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Claus Jacobi Tod: Trauer um Ex-Spiegel- und Bild-Chef

Er gehörte zu jenen Menschen, für die der Satz gilt: Will he live forever? Mit 86 Jahren ist der bekannte Journalist Claus Jacobi in Hamburg gestorben. Er verkörpert jene journalistischen Federn, die unsterblich schienen – bis zuletzt las man regelmäßig intelligente, feinfühlige und doch präzise Analysen zum politischen und gesellschaftlichen Tagesgeschehen in Deutschland und der Welt von ihm – prominent auf Seite 2 der Gesamtausgabe der Bild-Zeitung. Dabei tat er einem als Leser immer gut. Denn Jacobi war ein Stück weit eine Entschleunigung der Zeit, des Seins.

Jacobi ist der einzige Chefredakteur, der den Spagat hinbekommen hat, einerseits beim linksliberalen Magazin DER SPIEGEL als Chefredakteur unter Rudolf Augstein gearbeitet zu haben (Chefredakteur von 1962 bis 1968 mit Johannes K. Engel), wie später als Redaktions-Direktor unter dem konservativ-nationalen Verleger Axel Springer für die BILD-Zeitung sowie als Chefredakteur für die Wochenzeitung „Welt am Sonntag“.

Wie es heißt, sei Claus Jacobi in der Nacht zum Samstag verstorben. Bis zuletzt glaubte man ihm seine 86 Jahre kaum – er sah wesentlich jünger aus und war auch noch im hohen Alter das, was man als attraktive männliche Erscheinung umschreiben könnte. Bereits vor eineinhalb Jahren, schreibt nun das Hamburger Abendblatt, sei Jacobis Frau Heike, eine Malerin, gestorben. Sie habe sich viele Jahre um Kinder engagiert, die von schwerer Krankheit gezeichnet gewesen seien. Neben Hamburg war die Nordseeinsel Sylt das zwei Zuhause der Jacobis.

Berühmt wurde Claus Jacobi als er als Chefredakteur des wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL in den 1960er Jahren Seite an Seite mit seinem Verleger Rudolf Augstein ins Gefängnis ging. Nach einer Razzia in den Redaktionsräumen im Hamburger berühmten alten SPIEGEL-Haus war er von der Polizei festgenommen worden. Initiiert hatte die Razzia der damalige deutsche Innenminister, Bayerns CSU-Urgestein und Polterer Franz-Josef Strauß. Die als SPIEGEL-Affäre bekannt gewordene Szene endete mit dem Rücktritt von Strauß in der damaligen westdeutschen Hauptstadt Bonn. Deshalb sprechen viele auch von der Strauß-Affäre.

Mit Claus Jacobi geht einer der ganz großen deutschen Journalisten – einer mit dem man wahrscheinlich noch sehr viele Jahre den gut recherchierten und intelligenten Print-Journalismus in Verbindung bringen wird. Claus Jacobi war für Generationen von Journalisten und Journalistinnen ein Vorbild. Das dürfte er auch noch viele Jahre bleiben. Denn, wie heißt es so schön, wenn auch simpel: Niemals geht man so ganz. Irgendwas von Claus Jacobi bleibt hoffentlich hier – und das ist zumindest die Erinnerung an einen vorzüglichen Journalismus. Sein Vorbild sollte uns auch in Zukunft weisen – gerade auf Grund der Schwächen des Internetjournalismus. Vorbildlich war Claus Jacobi vor allem, da er auch einmal gegen den langweiligen Mainstream-Journalismus anschrieb. Claus Jacobi: Wir werden ihn vermissen. Wir werden Deine Bild-Kolumnen vermissen. Danke Kai Diekmann, dass Du ihm dieses Forum all die Jahre so schön gewährt hast.



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