Skip to main content
Freitag, 14. Juni 2019

ZDF heute journal verteidigt Syrien Yarmouk-Bericht / Antikriegsportal hält Kritik am ZDF aufrecht

In einer eMail an die Redaktion des Antikriegsportals kriegsberichterstattung.com verteidigt das ZDF heute journal seinen umstrittenen Beitrag bezüglich der Vorgänge im Palästinenser-Camp Yarmouk in Damaskus in Syrien.

Wir veröffentlichen hiermit die Stellungnahme von Thomas Heinrich, dem stellvertretender Leiter des „heute-journal“:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer E-Mail vom 10.02.2014 bitten Sie um die Stellungnahme des ZDF zu einem kritischen Bericht, der ohne namentliche Kennzeichnung auf Ihrer Internet-Seite Kriegsberichterstattung.com verbreitet wird (Anmerkung: Es handelt sich um den Beitrag „Skandal: ZDF heute journal betreibt verfälschende Kriegspropaganda zum Yarmouk Palästinenser Camp Syrien“). Dem ZDF werfen Sie darin „verfälschende Kriegspropaganda“ in Zusammenhang mit einem Beitrag über das Yarmouk-Flüchtlingslager im „heute-journal“ vom 06.02.2014 vor. Das ZDF trage durch „erhebliche Nachrichten-Unterschlagung massiv zur einer falschen Meinungsbildung“ bei. So sei im Beitrag verschwiegen worden, dass Terroristen (der Assad-Gegner) dort Massaker unter den Zehntausenden von Palästinensern angerichtet hätten, die seit Jahrzehnten unter dem Schutz des Assad-Regimes stünden.

Tatsächlich aber ging es in diesem Beitrag um die menschliche Tragödie der monatelangen Belagerung von Yarmouk, nicht um die Geschichte des Lagers und die unterschiedlichen Loyalitäten seiner Bewohner gegenüber Assad. Es wurde keineswegs verschwiegen, dass es sich bei Yarmouk um ein Lager für palästinensische Flüchtlinge handelt. Zahlreiche internationale Organisationen hatten in gemeinsamen Appellen von allen Parteien den freien Zugang für Hilfslieferungen gefordert. Die Vertreterin einer dieser Organisationen, Tamara Al-Rifai von „Human Rights Watch“, nahm im Beitrag zur Verantwortung für die Folgen der Blockade Stellung: „Diese Bilder sind Grund genug, die syrische Regierung auf die Liste der Kriegsverbrecher zu setzen, und sie anzuklagen, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Diese Stellungnahme bleibt in Ihrer Kritik unerwähnt.

Unbestritten ist, dass es nach Ausbruch der syrischen Revolution zu Kämpfen zwischen Einheiten der FSA und der syrischen Armee gekommen ist, dass in Yarmouk auch Assad-treue Palästinenser gegen Palästinenser auf Seiten der Aufständischen kämpften. Die behaupteten Massenhinrichtungen durch Rebellengruppen unter gemeinsamer Beteiligung von FSA, Al Kaida und Al Nusra sind jedoch nicht belegt. Ebenso wenig ist nachzuvollziehen, dass Israel 65 Jahre nach Vertreibung der Palästinenser hauptverantwortlich sein soll für Belagerung, Hunger und Tod in Yarmouk.

Beides war für die Berichterstattung nicht entscheidend, um sich an diesem Tag ein Bild von der Situation in Yarmouk zu machen. Der Vorwurf einer „verfälschenden Kriegspropaganda“ durch Verschweigen trifft daher nicht zu. Das ZDF und auch das heute-journal haben im Übrigen immer wieder über die Radikalisierung der Oppositionskräfte und über von ihnen verübte Verbrechen berichtet.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Heinrich (stellvertretender Leiter „heute-journal“)

Anmerkung Redaktion Antikriegsblog kriegsberichterstattung.com zum ZDF-Brief bezüglich Yarmouk:

Wir bleiben bei unserer Kritik, wonach der ZDF-Beitrag zum Yarmouk-Flüchtlingscamp der Palästinenser in Damaskus in nicht akzeptabler Weise undifferenziert, nicht gut recherchiert und in seiner Einseitigkeit eine verfälschende Kriegspropaganda darstellt. Die Kritik an Israel ist nicht die Kritik des Antikriegsportals kriegsberichterstattung.com sondern die Kritik von palästinensischen Gruppen, die wir veröffentlich haben. Das Lager der Palästinenser wurde geschaffen, da Palästinenser auch aus dem Gebiet von Israel bereits vor Jahrzehnten flüchten mussten.

Im übrigen verweisen wir an dieser Stelle nur auf eines von mehreren Youtube-Videos bezüglich der Abschlachtungen von Palästinensern im Yarmouk-Flüchtlingscamp in Damaskus in Syrien durch Terrorbanden der syrischen Opposition:



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]

Donnerstag, 06. Juni 2019

D-Day

Winston Churchills Buch The Second World War: Zwischen Wahrheit und verdrehten News oder warum der Brexit so gefährlich ist

In der Normandie, im Norden Frankreichs, kamen am Donnerstagvormittag den 6. Juni 2019 Hunderte geladene Besucher gemeinsam mit rund 10 britischen Veteranen zusammen. Man gedachte den schrecklichen Ereignissen am 6. Juni 1944, die man damals als „Operation Neptune“ oder auch „Operation Overlord“ bezeichnete. Damals, vor 75 Jahren, waren an einem einzigen Tag weit über 100.000 Soldaten in einem brutalen Krieg […]

Mittwoch, 15. Mai 2019

Zündeln

Iran-Krise um angebliche Drohnenangriffe und die Lügenkriege

Kommentar – Es ist immer das gleiche: Wenn eine Nation gegen eine andere mit kriegerischen Aggressionen auf Grund politischer Dissonanzen vorgehen möchte, beginnt als erstes der PR-Lügenkrieg. Damit möchte man die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen. Das war im Zweiten Weltkrieg so, als Polen und Großbritannien den deutschen Diktator Adolf Hitler bewusst über die Danzig-Frage 1939 monatelang provozierten. Und damit […]

Freitag, 12. April 2019

Kamera im USB-Stick

Wikileaks US Botschaften Einkaufsliste anlässlich der Verhaftung von Julian Assange

Anlässlich der Verhaftung von Julian Assange, des „australischen politischen Aktivisten, investigativen Journalisten, ehemaligem Computerhackers, Programmierers und Sprechers der Enthüllungsplattform WikiLeaks“ (O-Ton Wikipedia Deutschland) publizieren wir hier die letzte Pressemeldung, welche Wikileaks im Dezember 2018 auf seiner deutschen Plattform publizierte. Assange hatte sieben lange Jahre seines Lebens geopfert, um für sein Projekt, die maximale Transparenz auf Regierungsebene über die Enthüllungsplattform Wikileaks […]

Sonntag, 07. April 2019

Deutsch Ostafrika

Ehemalige deutsche Kolonie Ruanda – 800.000 Menschen wurden 1994 ermordet

Es ist einer der schlimmsten Völkermorde auf dem afrikanischen Kontinent: Jener, den fanatische Hutu 1994 an rund 800.000 Menschen in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie (Deutsch-Ostafrika) begangen haben sollen. Noch heute erinnert man sich beispielsweise in der Ortschaft Mabare an den April 1994. Es war der Beginn vor der langen Regenzeit. Die Berghänge, schreibt Al Jazeera auf seinem Onlineportal aljazeera.com, hätten […]

Montag, 25. März 2019

Israel lässt Ayman Nasser seit 30 Jahren regelmäßig im Gefängnis schmoren

Amnesty International berichtet, wonach am 10. März 2019 ein israelische Militärgericht in den besetzten palästinensischen Gebieten eine Haftverlängerung für den NGO-Mitarbeiter Ayman Nasser angeordnet habe. Die Haft gegen Ayman Nasser werde um lange weitere sechs Monate aufgestockt. Die Haft setzt eine lange Kette von vorherigen Verhaftungen des Menschenrechtlers in den vergangenen 25 Jahre fort. Amnesty moniert, dass der NGO-Mitarbeiter bereits […]