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Samstag, 24. Oktober 2020

Bundeswehr hat im Krieg in Syrien nichts verloren beim Kampf gegen IS-Banden

Kommentar – Die angeblichen linksliberalen Blätter – von DER SPIEGEL bis STERN – verlieren seit Jahren Auflage. Manchmal möchte man fast sagen: Zum Glück. Vor allem die Onlineredaktionen sind an dümmlicher kriegstreiberischer und oberflächlicher Berichterstattung nicht zu überbieten. Das scheint sich auch negativ auf das Standing der Printmarken auszuwirken. Denn wer einigermaßen bei Verstand ist und politisch linksliberal, lässt sich nicht durch kriegsgeile Artikel motivieren, für so einen Mist auch noch Geld hinzublättern.

Das war schon beim kriegsverbrecherischen Angriff des westlichen Militärbündnisses NATO auf Libyen so, dass sich gerade die angeblichen linksliberalen Blätter – auch die Süddeutsche Zeitung – als Kriegstreiber generierten. Der damalige Bundesaußenministern Guido Westerwelle (FDP) konnte Deutschland schon damals nur mit Mühe aus einem widerlichen dummen Krieg heraushalten.

Der Krieg in Libyen fing mit einer NATO-Lüge von der angeblichen „Nichtflugverbotszone“ (no fly zone) an – die für alle galt, nur für die Terrorangriffe der NATO auf den libyschen Staat nicht – und hörte mit einem bestialischen Kriegsverbrechen auf: Mit der von der NATO aus der Luft gedeckten, beförderten und gewollten öffentlichen Messer-Hinrichtung des langjährigen libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi. Auf einem Truck blutend schleifte die angeblich so friedliche libysche Opposition Gaddafi in den Tod, das Messer im Rücken. Das Video gibt es heute noch auf Youtube.

Doch statt Friedenstäubchen, die uns die westlichen Massenmedien einsuggerierten, entpuppten sich schon damals diese angeblichen arabisch-libyschen „Frühlingskämpfer“ als plumpe brutale Terrorgruppen. Wie sie sich nennen, ist eigentlich egal. Ob IS oder Al Quaida, ob al Nusra Front oder Boko Haram oder gleich großkotzig „Islamischer Staat“ (IS, arabisch الدولة الإسلامية).

IS ist durch Kriege des Westens entstanden

Auch das ist die bittere Wahrheit: Der Westen braucht für seine brutale Kriegs- und politische globale Machtmaschinerie Feinde. Mal war es der Vietnam (der sich bloß von der Kolonialherrschaft Frankreich freikämpfen wollte), dann wieder Afghanistan (Taliban), dann Saddam Hussein (Irak), Gaddafi (Libyen), Mubarak (Ägypten), dann Assad (Syrien), Putin (Russland) und jetzt IS. Dass die IS letztlich durch den vom Westen kriegerisch herbeigeführten Sturz von Saddam Hussein entstanden ist, und IS, beziehungsweise Isis, in Syrien auch noch vom Westen aufgerüstet wurde, in dem Wahn, man müsse unbedingt und mit allen Mitteln Assad kippen, interessiert heute niemand mehr.

Wer ist der Feind nach IS? Dabei möchten wir die Taten der Terror-Gruppierungen in keinster Weise in ihrer großen Schuld und Wucht schmälern. Doch Fakt ist: Ob Saddam Hussein oder Gaddafi, ob Assad oder Mubarak – diese brutalen Herrscher sorgten für friedlichere Regionen als wir es seit deren Sturz erleben. Der Terror ist nicht mehr die Ausnahme geworden, sondern Alltag. Im Westen kümmert das niemand mehr. Eine Bombe mit 60 Toten in Bagdad – das ist den meisten westlichen Medien nicht einmal mehr einen Fünfzeiler in einer Zeitung wert. Aber eine Bombe in Paris ändert plötzlich die Sichtweise. Wenn das Leid bei uns ist, öffnen wir unsere Herzen, sehen, dass eine Bombe immer noch eine Bombe ist.

Doch auch die Terrorangriffe gegen Unschuldige in Paris können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Westen – ebenso die westlichen Massenmedien – kriegsgeil sind. Einige scheinen sich geradezu perverse Terrorangriffe herbeizusehnen, damit sie wieder zuschlagen können – gegen die Ungläubigen, die Terrorbanden, die Barbaren.

Der Westen führt seit Jahrhunderten Glaubenskriege und Kolonialkriege

Das ist seit 500 Jahren so. Als man Libyen angriff, prophezeite Gaddafi, man werde damit das Tor zur Hölle öffnen, Massen an Flüchtlingen würden dann über Libyen nach Europa kommen. Außer Hohn und Spott hatte man für diese Aussage im Westen nichts übrig. Man fühlte sich ja so überlegen.

Und heute: Werden hektisch Zäune gebaut, wird versucht das Dilemma auszusitzen, auszuschwitzen, auzulabern. Einige der wenigen, die erkannt hat, dass der Westen mehr tun muss, als Kriege führen, ist ausgerechnet eine CDU-Bundeskanzlerin: Dr. Angela Merkel. Sie scheint noch nicht so abgebrüht zu sein, als dass ihr das Schicksal von Millionen Menschen, die zudem Opfer einer katastrophalen westlichen Außenpolitik sind, egal ist. Merkel ist eine der wenigen an solch hoher Position, die keine Scharfmacherin ist, erst Recht keine Kriegstreiberin.

Das globale nun den Westen ebenfalls heimsuchende Flüchtlingsproblem lässt sich weder aussitzen noch mit Zäunen in den Griff kriegen. Der Westen hat seine Flüchtlinge verdient. Es sollten noch viel mehr werden, die zu uns nach Europa kommen, denn wir haben sie mit produziert, sie öffnen uns endlich die Augen.

Es sollte endlich eine Flüchtlingssteuer eingeführt werden

Deshalb muss darüber diskutiert werden, dass eine Flüchtlingssteuer eingeführt wird. Jeder Europäer sollte mindestens 1000 Euro im Jahr für Flüchtlinge bezahlen. Die Kriegskosten übernehmen wir ja sowieso schon gezwungener Maßen über die Steuer. Warum dann nicht obendrauf eine Flüchtlingssteuer? Eine Steuer vergleichbar jener des Solidaritätszuschlags für Ostdeutschland. Angesetzt für 12 Monate, überzieht der Solidaritätszuschlag die deutschen Steuerzahler jetzt schon im 26. Jahr.

Eine große Allianz gegen IS wolle er bauen, sagt François Hollande, der französische sozialistische Präsident. Dafür reist er von Washington bis Russland. Fast vergisst man dabei, dass es doch der Westen war, der wegen einem kleinen Flecken Erde – der Krim – seit bald zwei Jahren einen Wirtschaftskrieg gegen Russland führt. Wegen einem Flecken Erde, den bis vor zwei Jahren kaum einer im Westen kannte und wo man auch heute noch nicht leben möchte.

Die moralischen Ereiferer im Westen zogen sich an der zu 80 Prozent von Russen bewohnten Krim hoch, als gehe es darum, das Gottesreich zu verteidigen. Das gilt auch für die Ukraine. Egal wer dort die vergangenen 25 Jahre regiert hat und auch heute noch regiert: Zu viele Politiker in diesem Staat sind korrupt, einige sollen gar in Verbrechen verwickelt sein. Die Beliebtheit der Politiker rangiert bei den Ukrainern nicht umsonst regelmäßig in Umfragen gegen Null.

Die Ukrainer warten bis heute auf Freiheit – der Freiheit von Korruption

Doch im Westen werden selbst korrupte ukrainische Politiker von Massenmedien gerne aufgebaut, als handele es sich um ukrainische Freiheitskämpfer gegen das böse Reich der Russen. Auf die Freiheit – vor allem die Freiheit von Korruption und Bereicherung durch die Oligarchie – warten die Ukrainer bis heute. Und daran ist nicht Russland schuld.

Nun drängen also Deutschlands Massenmedien – allen voran die angeblich Linken – wieder voller Wucht in den Krieg. Denn Krieg ist ja geil. Alle wollen IS bekämpfen. Was dabei vergessen wird: Die Terrorangriffe in Paris oder in Tunesien sind primär durch geistige Brandstifter geschehen, die im Westen wohnten, nicht bei den Irren der IS in Syrien. Das sind Trittbrettfahrer.

Nach jeder Gewalttat, jedem Amoklauf, jeder Bombe, sagen IS-Verbrecher gerne – sofern es ins Konzept passt und einigermaßen glaubhaft scheint: Sie seien es gewesen. Sie, die über eine angeblich so tollte funktionierende intelligente Logistik verfügten. Doch keiner fragt sich dann: War es wirklich IS oder waren es nicht Einzeltäter, die sich dann schnell zu irgendeiner Glaubensrichtung bekennen – ihre Fähnchen nach dem Wind schwenken. Oder die posthum vereinnahmt werden von dem Verbrecher-Syndikat IS.

Die Terrorangriffe von Paris sind auch ein soziales Problem

All die Terrorangriffe in Paris wurden durch junge Menschen ausgeübt, die sich von der französisch-bürgerlichen Gesellschaft – erst Recht von der Politik – arrogant und menschenverachtend an den Rand der Gesellschaft gedrückt gesehen haben.

Zur Waffe des Terrors greift in aller Regel nur der, wer sich so ohnmächtig fühlt, wer glaubt, dass er nur noch darin einen Befreiungsschlag für sich erreichen könnte. In die fanatische Religion flüchtet nur, wer in der Realität keine Chance für sich sieht.

Schon vor Jahren sagte Nicolas Sarkozy, der Vorgänger-Präsident von François Hollande, er wolle die Armut und den Bildungsnotstand in den armen von Immigranten – vor allem aus ehemaligen französischen Kolonien – bewohnten Pariser Vororten bekämpfen. Sarkozy sagte dies aber nicht aus eigenem Antrieb, sondern da mal wieder in Pariser Vororten ganze Autozüge in Flammen aufgegangen waren. Im Gegensatz zum jetzigen Präsidenten Hollande erkannte Sarkozy wenigstens, dass Gewalt soziale Ursachen hat – nicht primär in Syrien, sondern direkt vor der eigenen Haustür, dem eigenen Land.

Deutschland hat in diesem Kampf in Syrien nichts zu suchen. Gewalt gebiert Gegengewalt. Deutschland hat gut getan, sich aus diesen Stellvertreter-Kriegen der westlichen Kolonialmächte herauszuhalten. Denn nichts anderes sind die Kriege in Syrien, Libyen, dem Irak, Afghanistan. Es sind alles ehemalige britische oder französische Kolonien.

Der Westen arbeitet sich psychologisch auch daran ab, dass ehemalige Kolonien sich von ihm freigesagt haben

Es sind alles Staaten, die sich wie kaum andere ehemalige Kolonien vom Joch der westlichen Kolonie-Unterdrückung frei gesagt haben. Das ist der Hauptgrund, warum diese Länder bis heute vom Westen so bekämpft werden. Es ist nicht der Wille nach Freiheit und Frieden für die Menschen dort, sondern ein spätes psychologisches Abarbeiten an einer empfundenen Herrscher-Niederlage.

Was hat Deutschland deshalb da zu suchen? Es sind unsere Soldaten der Deutschen Bundeswehr, die wir dort in Gefahr bringen. Schon in Afghanistan kamen 55 deutsche Soldaten in einem völlig irren Krieg um. Hunderte Bundeswehrsoldaten könnten bis heute verletzt sein, verstümmelt. Offizielle detaillierte Statistiken führt die Deutsche Bundeswehr dazu nicht. Aus gutem Grund.

Gewonnen ist bis heute kaum etwas in Afghanistan, im Irak, in Libyen oder wo auch immer der Westen in Kriege involviert war. Die Taliban sind immer noch in vielen Regionen an der Macht und der Terror gegen die zivile Bevölkerung – vor allem den Frauen – ist nicht besser geworden. Irre kann man nicht mit einem kurzen mehrjährigen Kriegsbesuch befrieden. Das hatte auch schon Cäsar erkennen müssen.

Deutschland kann in Syrien nur verlieren. Deshalb sollte sich Deutschland aus dem syrischen Krieg heraushalten. Das Maximum, was Deutschland im Rahmen seiner Bündnistreue in der NATO leisten sollte und kann und darf, sind friedliche Aufklärungsflüge. Nicht mehr. An Deutschlands Fingern klebt so viel Kriegsblut, dass er für die nächsten Jahrtausende genügt.



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