Skip to main content
Dienstag, 27. Oktober 2020

Mohammed-Ausstellung, Tote USA: Lasst endlich Mohammed in Ruhe!

Kommentar – Es musste ja kommen: Wieder gab es Tote bei einer provokativen Ausstellung rund um den islamischen Propheten Mohammed (O-Ton CNN: „Mohammed cartoon event“), der zentralen Figur des Islam.

Die beiden Toten waren auch die Angreifer gegen einen Wachmann der Ausstellung. Sie sind von der US-Polizei erschossen worden. Der Wachmann sei schwer verletzt heißt es bislang.Zu den Schießereien in einem Vorort der amerikanischen Millionen-Metropole Dallas kann man sagen: Einige im Westen scheinen es geradezu sadistisch zu lieben, hier vorsätzlich und grob fahrlässig Religionen und Gesellschaften gegeneinander auszuspielen.
Solchen Personen geht es auch nicht um die Verteidigung der Pressefreiheit, sondern darum, über eine Religion herzuziehen, die man oftmals nur aus dem Fernsehen kennt, nicht aber durch eigene Reisen in diese Länder.
Denn wer einmal in islamischen Ländern unterwegs war, wird schnell feststellen, dass das in den westlichen Massenmedien gezeichnete Bild des Islams zu 95% nichts mit dem zu tun hat, was man in islamischen Gesellschaften erlebt. Ganz abgesehen davon: Die Verschleierung von Frauen gab es auch in Ländern wie Deutschland und zwar noch im Hoch-Mittelalter. So schreibt beispielsweise FRANZ HERRE in dem Buch „DIE FUGGER IN IHRER ZEIT“ (Presse-Druck- und Verlags-GmbH Augsburg, 1985, 128 Seiten, S. 36) über Deutschland im Jahre 1500:
„Der Geschlechtertanz war eine gesellschaftliche Veranstaltung der Patrizier und Kaufherren. Nach altem Brauch waren die Gesichter der jungen Damen verschleiert. Das störte (Anmerkung: den deutschen Kaiser) Maximilian, als er einem solchem Fest beiwohnte… Deshalb ließ er… die Damen höflich bitten, dass sie solche Schleier abtun sollten‘“.

Würde man im Westen gleiches über Juden zeichnen, wäre schnell Volksverhetzung im Raum

Doch unabhängig ob Schleier ja oder nein: Längst verstehen sich einige Karikaturisten im Westen auch nicht als Zeichner von menschlichen Schwächen und gesellschaftlichen Problemen – der Urstärke von Karikaturisten – sondern einige provozieren und hetzen bewusst, um andere Völker und Glaubensgruppen zu verletzten.
Würde es in Deutschland solche Karikaturen wie im Dritten Reich unter den Nationalsozialisten wieder über Juden geben, wie es sie seit Jahren in Frankreich über Mohammed und den Islam gibt, wären längst Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eröffnet worden. Doch bislang haben wir von keiner Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens wegen Volksverhetzung gegen islamische Gesellschaften gehört.
Geradezu absurd ist es zu behaupten, Gläubige des Islam hätten keinen Humor. In unzähligen Tageszeitungen – selbst im islamisch-konservativen Katar – gibt es regelmäßig Karikaturen, welche das eigene System, ja teils selbst den Glauben, humorvoll aber immer noch respektvoll zeichnen. Dass man sich in solchen Gesellschaften, die äußerst fragil, da häufig arm sind, schwer tut mit Meinungsfreiheit und persönlichen Freiheiten umzugehen, ist bekannt.
Dem kann man aber auch entgegen: Wie sollen denn Staaten, die bis vor 40 Jahren noch mittelalterliche Wüstenstaaten waren, einen solchen Kometensprung hin zu einer offenen modernen Gesellschaft machen? Im Westen haben wir uns dafür – bei den alten Griechen angefangen – gut 3000 Jahre Zeit genommen. Hinzu kommt: Der Westen hat die meisten der islamischen Staaten über Jahrhunderte als Kolonialherren überfallen, ausgebeutet, dort Massenmorde begangenen. Nur in Ländern, in welchen vor allem Großbritannien als weltweit dominierende Kolonialmacht bestehende Strukturen einigermaßen akzeptierte – wie in Dubai, Katar oder Abu Dhabi – gibt es heute Frieden, wenn auch keine Demokratien.

Natürlich tun sich islamische Staaten schwer mit Meinungsfreiheit

Es ist zudem bekannt, dass es in islamischen Staaten häufig keine Meinungsfreiheit nach westlichem Muster gibt und wenn dann oftmals nur arg eingeschränkt. Dieser Schwäche ist man sich in islamischen Staaten aber auch bewusst und arbeitet behutsam daran. Auch Freiheiten müssen von allen Beteiligten gelernt werden.
Doch es gibt einen Unterschied zwischen kritischen Karikaturen, welche genau solche Probleme humorvoll, gerne auch sarkastisch beleuchten und solchen, die einfach nur dumm hetzen. Eine Ausschwitz-Überlebende brachte das in der ARD-Talkshow von Günther Jauch gut auf den Punkt: Opfer werden zu Tätern, wenn man es nicht schafft, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Denn wenn Opfer zu Tätern werden gibt es wieder Opfer, die eben wieder zu Tätern werden.
Hinzu kommt: Warum steht es gerade dem Westen schlecht an, sich über Mohammed lustig zu machen? Ganz einfach: Da es der Westen ist, der seit gut 30 Jahren ständig Krieg – und zwar proaktiv – gegen islamische Staaten führt. In den 1980er Jahren jagte der amerikanische Militärgeheimdienst ein libysches Militärschiff mit rund 500 Mann an Bord in die Luft.
Treffen wollte man damit den libyschen Diktator Gaddafi, doch traf man die islamische Welt. Dann die völlig außer Rand und Band geratenen westlichen Kriege in Afghanistan, in Syrien (verdeckt), im Irak, Pakistan, Somalia. Die Liste ist fast unendlich, ebenso die Anzahl der Toten, welche der Westen, auch das westliche Kriegsbündnis NATO, welches auch von Deutschland finanziert und militärisch getragen wird, hauptsächlich zu verantworten hat.

Gerade der Westen sollte sich vorsichtig verhalten – nach all den Kriegen, in welche er verwickelt ist

Alleine im Irak brachten westliche Soldaten und vom Westen bezahlte Söldnergruppen – vor allem aus den USA und Großbritannien – nach Schätzungen gut 500.000 Menschen seit dem zweiten Golfkrieg um – also in den vergangenen rund 15 Jahren. Worum es bei diesen Kriegen geht, wissen die meisten der 500 Millionen EU-Bürger und die rund 300 Millionen US-Amerikaner schon lange nicht mehr so genau. Aber die Regierenden wissen es: Natürlich geht es darum, Staaten mit Öl unter westlicher Kontrolle zu halten. Natürlich benötigen wir die Energiesicherheit.
Aber: Wenn Israel völlig zu Recht einen respektvollen Umgang mit dem Judentum verlangt, erst Recht von Deutschland und den anderen in die Massenvernichtungen von Juden verstrickten europäischen Staaten, dann haben auch islamische Staaten ein Recht, dass man ihre Religion und auch Mohammed respektvoll behandelt.
Es ist derzeit einfach nicht die Zeit, sich über Mohammed in einer respektlosen Art lustig zu machen. Das ist geschmacklos und ist in der fragilen Situation der Weltreligionen einfach derzeit nicht angebracht. Wer gewinnt dabei? Kriegstreiber, die es auch im Westen zu Hauff gibt. Jene Wahnsinnigen, die seit Jahrhunderten Krieg als ihr persönliches Spiel im Umgang mit Ländern, Menschen, Religionen ansehen.
Die Gefahr geht nicht von Russland aus, sondern seit Jahren von unverantwortlichen Kriegstreibern im Westen, für die selbst die Ukraine wieder mal nur ein Spielball für ihre eigenen geostrategischen Machtgelüste darstellt. Man könnte dazu auch sagen: Ja, selbst Adolf Hitler wollte ja schon eine deutsche Autobahn runter an die Krim bauen (das ist kein Scherz!). Das war vor 80 Jahren. Auch heute würde der Westen wieder gerne eine deutsche Autobahn an die Krim bauen. Blöd nur, dass Russland dort seit Jahrhunderten sitzt.
Deshalb: Lasst doch bitte endlich Mohammed in Ruhe. Es gibt andere Figuren, an welchen man sich trefflich als Karikaturist abarbeiten kann – auch solche, die wir im Westen etwas besser verstehen können. Ein solches Verhalten würde derzeit dem Weltfrieden helfen und Schießereien bei Ausstellungen helfen zu verhindern.



Kommentare (1)


Ralph Thum 5. Mai 2015 um 16:04

Mordende Islamisten sind keine Opfer! Nun gut, sie sind irgendwie doch Ofer, aber die ihrer eigenen religiösen Führer, von denen sie sich radikalisieren lassen und deren Machterhalt sie ihr eigenes Leben opfern. Sie sind aber keine Opfer wie es Juden in Deutschland waren (und teilweise wieder sind!). Islamisten werden nicht ermordet, sie morden!

Daher ist der Vergleich einfach nur geschmacklos!

Es ist wahrhaft fraglich, ob man mit dem permanenten Zeigen von Mohammedkarikaturen die Toleranz eines – im übrigen nicht wirklich kleinen – Teils der Anhänger einer im Mittelalter steckengebliebenen Weltreligion beflügelt. Aber es ist zweifelsfrei klar, dass das Zeigen von Bildern kein Grund zum Morden ist! Alle diejenigen, die aus falscher Toleranz diese Morde erklärlich machen wollen oder gar Verständnis für die Täter zeigen, vermarmlosen die Taten und verhöhnen die Opfer. Diese Opfer sind nicht die Muslime, sondern die in aller Welt von radikalen Musilimen getöteten Menschen.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Sonntag, 18. Oktober 2020

Covid 19

Wir sind an der Seite der Corona Shutdown Gegner – Freiheit größer als das Virus

Kommentar – Die Schweizer sind nicht gerade für Rambazamba bekannt. Viele leben in ihrem lokalen Wohlstand. Die Altersvorsorge klappt mit dem Dreisäulenprinzip besser als in Deutschland und vielen anderen EU-Staaten. Das Arbeitslosengeld ist in der Schweiz erheblich höher – maximal 400 Franken brutto pro Tag und bis zu maximal 21,7 Arbeitstage-Geldern pro Monat. Doch ein drohender zweiter Lockdown wegen Corona […]

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Streit

Chaos Computer Club Zürich (CCCZH) wirft dubioser „Wald statt Asphalt“-Webseite waldstattasphalt.blackblogs.org falsche CCCZH Impressums-Angabe vor

Ein Vertreter des Chaos Computer Club Zürich (CCCZH) weist falsche Impressums-Angaben der „Wald statt Asphalt“-Webseite waldstattasphalt.blackblogs.org zurück. In einer Mail an uns schreibt ein Clubvertreter: Für waldstattasphalt.blackblogs.org sei der CCCZH als Ganzes nicht verantwortlich. Impressumsangaben, die das bis vor kurzem behaupteten seien falsch. Laut watson.ch sei „Wald statt Asphalt“ eine „neue Protestwelle“ von Extinction Rebellion. Eine Protest-Organisation, die aus zahlreichen […]

Dienstag, 13. Oktober 2020

"Menschliche Tiere"-Aktion

Autobahn A3: Umweltaktivisten-Terror um „Wald statt Asphalt“ verursacht fast tödlichen Unfall

Kommentar – Unter dem angeblichen Einsatz für die Umwelt besetzen sogenannte Umweltaktivisten in Europa Parlamente, Banken, blockieren illegal Straßen und jetzt haben linksradikale selbsternannte „Umweltaktivisten“ in Deutschland auch noch fast ein Menschenleben auf dem Gewissen. Zumindest schaut es derzeit nach Medienberichten danach aus. So hatten Anarchisten, die glauben, für sie gelte offensichtlich das Recht nicht, sich irrerweise von einer Autobahnbrücke […]

Donnerstag, 24. September 2020

Diktaturen

Bahrain lässt Jugendliche nach acht Jahren Haft frei

Auch wenn viele einen Friedensvertrag zwischen Israel und Bahrain feiern, eingetütet durch U.S.-Präsident Donald Trump, so bleibt doch festzuhalten: Bahrain ist ein diktatorisches Regime. Das zeigt sich einmal mehr an einer Meldung von Amnesty International Deutschland (AI). So teilte Amnesty mit: Am 23 Mai 2020 sei Ebrahim Ahmed Radi al-Moqudad (15 Jahre bei der Festnahme im Jahr 2012; heute also […]

Samstag, 01. August 2020

Anti-Korruptions Demonstrationen

Amnesty International fordert Palästinensische Aktivisten müssen von Behörden in Ramallah freigelassen werden.

Am 19. Juli 2020 nahmen die im Westjordanland stationierten palästinensischen Streitkräfte in der Stadt Ramallah 19 Aktivisten fest, die friedlich gegen die Korruption im Land protestierten. Dies teilte nun Amnesty International Deutschland mit und schreibt: „Während drei von ihnen wieder freigelassen wurden, wurden 16 angeklagt, zehn von ihnen befinden sich weiterhin in Haft“. Alle zehn Palästinenser sind aus Protest gegen […]

Montag, 29. Juni 2020

Türkei

Corona machts möglich: Urlaub für 32 Euro im 5 Sterne Hotel

Zahlreiche Reise-Start-Ups stehen wegen der Corona-Krise mit dem Rücken zur Wand, vielen droht der Ruin – auch unter den großen Reiseanbietern. Nach wie vor sehr günstig ist die Türkei. Doch das hat seine Schattenseiten. Denn Millionen Bürger aus Europa meiden seit Jahren die Türkei als Tourismusgebiet, da willkürliche Verhaftungen drohen. Vor allem wenn jemand in Social Media seine Sympathien mit […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »