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Brandsätze und Prügel für „Nationalen Übergangsrat“

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Erfahrungen im Morden, vergewaltigen und verprügeln von tatsächlichen oder vermeintlichen Gegnern haben viele Mitglieder oder Sympathisanten des von der NATO mit Hunderttausenden Bomben und geschätzten 50.000 Toten an die Macht gebombten libyschen „Nationalen Übergangsrats“ (NTC).
Jetzt hat es ausgerechnet den Vize-NTC-Vorsitzenden Abdelhafis Ghoga  selbst getroffen: Bereits am Donnerstag sei er, berichten Beobachter, öffentlich von NTC-Anhängern verprügelt worden. Die NTC-Schläger werfen ihm vor, ein Wendehals zu sein. Früher habe er den mit Hilfe des westlichen Kriegsbündnisses NATO von NTC-Soldaten ermordeten libyschen Staatschef Muammar al Gaddafi bewundert, werfen ihm seine Kritiker vor.

Die Schläger fordern von den Entscheidungsgremien des NTC schnellere demokratische Reformen und eine deutlich höhere Transparenz in Entscheidungsprozessen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen greifen sie zu Mitteln, die ihnen der Westen in Form der NATO beigebracht hat: Die Anwendung von Gewalt. So verprügelten sie nicht nur NTC-Vize Ghoga. Hunderte NTC-Anhänger warfen in der NTC-Hochburg, der Stadt Bengasi,  zudem Brandsätze auf den räumlichen Sitz des Nationalen Übergangsrates.

Mit Steinen und Eisenstangen bewaffnet stürmten am Samstag rund 1.500 Chaoten den NTC-Sitz. Dabei seien erhebliche Schäden am Gebäude entstanden, wird berichtet. Zahlreiche Fenster seien zu Bruch gegangen. Zudem sei ein gepanzertes Fahrzeug demoliert worden, erklärte das Übergangsrats-Mitglied Fathi Badscha. Als der NTC-Vorsitzende Mustafa Abdul Dschalil das gestürmte Gebäude verlassen habe, sei er obendrein mit Flaschen beworfen worden, heißt  es.
Frustration bei Jugendlichen
Westliche Medien schrieben, es handele sich bei den gewalttätigen NTC-Anhängern überwiegend um Studenten. Das hält kriegsberichterstattung.com für eine pure Erfindung. Wahrscheinlicher ist es, dass der Mob sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten Libyens zieht. Vor allem arbeitslose und enttäuschte Jugendliche, die erhofften, mit dem von Gaddafi eroberten Ölreichtum des Landes schnell selbst zu Wohlstand zu kommen, dürften darunter gewesen sein. Dabei deutet sich seit Monaten an, dass der Ölreichtum des Landes unter diversen Gaddafi-gegnerischen Clans verteilt wird. Das dürfte für Frustration bei vielen Jugendlichen sorgen, die monatelang unter Einsatz ihres Lebens den Umsturz in Libyen vorangetrieben hatten.

Ersten Gerüchten zufolge sei der stellvertretende NTC-Vorsitzende Abdelhafis Ghoga mittlerweile zurückgetreten. Es heißt, er habe um sein Leben gefürchtet. Die Bilder von der bestialischen Ermordung Gaddafis durch NTC-Soldaten dürfte er dabei sicherlich vor Augen gehabt haben. Im Juni 2012 soll es in Libyen die erste freie Wahl seit Jahrzehnten geben. Hierbei soll die personelle Zusammensetzung einer verfassungsgebenden Versammlung festgelegt werden.
Foto: © istockphoto/ Joel Carillet



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