Precht TV Kritik – In der ZDF-Gesprächsreihe Deutschland 2012 von Talkmaster Richard David Precht (wir haben von ihm vorher noch nie etwas gehört, aber ok) ging es in der Nacht zum Montag um das Thema Freiheit, beziehungsweise um die Frage „Gefährliche Freiheit“. Als Gast war Dr. Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer AG (u.a. BILD-Zeitung, Hamburger Abendblatt, Die Welt etc.) im Studio. Er zeigte sich als spannender Gesprächspartner in der Sendung, der lebendig und auch emotional sich mit dem Thema Freiheit auseinandersetze.

In der ZDF-Sendung von Precht wurden mehrere Aspekte rund umd die „Freiheit“ angeteasert. Hierzu gehörte beispielsweise auch die Freiheit des Internets. Man müsse damit leben, dass die Online-Welt eine Welt der Anarchie sei, argumentierte der Springer-Chef Mathias Döpfner. Länder wie China zeigten, wenn das Netz staatlich dominiert werde, dass das Internet dann in eine Fratze abgleite, die sich gegen die Freiheit stelle. Deshalb müsse das Internet dezentral anarchisch bleiben in der vieles im Wettbewerb stehe – kluges und dummes, ist Döpfner überzeugt. Es gehöre sogar auch dazu, dass das Internet Platz für shitstorms biete, auch eine Prangerfunktion erfülle. Das sei allemal besser als der Pranger auf dem Marktplatz, wie man es aus früheren Zeiten kannte, ist Döpfner überzeugt.

Auf die Frage, durch wen Döpfner die Freiheit in Deutschland am meisten bedroht sehe, meinte er: Gefährlich seien in Deutschland auf jeden Fall Parallelgesellschaften in denen auch Gewaltbereitschaft existiere, wie beispielsweise in Berlin. Absolut abzulehnen seien Gesellschaften, in denen die Freiheit anderer Menschen angegriffen werde. Hierzu gehörten beispielsweise auch die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung, also beispielsweise die Freiheit homosexuell zu sein.

Auch das Thema islamische Gesellschaften wurde in der ZDF-Talkshow nicht ausgespart. Ohne konkrete Länder zu nennen, zeigte sich Döpfner als Gegner militärischer Handlungen, nur weil in einem Land eine andere Gesinnung herrsche, als im Westen akzeptiert (Anmerkung: Alles andere wäre ja wohl auch eine unglaubliche Arroganz des Westens). Aber wenn es Massenmord gebe, Völkermord, könne es schon so sein, dass man auch als Weltgemeinschaft sage, da können wir nicht mehr länger zuschauen.

Das Freiheits-Land par Exzellenz ist für den Springer-Chef die USA. Er ist der Überzeugung, dass die individuelle Freiheit in den USA einen höheren Stellenwert habe, als in Deutschland. Das sei aber auch geschichtlich erklärbar. Man traue in den Vereinigten Staaten von Amerika dem Staat grundsätzlich weniger als in Deutschland. Die Deutschen hätten eine zu starke Staatenhörigkeit. Deshalb wolle er, Döpfner, Deutschland zu mehr Freiheit ermutigen, aber nicht herum mosern, dass es zu wenig Freiheit gebe.

Als positives Freiheits-Beispiel wurde in der Talkshow auch die Schweiz genannt. Dort zeige man gelebte Freiheit, in dem die individuellen Freiheiten in den Kantonen stärker gelebt würden als in Deutschland. Obgleich, räumte Döpfner ein, auch die Schweiz sicherlich in einigen Dingen arg eng sei.

Wer über Freiheit rede, da waren der ZDF-Gastgeber Precht sowie der Springer-Mann Döpfner gleicher Meinung, könne die Chancengleichheit des Individuums nicht außen vor lassen. Die beiden Dinge bedingten sich gegenseitig, zeigte sich Döpfner überzeugt, der selbst einmal Chefredakteur der Tageszeitung DIE WELT war. Als besonders gutes Beispiel, dass Chancengleichheit hervorragende Möglichkeiten biete, nannte Döpfner den Bundeskanzler a.D., Dr. Gehard Schröder. Er habe gezeigt, dass man auch, wenn man aus einfachen Verhältnissen stamme, aus seinem Leben großartiges machen könne.

Bei diesem Thema verwies Moderator Precht auch auf die zunehmende Kluft zwischen arm und reich in Deutschland. Dabei sei es doch seltsam, dass, obwohl es in Deutschland so viele Arbeitsplätze wie noch nie zuvor in der Geschichte in Deutschland gebe, doch die Kluft zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehe. Woran denn das liege, wollte er von Multimillionär Döpfner wissen.

 

Döpfners Antwort: Das wisse er auch nicht, woran das liege. Er müsse eingestehen, darauf keine Antwort im Moment zu haben. Doch in einem sei er sich sicher: Die Umverteilung sei keine Lösung. Es fördere nicht mehr Leistungsenergie, es gebe eine Erosion des Prinzips Eigentum, des Prinzips Leistung. Das fördere die Trägheit der Gesellschaft. Am Ende würde es allen schlechter gehen, ist Döpfner überzeugt. Das kenne man schon aus dem Sozialismus.

Aber auch davon zeigte sich der oberste BILD-Chef überzeugt: Jene, die viel Geld hätten, müssten freiwillig sich dafür einsetzen, dass es Chancengleichheit gebe. Sie müssten sich aktiv dafür einsetzen. Das sei letztlich in ihrem ureigensten Interesse.

Dem erwiderte jedoch Precht, dass man bislang keine guten Erfahrungen mit dem Thema freiwilliger Selbstverpflichtung gemacht habe. Als Beispiel nannte er die Finanzmärkte in der Wirtschaftskrise. Nach 20 Jahren Deregulierungspolitik müsse nun der Staat wieder stärker Schiedsrichter sein. Dem wollte sich Döpfner wiederum nicht anschließen. Der Staat als Schiedsrichter das sei immer auch eine schwierige Sache. Denn häufig würde dann für die falsche Seite gepfiffen. Als Beispiel nannte er den meist misslungen Versuch von Staaten nicht mehr lebensfähige Firmen durch Subventionen am Leben zu erhalten.

Etwas verworren wird Döpfner schließlich aber beim Thema Finanzkrise. Einerseits zeigte er sich überzeugt, das sei ein letzter Warnschuss an alle freien Gesellschaften, aber er sei sich nicht sicher, ob eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte wirklich der richtige Schritt sei. Sicher sei er sich lediglich darin, dass man etwas ändern müsse (ok, so what?).

Fazit der ZDF-Talkrunde in der Nacht zum Montag: Während Gastgeber Richard David Precht immer wieder ins fast ermüdende Dozieren abgleitete – ganz so, als erwarte er von seinen Studenten Beifall im Hörsaal – schaffte es Döpfner doch mit Schlagfertigkeit und deutlich anzumerkendem Interesse am Leben und der Welt, dass man ihm tendenziell mehr zu hörte, während Precht teils etwas selbstverliebt launig wirkte. Keine Frage: Döpfner war im ZDF der interessantere Gesprächspartner bei Precht.

 

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