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Sonntag, 25. September 2022

Netanjahu: Israel betrauert zutiefst den Tod von Elie Wiesel

KZ-Häftlinge von Buchenwald. Elie Wiesel soll in der zweiten Reihe von unten der siebte von links sein. Allerdings gibt es Behauptungen, der Abgebildete könne nicht Wiesel sein, da er zum Zeitpunkt der Aufnahme noch ein Teenager gewesen sei, das Bild zeige aber einen Mann in seinen 40ern. Wir konnten weder die eine noch die andere Behauptung bislang verifizieren.

Die Welt hat einen ganz großen Friedensengel verloren: Den jüdischen Friedensnobelpreisträger und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel. Wie kein anderer mahnte der nun mit 87 Jahren Verstorbene die Welt auch angesichts bedrohlicher Szenarien die Nerven zu behalten und den Frieden zu wahren. Elie Wiesel hinterlässt seine Frau und einen Sohn. Israel und Millionen Menschen betrauern einen ganz Großen. Bereits morgen soll Wiesel beerdigt werden, sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu.

Zuletzt wurde Wiesel im Sommer 2009 einem weltweiten Fernsehpublikum bekannt, als er im ostdeutschen Konzentrationslager Buchenwald gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama an seine eigenen schrecklichen Erfahrungen in Buchenwald eindringlich, aber doch zurückhaltend und liebenswert, erinnerte. Viele hatten damals Tränen in den Augen. Nun ist Elie Wiesel mit 87 Jahren verstorben. Ein großer und weltweit geschätzter Zeuge einer grausamen verbrecherischen Zeit.

Elie Wiesel war Journalist, Philosoph und Überlebender des Holocaust. Im Jahr 1986 gewann er den Friedensnobelpreis für seine Arbeit rund um Holocaust-Gedenkstätten. Wiesel starb am Ende eines langen Kampfes gegen eine schwere Krankheit in seinem Haus in den USA.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kommentierte das Ableben von Elie Wiesel mit den Worten: „Er verwendete sein Leben, um einen Lichtstrahl der Menschheit zu zeigen angesichts der Dunkelheit des Holocaust“.

Elie Wiesel veröffentlichte mehr als 40 Bücher. Viele dieser Bücher durchzieht seine Zeugenschaft einer Zeit, in welcher der deutsche Staat zum Täter wurde. Elie Wiesel hatte persönlich in den 1940er Jahren erfahren müssten, wie der deutsche Staat in seinem Kampf um eine europäische Vormachtstellung Millionen Menschen erniedrigte und alles Menschliche missachtete und schließlich in den Todeslagern Adolf Hitlers diese umbrachte.

Doch nicht Rache und Hass war Elie Wiesels Antwort, sondern, wie er sagte, die „Botschaft des Friedens, der Vergebung und Menschenwürde“.

Wiesel war in Ungarn als Jude geboren worden und verlor im deutschen in Polen liegenden Vernichtungslager Auschwitz seine Mutter und seine kleine Schwester. Elie Wiesel selber wurde gemeinsam mit seinem Vater in das Arbeitslager Buchenwald gesteckt. Alleine auf dem Todesmarsch dorthin starben unzählige Menschen.

Während sein Vater in dem zugigen und kalten, auf einem Hügel gelegenen Arbeitslager durch die tägliche Pein, Mangelernährung und Erniedrigung starb, überlebte der junge Elie Wiesel. Er war am 11. April 1945 durch die westlichen Alliierten schließlich befreit worden. Anschließend kam er in ein Waisenhaus in Frankreich, ehe er 1956 in die USA emigrierte.

In New York arbeitete Elie Wiesel dann als Reporter und Schriftsteller. Sein Leben widmete er ganz dem Wunsch, den Holocaust in der Welt als Mahnung in Erinnerung zu behalten und das Vermächtnis an die folgenden Generationen weiterzugeben. Das ist ihm gelungen wie wenigen anderen. Vor allem, da er seine eigene Lebensgeschichte öffentlich machte.

Im Jahr 1993 eröffnete Wiesel schließlich das Nationale Holocaust-Museum in Washington, DC. Bis heute ist das erste Buch von Wiesel, „Tonight“, das am meisten verkaufte Buch von ihm. In der ersten Auflage war es noch auf jiddisch veröffentlicht worden, später aber auch in deutsch.

In dem Buch schildert er sein Leben unter dem NS-Regime der Deutschen. Die wichtigste Aussage darin war: Man müsse Partei ergreifen. Neutralität helfe angesichts von Vernichtungslagern niemandem. Überall dort, wo ein Mann oder eine Frau verfolgt werde, egal ob wegen seiner Rasse, seiner Religion oder politischen Überzeugung, müsse man Flagge zeigen.

Avner Shalev, Vorsitzender von Yad Vashem, sagte: „Elie Wiesel war loyal gegenüber dem jüdischen Volk…. Als ein Überlebender des Holocaust, der sein Leben widmete, Zeugnis in der Welt zu geben, tat er dies durch ein außergewöhnliches Talent sowohl schriftlich als auch als begabter Redner.“

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte: „Der Staat Israel und das jüdische Volk betrauern zutiefst den Tod von Elie Wiesel“. Zudem erklärte er: Eli habe „triumphalen Ausdruck des menschlichen Geistes gegenüber der Grausamkeit und dem Bösen“ gegeben.

Vor allem habe Elie Wiesel der Finsternis des Holocaust, „die unsere Brüder und Schwestern“ tötete – „sechs Millionen“ – Ausdruck verliehen. Die umfangreichen Arbeiten von Elie Wiesel hätten aber nicht nur „die Schrecken des Holocaust“ scharf und menschlich dokumentiert, sondern Hoffnung und Optimismus in das Gesicht der Finsternis von Auschwitz gestellt.p

Ein Schatten fiel auf Elie Wiesel vor wenigen Jahren, als Gerüchte aufkamen, wonach er entgegen von Darstellungen nie in Auschwitz als Häftling eingesessen habe. Die von ihm ausgegebene KZ-Nummer A-7713 habe einem anderen Häftling, der zufällig auch Wiesel geheißen haben soll, gehört. Auch das Foto, welches wir diesem Artikel beistellen, zeige nicht Wiesel in der zweiten Reihe von unten, sondern einen anderen Häftling. Grund:

Wiesel selbst sei 1945 noch ein Teenager gewesen. Der auf dem Foto Abgebildete sei aber offensichtlich bereits in den 40er Jahren – also ein gestandener Mann. Wobei bis heute nicht ganz klar ist, ob Elie Wiesel jemals behauptet hat, er sei auf dem Foto, das wir diesem Artikel beistellen, tatsächlich abgebildet. Ein weiterer Vorwurf lautet, Elie Wiesel habe gar keine KZ-Nummer an seinem Körper vorzeigen können, da es angeblich keine gegeben haben soll.

Andere werfen Elie Wiesel wiederum vor, er sei später Mitglied einer „zionistischen Terrorgruppe mit dem Namen Irgun“ gewesen, die angeblich britische Soldaten und Palästinenser umgebracht haben soll (siehe Kommentar unter einem Artikel der Washington Post). Die unterschiedlichsten Vorwürfe gegen Wiesel konnten bis zu seinem Tod leider nicht einwandfrei ausgeräumt werden.

Doch was bleibt ist Elie Wiesels enormer Beitrag zum kollektiven Gedächtnis, dass der Holocaust niemals mehr vergessen wird. Und als solches wollen auch wir uns vor ihm und dem in seinen Büchern und Reden so eindringlich geschildertem Leid verneigen, das stellvertrend für Millionen Opfer steht – darunter waren neben Juden zahlreiche andere Menschen: Linke, Oppositionelle, Kritiker des deutschen NS-Regmimes, Homosexuelle, Behinderte, Kinder, Alte. Elie Wiesel hat dem Leid einen Namen, ein Bild, ein Angesicht und Worte gegeben. Das ist, was für uns zählt.

Der ehemalige Präsident von Israel, Shimon Peres, erklärte, dass „Wiesels Tod ein großer Verlust für das jüdische Volk und die ganze Welt“ sei. Leseempfehlung: „Besuch im KZ Buchenwald: Erinnerungen an Elie Wiesel und seine Rede dort“



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