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Kampf um Öl im Irak? Al-Qaida ISIS übernimmt Kontrolle von Stadt Fallujah

Angeblich baue die islamische Terrororganisation Al-Qaida „ISIS“ neben Städten in Syrien nun auch ihren Einfluss im Irak aus. Angeblich hätten die militanten Gruppen in der Stadt Fallujah, auch bekannt als Falludscha (Anbar Provinz), Flaggen gehievt und erklärt, man feiere einen unabhängigen islamischen Staat.

Es heißt, dass nach Tagen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Regierungs- und Nato-Truppen die 64 Kilometer oder 35 Autominuten von Baghdad (auch: Bagdad) entfernte Stadt Falludscha, nun unter Kontrolle von Al-Qaida stünde. Das behaupten zumindest anglikanische Medien. Bei den Kämpfen sei jedoch der regional ISIS-Führer, Abdul Rahman al-Baghdadi, von den Nato-Truppen getötet worden.

Die französische Nachrichtenagentur AFP behauptet, die Besetzung der westlich von Baghdad liegenden Stadt Falludscha sei durch ISIS erfolgt, eine Untergruppe von al-Qaida, die einen islamischen Staat, „The Islamic State of Iraq and Syria“ plane. ISIS steht aber eigentlich für „Islamic State of Iraq and Sham (oder: al-Sham)“. Arabisch ist die Rede von ‏الدولة الإسلامية في العراق والشام‎ ad-dawlat al-islāmīya fī ‚l-ʿirāq wa ’sch-schām.

Auch in Pakistan gibt es militant-gewaltbereite außerstaatliche ISI-Gruppen. Hier steht das „ISI“ aber für „Inter-Services Intelligence“, erklärt das auf Terrorismus-Dokumentation spezialisierte Portal rackingterrorism.org.

Das Wort „sham“, wird häufig im Arabischen mit dem Zuwort „al“ versehen, also „al-Sham“. Es meint die ans Mittelmeer angrenzenden islamischen Staaten. Hierzu gehört zum Beispiel das historische Syrien. Radikale Islamisten akzeptieren bis heute nicht die gewaltsam und durch Terror von England als Kolonialmacht gezogenen syrischen Grenzen, in welchen das Land heute noch existiert und worauf das Assad-Regime seine Machtansprüche geltend macht.

England hatte mit Frankreich, den Niederlanden und den USA schon vor Jahrzehnten die Ausbeutung dieser Länder hinsichtlich ihrer Ressourcen (Öl, Gas etc.) beschlossen.

Willkürliche Grenzziehungen zu Kolonialzeiten haben Mitschuld

Diese willkürlichen Grenzziehungen des Westens – besonders von England und Frankreich – gelten bis heute als Ursächlich für die seit Jahrzehnten ausbrechenden Bürgerkriege nicht nur in Syrien, sondern in der ganzen islamischen und afrikanischen Welt. Aber auch Deutschland hatte in Afrika vier Kolonien (unter anderem Namibia) und war zumindest peripher an der willkürlichen Grenzziehung afrikanischer Staaten vor über 100 Jahren beteiligt.

Neben Alt-Syrien gehört zu den „Sham“-Ländern auch Palästina, Ägypten oder der Libanon. „Sham“ ist wiederum die moderne Umschreibung für das historische Wort „Levante“. „Levante“ meint die gleichen Gebiete wie „Sham“ und wird als antikes Wort besonders gerne von den konservativsten radikal-islamischen Vertretern bezeichnet.

Am ehesten lässt sich diese radikal-islamische Wort-Re-Schöpfung „Levante“ mit Alt-Nationalsozialisten vergleichen, die noch heute vom Großdeutschen Reich oder dem Dritten (Deutschen) Reich, beziehungsweise auch dem Vierten Deutschen Reich (das sie in ihren Visionen skizzieren), sprechen.

Die konservativste Fraktion in Al-Qaida sieht sich deshalb nicht als ISIS-Gruppierung, sondern als ISIL-Gruppierung. Dabei steht das letzte „L“ für das alt-islamische Wort „Levante“. Diese Militanten wollen also durch Terror in Syrien oder dem Irak den „Islamic State of Iraq and the Levant“ erreichen. Arabisch spricht man von الدولة الاسلامية في العراق والشام‎ ad-Dawla al-Islāmiyya fi al-‚Irāq wa-sh-Shām.

US-Invasion im Irak 2003 brachte den Irak zur Explosion – bis heute

Doch nicht nur die 35 Autominuten von Baghdad gelegene Stadt Fallujah scheint nun unter Kontrolle von Al-Qaida zu stehen, sondern angeblich hätten radikale Sunni, also Sunniten, auch weitere Gebiete westlich von Baghdad unter ihre Kontrolle gebracht, berichten anglikanische Medien, welche angeblich gute Kontakte zur Regierung des Irak hätten.

Bereits im Dezember 2011 hatte sich die US-Armee im Rahmen ihres nahezu Komplett-Rückzugs aus dem Irak aus einigen Gebieten westlich von Baghdad zurückgezogen. Beobachter überrascht aber die große Nähe zur irakischen Hauptstadt Baghdad von Gebieten, welche nun angeblich unter Herrschaft von Al-Qaida stünden.

Alleine in dem Gebiet westlich von Baghdad waren zwischen März 2003 (Beginn Invastion in den Irak durch USA und Britannien) und 2011 insgesamt 1.300 US-amerikanische Soldaten und sonstige Militärangehörige in dem Krieg von irakischen Gegnern oder Al-Qaida-Kämpfern ums Leben gekommen. Dem dürften umgekehrt aber auch einige zehntausend durch die USA und NATO getöteten Iraker in dem Gebiet entgegenstehen.

Ursächlich hierfür war die US-Invasion im Irak Anfang 2002 und der Sturz des langjährigen von den USA und der CIA gestützten irakischen Diktators Saddam Hussein. Hussein war von den USA zuvor jahrelang als Gegenspieler zum Iran genutzt worden. Im Jahr 2006 wurde Saddam Hussein schließlich auf Druck der USA von einem „Sondergericht“ gemeinsam mit engen Hussein-Vertrauten durch den Strick erhängt.

Die US-Invasion im Irak wiederum war nach offizieller Lesart der damaligen amerikanischen Regierung von US-Präsident George W. Bush J. eine Antwort auf die Terroranschläge von 9/11. Zwei Angriffe mit zwei zivilen Flugzeugen hatten die beiden Zwillingstürme des World Trade Center (WTC) in New York City am 9. September 2001 zum Einsturz gebracht, rund 3.000 Menschen starben dabei. Die Welt war geschockt, noch mehr aber die USA. War es doch der einzige kriegerische direkte Angriff auf die USA seit gut 55 Jahren – also seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Dennoch kam 9/11 Bush durchaus nicht ungelegen. Denn man hatte sehr alte Rechnungen zu begleichen. Rechnungen, die 30 bis 40 Jahre zurückgingen.

So ist der Irak Gründungsmitglied der primär arabisch dominierten Öl-Gemeinschaft OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) – ein direkter Konkurrent zu den westlichen Öl-Kartellen der sogenannten „7 Schwester“ (TV-Dokumentation auf YouTube ansehen!). Die Opec war bereits 1960 initiiert worden – und zwar im Irak, in der Hauptstadt Bagdad. Die ersten Mitglieder waren neben dem Irak, der Iran, Kuwait, Saudi-Arabien sowie das lateinamerikanische heute links regierte Land Venezuela.

Öl: Irak beendet 1972 völkerrechtlich illegale Plünderungen durch England, Frankreich, USA

Ein weiterer wichtiger Meilenstein der Konfrontation zwischen dem Irak und dem Westen, insbesondere mit den USA, England und Frankreich, war die 1972 durch die irakische Regierung durchgeführte Verstaatlichung der irakischen Ölgesellschaft. Bis dahin war sie völkerrechtlich illegal und verbrecherisch in den Händen der ehemaligen Kolonialmächte England und Frankreich im Verbund mit den USA (beziehungsweise dort ansässiger Groß-Konzernen) und einer „Gulbenkian-Stiftung“. Über Jahrzehnte hatte der westliche Verbund um England, Frankreich und den USA irakisches Öl im Wert von hunderten Milliarden Dollar dem irakischen Volk gestohlen.

Auch der seit 1979 regierende Diktator Saddam Hussein hatte die Plünderung irakischer Ölquellen durch England und die USA weiterhin verboten.

Im Zuge der nun bekannt gewordenen angeblichen Al-Qaida-Besetzung von Falludscha wurde auch bekannt, wonach im Irak 62 angebliche mit al-Qaeda verbundene Militante von der NATO-Einsatztruppe im Irak getötet worden seien – und zwar ebenfalls im Westen von Baghdad und im Gebiet der Stadt Ramadi, Hauptstadt der Anbar Provinz.

Ramadi liegt in gleicher Richtung wie Falludscha und ist mit dem Auto in rund 60 Minuten bei 111 Kilometern westlich von Baghdad erreichbar. Angeblich würde die Stadt dennoch von ISIL-Militanten nun kontrolliert.

Es heißt, wonach die NATO 46 islamische militante Kämpfer direkt in der Stadt Ramadi getötet habe, weitere 16 al-Qaeda-verbundene Kämpfer seien laut französischer Nachrichtenagentur AFP in Khaldiyah umgebracht worden – wahrscheinlich auch unter Einsatz von Drohnen.

Alles Ql-Quaida oder ‚Sunni Arab anti-government protest camp‘?

Allerdings konnte das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com mit keinem der einschlägigen Kartenprogramme (Google Maps, Bing Maps, falk.de) einen von AFP genannten Ort Namens „Khaldiyah“ im Irak ausfindig machen. Deshalb gehen wir davon aus, dass es diesen Ort wahrscheinlich gar nicht gibt und es sich vielmehr um den westlich von Baghdad liegenden Ort Al-Khalidiya (auch: Alkhaldea) im Irak handeln könnte. Auch dieser Ort ist nur 96 Kilometer von Baghdād entfernt.

Doch ob man wirklich von Al-Qaida-Gruppen sprechen kann, die nun angeblich die Städte Ramadi, Fallujah oder Al-Khalidiya besetzt hielten – alles Städte wenige Autominuten von Baghdād entfernt -, oder ob es nicht einfach „nur“ sunnitische arabische Anti-Regierungseinheiten und Protest-Gruppen dort sind, die sich gegen den Westen und irakische Regierungstruppen stellen, ist unklar („Sunni Arab anti-government protest camp“).

Mögliche wäre nämlich auch das. Denn die von den USA im Irak eingesetzte Regierung gilt als äußert korrupt und steht im Verdacht die Ölreserven des Landes faktisch komplett den Amerikanern überschrieben zu haben, beziehungsweise sei sie möglicherweise gezwungen worden, das Öl den USA (und möglicherweise auch England und Frankreich) zu überlassen. Denn viele fragen sich: Wie kann es sein, dass eines der ölreichsten Länder der Welt, wie der Irak, seine Bevölkerung so verarmen lässt? Wo sind die vielen Milliarden Dollar oder Euro aus den irakischen Ölquellen hingeflossen und fließen weiter hin, fragen sich Millionen Iraker?

Deutschland selbst hatte sich ab 2001 unter der Führung des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder gegen eine NATO-Invasion im Irak gestellt. Dieses empfindet die US-Regierung bis heute als ein nicht akzeptables Verhalten der deutschen Regierung. Doch bis heute ist die Mehrheit der Deutschen weiterhin gegen kriegerische Invasionen in andere Länder. Es scheint, als hätten viele Deutsche ihre Lektion aus zwei maßgeblich verschuldeten Weltkriegen gelernt. Zeittafel zu den Geschehnissen im Irak HIER klicken.



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