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Dienstag, 16. Oktober 2018

Dunkelzifferstudie Bundeswehr: Kriege fressen auch bei Soldaten Seele auf

ILA 2012 - McDonnell Douglas F-18 Hornet, Finnish Air Force

Gewalt, Kriege, Morde – das hinterlässt auch bei vielen Soldaten, wie soll es anders sein – psychische Belastungen, bei einigen lebenslange Traumas. Die Rede ist von posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Zu dieser wenig überraschenden Erkenntnis kommt nun der zweite Teil der als „Dunkelzifferstudie“ bekannten Bundeswehr-Studie.

Die Studie entstand unter Federführung von Hans-Ulrich Wittchen, dem Leiter des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden. Erstellt worden ist die Dunkelzifferstudie der Bundeswehr im Auftrag des Deutschen Bundestages.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Dunkelzifferstudie: Die Anzahl deutscher Soldaten, welche von Auslandseinsätzen – wie Afghanistan – mit traumatischen Störungen zurückkommen, ist größer, als bislang auf politischer Ebene gerne getan wird. Man könnte auch sagen: Krieg fressen bei Soldaten Seele auf – in Anlehnung an einen berühmten Film des vor rund 30 Jahren verstorbenen deutschen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder.

Das Problem vieler Soldaten: Sie mögen über ihre Belastungen nicht sprechen – einige aus Scham, andere aus Angst vor beruflichen Nachteilen, wieder andere, da sie der Meinung sind, das vertrage sich mit dem Mannsein nicht und man könne schnell als Weichei abgestempelt werden. Angeblich suche aber dennoch rund jeder fünfte – eine erstaunlich hohe Anzahl – der betroffenen Soldaten professionelle Hilfe. Wie diese aussieht, ist nicht ganz klar – ob bei dem Vorgesetzten oder einem Psychologen.

„Psychische Belastungen können in den wenigsten Fällen alleine verarbeitet werden“, sagt der Hamburger Dipl.-Psychologe und Ausbildungsleiter eines Instituts, Bernd Kielmann, gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com. Zu Kielmanns Interessengebiete gehörten stets Traumata, die beispielsweise in Kriegseinsätzen oder anderen schlimmen Situationen passieren können.

Doch: Nur etwa 20 Prozent der psychischen Krankheiten würden bei Soldaten der Bundeswehr überhaupt erkannt und deshalb behandelt. Ebenfalls rund jeder fünfte Bundeswehrsoldat gehe aber bereits mit einer psychischen Belastung („Störung“) in einen Auslandseinsatz. Solche Vorbelastungen können in kritischen Situationen stets zu durch das Unterbewusstsein geleiteten tragischen Fehlentscheidungen führen. Das kann schlimme Folgen für den Betroffenen selbst haben, aber auch für die Kompanie, in der der Soldat oder die Soldatin arbeitet.

Allerdings sagt die neue Studie des Deutschen Bundestages auch, wonach die Anzahl der Soldaten mit psychischen Vorbelastungen mit 20 Prozent geringer sei, als in der sonstigen deutschen Bevölkerung. Das heißt: Soldaten sind generell etwas stabiler als die meisten anderen Menschen. Dies dürfte einer der Beweggründe dafür sein, dass sich überhaupt Männer oder Frauen für einen Beruf entscheiden, welcher in Friedens- wie Kriegszeiten hohe persönliche Anforderungen an jeden einzelnen stellt.

Wichtig sei, heißt es nun aus dem Bundeswehrumfeld, dass noch größere Anstrengungen unternommen würden, um vor Einsätzen der Bundeswehr, insbesondere vor Auslandseinsätzen, die betroffenen Soldaten und Soldatinnen in persönlichen Gesprächen auf ihre eigene Stabilität hin besser getestet werden. Damit sollen möglichst frühzeitig mögliche Belastungen erkannt werden und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Im Fachjargon spricht man hier von einem „klinisch-diagnostische Screening“. Dies unterstütze, schreibt die Süddeutsche Zeitung, auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus.

An der Studie hatten bereits im Jahr 2012 insgesamt 2.500 Bundeswehrsoldaten teilgenommen. Einige unter ihnen hatten bereits Auslandserfahrungen, andere wiederum nicht. Die Untersuchungen waren anonym und vertraulich. Im jetzt abgeschlossenen zweiten Teil der Bundeswehrstudie waren weitere 621 Soldaten und Soldatinnen befragt worden, welche in der internationalen Afghanistan-Kriegstruppe Isaf („International Security Assistance Force“) tätig waren. Insgesamt 54 deutsche Soldaten sind in den vergangenen Jahren in Afghanistan im Kriegseinsatz, welcher vom Deutschen Bundestag angeordnet worden war, gefallen.

„Neben den zahlreichen toten deutschen Soldaten gab es auch viele schwer Verletzte. Sie werden teils in deutschen Spezialkliniken, beispielsweise im Saarland, behandelt“, sagte ein Soldat höheren Ranges gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com. Dabei würden „einige deutsche Soldaten erhebliche lebenslange körperliche Schädigungen von den Kriegseinsätzen in Afghanistan“ davon tragen.

In den USA sind mittlerweile hunderte Soldaten aus den Kriegen in Afghanistan oder Irak verkrüppelt zurückgekommen – viele ohne Arme, Beine oder erblindet. Doch die USA, Britannien oder Frankreich sind schon ganz heiß auf den nächsten Kriegseinsatz – in Syrien. Bislang hat die deutsche Bundesregierung auch einen solchen Kriegseinsatz abgelehnt, wie schon zuvor im Irak oder in Libyen. Zudem anklicken und lesen: Ärger über Pro7-Kriegskomödie: Warum wir deutsche Soldaten brauchen und warum die Politik ihnen mehr Respekt entgegenbringen sollte



Kommentare (1)


Ralf 13. Februar 2018 um 23:06

„Anzahl der Soldaten mit psychischen Vorbelastungen mit 20 Prozent geringer sei, als in der sonstigen deutschen Bevölkerung.“
Epidemiologisch grober Unfug: die Vergleichsgruppe zu der der Soldaten darf nicht die „sonstige deutsche Bevölkerung“ sein, sondern muß eine altersentsprechende Gruppe gesunder ziviler Berufstätiger sein, also ohne die „Risikogruppen“ der Erwerbsunfähigkeitsrentner, Psychiatrie- und Gefängnisinsassen, psychisch Kranken, Altersdementen, Behinderten etc., die ja, wenn sie zur Bundeswehr wollten, gar nicht durch die Musterung kämen.
Gutes Beispiel für „So lügt man mit Statistik“ und keiner merkt es.

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