Der TV-Sender Pro7 gehört zu Deutschlands erfolgreichsten privaten Fernsehsendern. Pro7, auch geschrieben als ProSieben, ist für spannende und abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung bekannt. Warum aber ausgerechnet am Ostermontag um 20:15 der beliebte Sender eine politisch diskussionswürdige „Antikriegskomödie“ mit dem Titel „Willkommen im Krieg“ aussendete, stößt gerade bei Bundeswehrsoldaten auf wenig Verständnis. Viele sind wütend und machen auf Facebook ihrem Ärger Luft. Es wurde sogar bereits zum Boykott der Sendung aufgerufen. Das pazifistische Onlinemagazin kriegsberichterstattung.com erklärt, was die Soldaten am meisten erzürnt.

Die Pro7-Produktion greift das Thema vom Einsatz junger Bundeswehrsoldaten in Krisengebieten auf. Hauptfigur des Filmes ist Martin, der an Stelle seines besten Freundes – der Freund wird überraschend Vater – in den Krieg zieht. Mit der Begeisterung für Computer-Kriegsspiele steht Martin plötzlich vor der Realität. Die TV-Zeitschrift TVSpielfilm schreibt online über den Film:

„Maddel muss zurück zum Bund. Kumpel Martin (Constantin von Jascheroff) soll ihn zum Flieger bringen, doch vorher pfeifen sie sich erst mal ein Bier rein. Tags drauf erwacht Martin verkatert in einem Bundeswehrfahrzeug auf dem Weg ins Wüstenlager – und Maddel in den Armen eines Lkw-Fahrers. Damit der Freund nicht als Deserteur gilt, springt Martin für ihn ein – ohne je gedient zu haben. Er freundet sich mit den Kameraden an, stellt den Biernachschub sicher, versucht die Sanitäterin Nina (Jessica Richter) klarzumachen und lernt sogar etwas über den Konflikt vor Ort…“

Fragwürdig, warum bei 39 toten deutschen Soldaten eine Komödie gedreht wird

Fragwürdig aus Sicht vieler Soldaten ist, warum zu dem heiklen Thema Auslandseinsätze der Bundeswehr ausgerechnet eine Komödie gedreht wurde. Denn lustig sind die Auslandseinsätze schon lange nicht mehr, erst Recht handelt es sich nicht um Bierausflüge. Besonders verärgert die Soldaten jedoch das Datum der Ausstrahlung: Ostern.

Grund: Der Schwarze Karfreitag vom 2.4.2010 sitzt noch als tiefer Schock im Gedächtnis. Es war einer der schwärzesten Tage in der näheren Bundeswehrgeschichte. Denn damals gerieten die deutschen Soldaten gegen 14 Uhr bei einer Routine-Operation in der Region Char Darah in Nord-Afghanistan Nahe des deutschen Feldlagers in Cunduz in ein schreckliches Gefecht. Taliban-Kämpfer hatten deutsche Soldaten angriffen und töteten drei von ihnen. Dabei waren die Deutschen lediglich in friedlicher Mission unterwegs gewesen und hatten eine Straße von Minen befreien wollen.

Bis zum heutigen Tage sind bei dem ISAF-Einsatz der Nato 39 deutsche Bundeswehr-Soldaten ums Leben gekommen. Doch der Schwarze Karfreitag steckt der Bundeswehr immer noch schmerzlich und bedrückend in den Knochen. Dass nun Pro7 ausgerechnet zwei Jahre später sich auf komödiantische Art und Weise sich mit dem Thema Bundeswehr auseinandersetzt, sorgt zu Recht für Zorn bei den deutschen Soldaten, die täglich in Auslandseinsätzen wie in Afghanistan ihr Leben aufs Spiel setzen.

Windige Politik

Dabei stellt sich bis zum heutigen Tage die Frage: Warum schicken wir unsere Soldaten überhaupt in solche terroristisch durchzogenen Kriegsgebiete wie Afghanistan? Dass die deutsche Politik sich eine Ewigkeit in der deutschen Öffentlichkeit mit windigen Erklärungen herumdrückte, indem sie stets so tat, als handele es sich selbst in Afghanistan nur um eine „Friedensmission“ und nicht um einen Krieg, steht einmal mehr für eine verlogene westliche Politik.

Wer gedenkt eigentlich der 39 toten deutschen Soldaten? Wird es für sie eine Bundestags-Gedenkfeier geben, die von der Bundeskanzlerin Angela Merkel angeführt wird? Deutsche Soldaten sterben, während es der deutschen Politik offensichtlich egal ist – von kurzen bedauernden Statements im Bundestag mal abgesehen.

Pro7 hat sich sicherlich nichts Böses dabei gedacht, nun zu Ostern, zwei Jahre nach dem schrecklich Mord-Überfall der Taliban auf deutsche Soldaten, eine „Soldatenkomödie“ auszustrahlen. Dennoch passt es in das Bild Deutschlands. Das Vergessen, wenn deutsche Soldaten im Krieg heute wieder sterben, steht symbolisch für die deutsche Politik, die zwar deutsche Soldaten sterben lässt, aber ihrer noch nicht einmal gedenkt. Deshalb ist der Ärger der deutschen Soldaten verständlich.

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