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Freitag, 16. August 2019

Paul Biya: 130 Vermisste in deutscher Ex-Kolonie Kamerun wegen Regierungskrieg gegen Boko Haram

Männer verkaufen in Kamerun Lebensmittel an einem klassischen Straßenstand. (Bild: pixabay.com | CC0 Public Domain)

Wo sind in Kamerun 130 Menschen geblieben, die in zwei Dörfern von Regierungstruppen gefangen genommen wurden, als diese gegen die islamische Terrorgruppe Boko Haram militärisch vorging? Diese Frage stellt auch Amnesty International an die Regierung von Kamerun.

Kamerun ist eine ehemalige deutsche Kurzzeit-Kolonie (1884 bis 1919). Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ging Kamerun von Deutschland zu vier Fünftel an Frankreich und einem Fünftel an Großbritannien. Frankreich verbot lokale Sprachen und führte Französisch als Zwangssprache für jeden im Öffentlichen Leben, also auch an Schulen, ein. Ebenso führte Frankreich über Jahrzehnte das Zwangsarbeiter-System ein, welches auch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg in seinen KZs für Millionen Menschen einsetzte.

Erst 1960 konnte Kamerun seine Freiheit von Frankreich erlangen. Das von Großbritannien im Norden Kameruns besetzt gehaltene eine Fünftel ging nach einer angeblichen „Volksabstimmung“ an das ebenfalls von den Briten bis 1960 besetzt gehaltene Nigeria. Nigeria ist ein Vielvölkerstaat, der über 30 Bundesländer und 514 Sprachen zählt sowie die Hochburg von Boko Haram ist.

Boko Haram wurde 2002 gegründet und hat eine islamisch-diktatorische Gesellschaftsordnung zum Ziel, die von Männern beherrscht wird.

Boko Haram lehnt demokratische Wahlen ab, ebenso westliche Bildung. In Entführungen, Terroranschlägen und mit Massen-Ermordungen wendet sich Boko Haram vor allem gegen Christen und Muslime, die das mittelalterlich-absolutistische Weltbild von Boko Haram, welches auch die Scharia und das Verbot westlicher Bildung zum Ziel hat, nicht unterstützten.

Regierungschef von Kamerun ist seit 1975 Paul Biya, 83, welcher wiederum vom US-Präsidenten Barack Obama und seiner Frau in einer großen Zeremonie in Washington empfangen worden ist. Die Ehefrau von Biya ist die etwas exzentrische Chantal Biya, heute 46.

Die 130 bis 200 in Kamerun Vermissten sollen an Weihnachten 2014 und zwar am 27. Dezember 2014 im Rahmen von militärischen Regierungs-Operationen gegen Boko Haram verschwunden sein. Betroffen waren die beiden Dörfer Magdeme und Doublé, schreiben Amnesty International-Engagierte derzeit in Briefen an den Präsidenten von Kenia, an Paul Biya.

In der Nacht der Regierungsangriffe gegen die beiden Orte seien 25 Männer, welche die Soldaten gefangen genommen hatten, während der Haft in Maroua umgebracht worden. Als mögliche Täter werden unter anderem Soldaten von Kamerun genannt. 130 Menschen weitere Menschen werden immer noch vermisst.

Bis heute versuchen die Familien der ermordeten Kameruner Männer von der Regierung in Erfahrung zu bringen, warum man ihre Männer umgebracht hat.

Zudem fordern sie eine unabhängige Untersuchung und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Das gilt auch für die 130 Menschen, die in Kamerun von den Soldaten gefangen genommen wurden und bis heute verschwunden sind. In einem Brief an den Präsidenten von Kamerun, an Paul Biya, heißt es:

„In addition, i call on you to conduct extensive, independent and impartial investigations into the ‚disappearance‘ of the 130 men und boys from Magdeme und Doublé. The results must be made public and the persons responsible for the ‚disappearances‘ and deaths must receive fair trials without resorting to the death penalty. At last, please make sure that the concerned families receive adequate compensations for what has happened.“

Ende der Sklaverei in Kamerun

Während in den USA die Sklaverei erst 1865 offiziell verboten wurde und 1888 in Brasilien, war man in Kamerun fortschrittlicher. Hier hatten die Könige von Kamerun bereits am 10. Juli 1840 mit der Kolonial-Weltmacht Großbritannien einen völkerrechtlichen Vertrag unterschrieben, welcher zumindest formal das Verbot von Sklaven festschrieb.

Ob das Sklavenverbot in Kamerun ab 1840 wirklich beachtet wurde, lässt sich schwer nachvollziehen. Klassischerweise dauerte es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, ehe damals in Afrika aktive Großgrundbesitzer von alten Gepflogenheiten abgelassen haben.



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