Skip to main content
Donnerstag, 16. Januar 2020

Claus Jacobi Tod: Trauer um Ex-Spiegel- und Bild-Chef

Er gehörte zu jenen Menschen, für die der Satz gilt: Will he live forever? Mit 86 Jahren ist der bekannte Journalist Claus Jacobi in Hamburg gestorben. Er verkörpert jene journalistischen Federn, die unsterblich schienen – bis zuletzt las man regelmäßig intelligente, feinfühlige und doch präzise Analysen zum politischen und gesellschaftlichen Tagesgeschehen in Deutschland und der Welt von ihm – prominent auf Seite 2 der Gesamtausgabe der Bild-Zeitung. Dabei tat er einem als Leser immer gut. Denn Jacobi war ein Stück weit eine Entschleunigung der Zeit, des Seins.

Jacobi ist der einzige Chefredakteur, der den Spagat hinbekommen hat, einerseits beim linksliberalen Magazin DER SPIEGEL als Chefredakteur unter Rudolf Augstein gearbeitet zu haben (Chefredakteur von 1962 bis 1968 mit Johannes K. Engel), wie später als Redaktions-Direktor unter dem konservativ-nationalen Verleger Axel Springer für die BILD-Zeitung sowie als Chefredakteur für die Wochenzeitung „Welt am Sonntag“.

Wie es heißt, sei Claus Jacobi in der Nacht zum Samstag verstorben. Bis zuletzt glaubte man ihm seine 86 Jahre kaum – er sah wesentlich jünger aus und war auch noch im hohen Alter das, was man als attraktive männliche Erscheinung umschreiben könnte. Bereits vor eineinhalb Jahren, schreibt nun das Hamburger Abendblatt, sei Jacobis Frau Heike, eine Malerin, gestorben. Sie habe sich viele Jahre um Kinder engagiert, die von schwerer Krankheit gezeichnet gewesen seien. Neben Hamburg war die Nordseeinsel Sylt das zwei Zuhause der Jacobis.

Berühmt wurde Claus Jacobi als er als Chefredakteur des wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL in den 1960er Jahren Seite an Seite mit seinem Verleger Rudolf Augstein ins Gefängnis ging. Nach einer Razzia in den Redaktionsräumen im Hamburger berühmten alten SPIEGEL-Haus war er von der Polizei festgenommen worden. Initiiert hatte die Razzia der damalige deutsche Innenminister, Bayerns CSU-Urgestein und Polterer Franz-Josef Strauß. Die als SPIEGEL-Affäre bekannt gewordene Szene endete mit dem Rücktritt von Strauß in der damaligen westdeutschen Hauptstadt Bonn. Deshalb sprechen viele auch von der Strauß-Affäre.

Mit Claus Jacobi geht einer der ganz großen deutschen Journalisten – einer mit dem man wahrscheinlich noch sehr viele Jahre den gut recherchierten und intelligenten Print-Journalismus in Verbindung bringen wird. Claus Jacobi war für Generationen von Journalisten und Journalistinnen ein Vorbild. Das dürfte er auch noch viele Jahre bleiben. Denn, wie heißt es so schön, wenn auch simpel: Niemals geht man so ganz. Irgendwas von Claus Jacobi bleibt hoffentlich hier – und das ist zumindest die Erinnerung an einen vorzüglichen Journalismus. Sein Vorbild sollte uns auch in Zukunft weisen – gerade auf Grund der Schwächen des Internetjournalismus. Vorbildlich war Claus Jacobi vor allem, da er auch einmal gegen den langweiligen Mainstream-Journalismus anschrieb. Claus Jacobi: Wir werden ihn vermissen. Wir werden Deine Bild-Kolumnen vermissen. Danke Kai Diekmann, dass Du ihm dieses Forum all die Jahre so schön gewährt hast.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Samstag, 28. Dezember 2019

Italien, Mailand:

Organisierte Rip Deal Kriminalität stiehlt österreichischem Makler 23.000 Euro

Ein österreichischer Immobilienmakler einer bekannten internationalen Maklerkette wurde im Frühjahr 2019 Opfer eines Immobilien Rip Deals. Das schrieb er uns nun, sichtlich immer noch unter Schock. Im Rahmen des Finanzbetrugs wurde er in einem Kaffee in Mailand von den Gangstern um 23.000 Euro in bar betrogen. Der Rip Deal wurde im Rahmen der Organisierten Kriminalität mal wieder über die Niederlande […]

Samstag, 28. Dezember 2019

Gegen US-Strafverfolgung

Brief an Journalist Julian Assange von NoWar2019

Die vierte Jahreskonferenz der NGO-Organisation «World BEYOND War» (worldbeyondwar.org), hat bereits am 4. und 5. Oktober 2019 in Limerick, Irland, einen Brief verfasst, welcher die US-Strafverfolgung des Journalisten und Verlegers Julian Assange massiv kritisiert. Wir haben diesen Brief aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und geben ihn euch hier zur Kenntnis: „Wir sind Ihnen dankbar für die Arbeit, die Sie […]

Freitag, 06. September 2019

Vertreiber

Diktator Robert Mugabe, Schlächter der Weißen, ist in Simbabwe mit 95 gestorben

Simbabwes Diktator, Robert Mugabe, ist tot. Er starb mit 95 Jahren in seinem Heimatland. Er galt für viele Schwarze als Ikone des Freiheitskampfes. So war er einer von Hunderttausenden, die vor allem in den 1970er Jahren für die Unabhängigkeit Simbabwes von der brutalen Kolonialmacht Großbritannien kämpften. Erst 1980 konnte das Ziel erreicht werden und Simbabwe erlangte seine Unabhängigkeit. Simbabwe liegt […]

Donnerstag, 15. August 2019

Verweigerung?

Kramp-Karrenbauer scheint Nationalhymne nicht beim Großen Zapfenstreich gesungen zu haben

Beim Großen Zapfenstreich angesichts der Verabschiedung von Ursula von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin hatte man den Eindruck als ob Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), genannt AKK, in Berlin das Singen der Nationalhymne (Deutschlandhymne, Deutschlandlied) verweigerte. Die CDU-Vorsitzende AKK stand gegen 22.15 Uhr stumm, etwas um den Mund zuckend, neben von der Leyen, die mit den Soldaten des Großen Zapfenstreichs die Deutschlandhymne sang. […]

Freitag, 05. Juli 2019

Öltanker

Großbritanniens Piraterie in Gibraltar gegen Iran und Syrien ist völkerrechtlich krimineller Akt

Kommentar – Großbritannien hat in einem Akt internationaler Piraterie auf Bitte der rechtspopulistischen Regierung der USA einen Öltanker militärisch aufgerieben und festgehalten. Der Öltanker hatte in der Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer vorstoßen wollte. Angeblich gehöre der Öltanker zum Iran, der Öl nach Syrien habe transportieren wollen. Sowohl das Mittelmeer als auch die Straße von Gibraltar sind öffentlich zugängliche Gewässer, […]

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]