Skip to main content
Donnerstag, 28. Mai 2020

‚Die Skandalisierer sind selbst der Skandal‘: Peer Steinbrück über BILD, FAZ und SPIEGEL wegen Medien-Hetzkampagne gegen Christian Wulff

Mit einer messerscharfen und vor allem für die Massenmedien BILD, FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und dem SPIEGEL Magazin vernichtenden Buchkritik äußerte sich der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) in einem bemerkenswerten zweiseitigen Gastbeitrag in der Wochenzeitung DIE ZEIT im Rahmen der Besprechung des Buches „Ganz oben. Ganz unten“. Das Buch hatte nun der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff (CDU) geschrieben. Doch aus Steinbrücks Buchbesprechung ist ein bedrückend dunkles Bild über dubiose Machenschaften von Deutschlands Massenmedien geworden.

Der Artikel in DIE ZEIT (vom 12. Juni 2014) war überschrieben mit der Schlagzeile „Medien als Folterwerkzeug“. Bemerkenswert an Peer Steinbrücks Gastbeitrag in der Wochenzeitung ist, dass ein SPD-Spitzenpolitiker in einer für die Massenmedien vernichtenden Kritik einen CDU-Spitzenpolitiker so deutlich in Schutz gegen Deutschlands Journalisten nimmt:

So zögert Peer Steinbrück auch nicht, gleich zu Anfang seines ZEIT-Artikels klar Stellung zu beziehen, indem er schreibt: „Sicher hat Christian Wulff im Verlauf seines Dramas Fehler gemacht. Einige Personen sind der Auffassung, dass diese Fehler allein seinen Rücktritt rechtfertigen. Der Autor des Buches ‚Ganz oben. Ganz unten‘, das es hier zu besprechen gilt, ist aber unschuldig. Nichts von dem, was ihm medial vorgeworfen und juristisch ins Feld geführt worden ist, hat Bestand. Er muss sich weder verteidigen noch rechtfertigen.“

In dieser Deutlichkeit hat sich bislang kein deutscher Spitzenpolitiker in der Sache Wulff geäußert. Gedacht haben es viele, dass Deutschlands manchmal dumpfe Massenmedien Unrecht an Wulff taten, doch letztlich duckten sich fast alle weg, alle schwiegen, waren froh, nicht selbst im Fokus zu stehen.

So seziert denn auch der Kanzlerkandidat der SPD aus dem Jahr 2013 über die Berichterstattung in den Massenmedien: „Seine Geschichte über Anmaßung von Medien und Justiz, journalistisches Jagdfieber und Rudelverhalten, die Beschädigung einer öffentlichen Person im höchsten Staatsamt, Manipulation und Indiskretion, sogar Rechtsbeugung, Denunziationen und Nötigung – das schreckt fürwahr auf. Wulffs Buch eröffnet einen Perspektivwechsel, in dessen Licht die Skandalisierer selbst zum Skandal werden.“

„Gewalttätiger Journalismus“

In der von den Massenmedien als „Wulff-Affäre“ hochgejazzten Berichterstattung rund um Christian Wulff hätten, schreibt Steinbrück weiter, zahlreiche Journalisten „jede Selbstkontrolle“ verloren, auch „den Sinn für Verhältnismäßigkeit und die Achtung vor Rechtsprinzipien“. Schlimmer kann eine Kritik von einem der über Parteigrenzen hinweg geachtetsten politischen Persönlichkeiten in Deutschland nicht mehr sein.

Doch damit nicht genug, führt Peer Steinbrück doch auch aus, wonach „der Abschuss und die Entwürdigung von Christian Wulff“ der „Skandal eines gewalttätigen Journalismus im Umgang mit einem Politiker“ sei. Dabei sei „im Falle Wulff aus der scharfen Klinge der Meinungsfreiheit ein Folterwerkzeug“ geworden. An dieser gewalttätigen Szenerie, so Steinbrück, hätten sich „Jäger und Treiber, Mitläufer und Informanten, Talkmaster und Schlachtenbummler“ beteiligt.

Doch spart Peer Steinbrück in DIE ZEIT nicht mit Kritik an der eigenen duckmäuserischen Politikerklasse: „Mich selbst und meine politischen Logenmitglieder will ich gar nicht übergehen: all jene im politischen Parkett, denen entweder die Aufführung einer Machtprobe verborgen blieb oder denen das Schauspiel zwar absurd, demütigend und vielleicht sogar widerwärtig erschien, die aber sprachlos die Regisseure wie die voreingenommenen Kritiker gewähren ließen. Es beschämt mich, dass ich den richtigen Zeitpunkt für eine Geste gegenüber Christian Wulff verpasst habe“.

Ebenfalls hart ins Gericht geht Peer Steinbrück mit der in Bezug auf die Wulff-„Ermittlungen“ erscheinenden größenwahnsinnigen und außer Rand und Band agierenden und an Willkürlichkeit erinnernden Hannoveraner Staatsanwaltschaft: „Es ist nicht weniger erlaubt, das Vorgehen der niedersächsischen Justiz gegen Wulff massiv infrage zu stellen, ohne deshalb die Unabhängigkeit der Justiz infrage“ zu stellen, resümiert der SPD-Spitzenmann.

Nicht gut weg kommt in dem ZEIT-Artikel auch die Springer-Presse in Form der Tageszeitung DIE WELT: „Ein unvergessenes Beispiel journalistischer Arglist waren die Andeutungen des Chefredakteurs der WELT und WAMS wenige Wochen vor der Bundestagswahl, ich könnte mich der Stasi oder gar dem KGB hingegeben haben“.

Das Buch von Christian Wulff lautet: Ganz oben. Ganz unten. Verlag C.H. Beck, München 2014.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Freitag, 03. April 2020

Ältester Überlebender

104-jähriger Weltkriegsveteran erholt sich von Corona COVID-19

Ein Licht in so dunklen Zeiten und natürlich aus dem Land der unendlichen Möglichkeiten nach oben wie nach unten: Aus den USA. Mehrere US-Medien berichten, wonach ein U.S.-Amerikaner aus dem U.S.-Bundesstaat Oregon nun seinen 104. Geburtstag gefeiert habe – mit Mundschutz natürlich. Zuvor sei er aber an Corona erkrankt, also COVID-19. Davon habe sich der rüstige Rentner, der in einem […]

Montag, 30. März 2020

Vom Wahnsinn & Co

Gewinner Coronakrise: Ganz klar China, der Westen durchgeht Katharsis

Kommentar – Die Corona-Krise im Westen wird wahrscheinlich Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten und Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Unternehmen, darunter viele Einzelunternehmen, Mittelständler oder Konzerne in den Konkurs treiben. Doch es gibt auch Gewinner der Krise: Käufer billiger Aktien und billiger Bitcoins beispielsweise oder Besitzer von Immobilien, welche die Nerven behalten. Ein großer Gewinner dürfte ebenso China sein, möglicherweise zudem […]

Dienstag, 24. März 2020

Wie das dubiose Portal Jobleads auf Trustpilot negative Bewertungen versucht löschen zu lassen und Kunden in eher unnütze Abos lockt

Kommentar – Das umstrittene Jobportal „Jobleads“ von der Hamburger JobLeads GmbH in der Brandstwiete 4 steht seit Jahren massiv in der Kritik. Lautete früher der Vorwurf „fiese Abofalle“, hat das Portal hier zwar nachjustiert und schreibt nun deutlicher hin, was was kostet. Aber seriös ist das Portal deshalb noch lange nicht. Viele fühlen sich geneppt in teure angebliche „Premium“-Accounts.  Durch […]

Sonntag, 15. März 2020

Organisierte Kriminalität

Xing-Opfer um 140.000 Euro Goldbarren gebracht – Tätergruppen sind oft Roma

Der Kampf gegen sogenannten #Vorkassenbetrug, sogenannte Rip Deals, gehört zu einem unserer journalistischen Anliegen. Mit Rip Deals werden nach unserer Erkenntnis in Europa jährlich über 100 Millionen Euro ergaunert. Täter von Rip Deals sind meist Angehörige mehrsprachiger Sinti- und Roma-Clans, was aus zahlreichen Ermittlungsverfahren seit über 20 Jahren bekannt ist. Wagt aber ein Medium, Sinti und Roma-Mitglieder als Tätergruppen zu […]

Samstag, 14. März 2020

Grenzgänger & Sonstige

Wie irre ist Jens Spahn? Er will halbe Millionen Deutsche in Schweiz in Quarantäne schicken

Kommentar: Wie irre ist Jens Spahn? Bislang ist Deutschlands Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) in der Corona-Krise nicht durch allzu viele sinnvolle Aktionen aufgefallen. An den Flughäfen gibt es kein kostenloses Desinfektionsmittel, auch keine Infostände. Selbst Argentinien hat das. Nicht so in Deutschland: Hier durfte die Lufthansa noch bis Mitte Februar 2020 Tausende Menschen von China nach Deutschland fliegen und zurück. Einflugsperren […]

Samstag, 14. März 2020

Russland Grenze

Gemeinsame Erklärung zum NATO-Manöver «Defender 2020»

Uns erreichte am Wochenende die folgende Mitteilung, die sich gegen NATO-Manöver an der russischen Grenze wendet: «Mit großer Sorge» sähen «zivilgesellschaftliche Organisationen und Personen, die sich im demokratischen Sinn als außerparlamentarische Opposition in Deutschland» verstünden, «die großen militärischen Mobilmachungen zu einem Militärmanöver mit dem irreführenden Namen ‘Defender Europe 2020’ an der Grenze zu Russland». Dieses Manöver sei «nach unserer Ansicht […]

Translate »