfahren, erzwungene Geständnisse und Diskriminierung bekannt sei.

Dabei habe man bereits in der Vergangenheit mit den UAE schlechte Erfahrungen gemacht, weshalb britische Gerichte immer wieder Auslieferungsersuchen ablehnten, da man von keinen rechtsstaatlichen Verfahren in Dubai oder Abu Dhabi ausgehe.

Matthew Hedges wurde mit Drogen durch UAE gefoltert

Die Familie des zu lebenslanger Haft verurteilten Matthew Hedges kommentierte des Gerichtsurteil auch mit den Worten, wonach der 31-jährige Matt in den ersten sechs Wochen seiner Inhaftierung „ohne Anwalt oder konsularische Vertretung verhört und in Einzelhaft gehalten“ worden sei. Zudem hätte man Hedges gezwungen ein Dokument auf Arabisch zu unterschreiben, das dieser aber überhaupt nicht verstanden habe.

Die Familie des Briten teilte zudem mit, wonach sich die geistige und körperliche Gesundheit von Matthew Hedges in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert habe. Dies liege zum einen an der Einzelhaft, zum anderen daran, dass Matt von den UAE-Gefängniswärtern immer wieder dubiose gefährliche Medikamentencocktails verabreicht bekommen habe. Darunter seien die Drogen Xanax, Valium und Ritalin. „Nach vier Monaten Einzelhaft begann er täglich zu erbrechen.“

Die Vereinigten Arabischen Emirate wurden von Großbritannien im Jahr 1971 aus der Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen. Dabei ließ man die Diktatorenfamilie der Zayid  an der Macht, die seitdem diktatorisch herrscht. In Wikipedia UK heißt es dazu:

„With the announcement by the UK in 1968 that it would withdraw from the Persian Gulf area by 1971, Sheikh Zayed became the main driving force behind the formation of the United Arab Emirates.“ [3]

Das heißt übersetzt: Erster Diktator und Präsident von Abu Dhabi, aber auch den Vereinigten Arabischen Emiraten, war Sultan Zayid bin Sultan Al Nahyan (er wird auch als Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan geschrieben).

Die UAE-Fluglinie „Emirates“ fliegt derzeit mit Flugzeugen rund um die Welt, in der man den theoretisch 100. Geburtstag des 2004 verstorbenen Diktators und Sultans mit großformatigen Fotos feiert (Foto).

In der offiziellen Biografie zu Abu Dhabi erwähnt das führende UAE-Land das Noch-EU-Mitglied Großbritannien mit keiner Zeile. Dafür wird die angeblich große Partnerschaft mit den USA gefeiert. [3]

Einzelnachweise

[1] There will be ’serious diplomatic consequences‘ for jailing Briton in UAE, says UK’s Foreign Secretary, von: Sarah El Sirgany und Sam Kiley, auf: CNN.com vom 21. November 2018.

[2] RadhaStirlingLaw / Radha Stirling Limited.

[3] Emirate of Abu Dhabi. Arabisch: إِمَـارَة أَبُـوظَـبِي‎ Imārat Abū Ẓaby.

[4] Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, Founder of the UAE, auf: Embassy of the United Arab Emirates, Washington, USA.



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