Skip to main content
Mittwoch, 19. September 2018

Türkei eilt Katar zur Hilfe und stationiert bis zu 600 Soldaten

Das Fünfsterne-Hotel Grand Hyatt gehört zu den attraktiven Urlauberhotels in Doha. (Bild: sr)

Für die Weltöffentlichkeit eher unerwartet, eilt die Türkei dem aggressiv in Bedrängnis gebrachten reichstem Staat der Welt, Katar, zur Hilfe.

So verabschiedete das Parlament in der türkischen Hauptstadt Ankara in einer Blitzabstimmung am Mittwoch: Es sollen 500 bis 600 weitere Soldaten in Katar stationiert werden. Schon heute befindet sich eine Militärstation in Katar mit rund 80 Soldaten.

Zusätzlich zur militärischen Unterstützung sagte die Türkei Katar, einem der kleinsten Staaten auf der arabischen Halbinsel zu, die Gendarmerie mit auszubilden. Zudem soll das Militär von Katar modernisiert werden.

Die türkischen Soldaten sollen in der Doha Division stationiert werden, einer Einheit, welche sich am Rande von Doha in der heißen trockenen und wenig attraktiven Wüste befindet.

Katar hat in den vergangenen Jahren vor allem wegen der anstehenden Fußball-WM große Anstrengungen unternommen, seine Hauptstadt Doha zu verschönern und die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen.

Schon heute eignet sich Katar sehr gut für Kurzurlaube. Die moderne Hochhaus-Skyline von Doha ist beeindruckend. Zum abendlichen Bummeln lädt ein großer Markt, ein Souq ein. Zudem werden Rundfahrten auf Schiffen angeboten. Auch verfügen viele Hotels über einen Strandzugang.

Für die betuchteren Urlauber oder Geschäftsreisenden wurde nach dem Vorbild von Dubai eine künstliche Luxusinsel aufgeschüttet (Banana Island Resort Doha by Anantara). Auf ihr befinden sich Urlaubs-Privatvillen , die teils gemietet werden können, ebenso ein Hubschrauberlandeplatz, sowie ein Hafen für die Fahrt nach Doha.

Zu den großen und schönen Hotelanlagen in Doha gehört ebenso das Grand Hyatt. Das Hotel liegt zwar nicht am Meer. Dafür befindet es sich aber an einer künstlich aufgeschütteten Wasserlagune, welche zum Baden einlädt. Zudem liegt gegenüber des Hotels ein großes neues Luxus-Einkaufszentrum.

Wer sich in Doha fortbewegen möchte, benötigt entweder einen Mietwagen (zu empfehlen, auch für Ausflüge innerhalb von Doha), oder ein Taxi (die es an jeder Ecke gibt).

Die Krise in Katar ist von den arabischen Nachbarn vor wenigen Tagen unter den Vorwürfen angezettelt worden, Katar unterstützte angeblich den Terror. Diese Vorwürfe gehen aber seit Jahren ebenso Richtung Saudi-Arabien, einer Nation, der nachgesagt wird, sie entlohne fürstlich ISIS-Söldner in Syrien und werbe dafür sogar IS-Kämpfer in Deutschland an.

Zudem wird kritisiert, Katar unterstützte angeblich die 1928 gegründete Muslimbruderschaft, die in Ägypten verboten wurden. Gemeinsam ist zudem den mit Katar verfeindeten arabischen Staaten der Hass auf den katarischen in der arabischen Welt viel gesehenen Satellitensender Al Jazeera.

Ihm schreiben die arabischen Diktatoren in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, oder Ägyptens vor, den Arabischen Frühling angezettelt und beflügelt zu haben. Dem Arabischen Frühling waren 2011 mehrere Staatschefs zum Opfer gefallen (in Libyen, Tunesien, Ägypten und Syrien; beinahe auch in Bahrein, Marokko, sowie in Algerien).

Deshalb hatten die Nachbarstaaten von Katar – Saudi-Arabien, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate (Dubai, Abu Dhabi), der Jemen und Ägypten – in einem recht einmaligen Akt Katar komplett von der Infrastruktur auf der Halbinsel abgeschnitten.

Dabei war auch der Flugverkehr von und nach Katar durch die Fluglinien Emirates (Dubai) und Etihad Airways (Abu-Dhabi) eingestellt worden.

Außerdem hatte man der staatlichen Fluglinie von Katar, Qatar Airways, die Fluglizenz für Flüge auf der arabischen Halbinsel oder nach Ägypten entzogen.

Obendrein haben Saudi-Arabien, Ägypten, Dubai, Abu Dhabi, Bahrein und der Jemen Diplomaten aus Katar ausgewiesen und Bürgern aus Katar die Durchreise oder Einreise in ihre Länder verweigert.

Doch auch saudischen Bürgern selber dürfte der Konflikt nicht unbedingt gefallen. Denn nicht wenige Saudis reisen gerne nach Doha, um sich in der letztlich attraktiven Stadt zu vergnügen. Bei ihnen ist vor allem die künstlich aufgebaute Altstadt von Doha mit ihren zahlreichen Restaurants hoch willkommen.

Katar wird nachweislich seit 1850 von der al Thani-Familie diktatorisch geführt. Dem Clan sollen rund 6000 Personen angehören. Auch der Regierungschef von Katar, letztlich mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, entstammt dieser Familie: Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, 37.

Der Außenminister von Katar, Mohammed Bin Abudlrahman Al Thani, 36, hat die Vorwürfe gegen Katar zurückgewiesen.

Ein weiterer Konfliktherd stellt die Hamas dar, welche von Katar unterstützt wird. Zudem baute Katar mit Milliarden-Investitionen Häuser und Wohnungen von Palästinensern wieder auf, welche von Israel in Kriegsangriffen zerstört worden waren.

Während Palästinenser die Hamas als politische Gruppierung und Partei ansehen, werfen Kritiker der Organisation vor, die Hamas würde die Palästinenser bewaffnen und damit den Konflikt mit Israel anheizen. Saudi-Arabien ist traditionell das Schicksal der Palästinenser – im Gegenzug zu Katar – egal gewesen.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Donnerstag, 13. September 2018

NATO

Naturwissenschaftler lehnen deutsche Kriegsbeteiligung in Syrien ab

NaturwissenschaftlerInnen in dem Berliner privaten Friedensbündnis „Abrüsten statt aufrüsten“ schicken uns eine Presseerklärung zum Syrienkrieg, die wir hier veröffentlichten. Demnach fordere man umgehend die Einstellung der seit 2011 anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen. Der aktuelle Krieg in Syrien steht im Glied einer langen Reihe brutaler Kampfhandlungen dort. Denn seit 2000 Jahren gibt es hier regelmäßig kriegerische Auseinandersetzungen. Schon vor 2000 Jahren waren […]

Sonntag, 08. Juli 2018

Palästina, Israel

Hamas und Abas-Regierung sollen auf friedliche Demonstranten eingedroschen haben

Bereits Ende Juni veröffentlichte die deutsche Amnesty International-Sektion in Köln einen Bericht über ein angeblich massives Vorgehen bis hin zu Misshandlungen gegen Palästinenser. Dieses Mal aber nicht durch israelisches Militär, sondern unter anderem durch die palästinensische Hamas-Partei selber. Der Bericht stützt sich auf eine englischsprachige Version (1; vgl. zudem Fußnotenverweis 2). Das pazifistische Portal kriegsberichterstattung.com kann den AI-Bericht nicht verifizieren. […]

Mittwoch, 13. Juni 2018

Nasa Embera Chamí

Indigene Gemeinschaft in Kolumbien mit Waffen bedroht und vertrieben

AI, Kolumbien – Mehr als 200 Angehörige der indigenen Gemeinschaft Nasa Embera Chamí aus dem Reservat La Delfina im Westen Kolumbiens seien, teilt Amnesty International in einer Urgent Action mit, aus ihren Wohnorten vertrieben worden. Zuvor sei am 8. Juni 2018 ein Anschlag auf einen Bewohner der Gemeinde verübt worden. Dies zeige einmal mehr, dass die Menschen dort dringend mehr […]

Donnerstag, 10. Mai 2018

Morde in Kolumbien wegen Staudammprojekt

Hugo Albeiro George Pérez neues Opfer

Kolumbien – Amnesty International (AI) weist in einer Urgent Agent darauf hin, dass in dem lateinamerikanischen Staat Kolumbien Umweltschützer massiv bedroht, eingeschüchtert, ja sogar ermordet würden. So sei ein Mitglied der Bewegung Ríos Vivos (Lebende Flüsse) am 2. Mai getötet worden. Das sei jener Tag, an welchem die Gruppe einen ganztägigen Protestmarsch gegen das Hidroituango-Staudammprojekt im Departamento Antioquia veranstaltet habe. Mitglieder der […]

Montag, 30. April 2018

Israel ermordete 39 Palästinenser: Amnesty fordert exzessive Gewalt umgehend einzustellen

Die international größte Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) fordert in einer dringlichen Presseerklärung, dass Israel seine ‚exzessive Gewalt‘ gegen Palästinenser umgehend einstellen solle. Wir zitieren aus der Presserklärung: „Während am Freitag, dem 13. April 2018 die Proteste aufs Neue begannen, erklärte Amnesty International, dass die israelischen Behörden der Anwendung von übermäßiger und tödlicher Gewalt zur Unterdrückung palästinensischer Demonstrationen im Gazastreifen ein […]

Samstag, 14. April 2018

Bomben auf Syrien +++ Der schmutzige Krieg der USA, Frankreichs und Großbritanniens

Kommentar – Es gehört seit Jahrhunderten zum strategischen Repertoire ehemaliger westlichen Kolonialstaaten wie den USA, Frankreichs oder Großbritanniens, die Geschichte immer so umzuschreiben, dass man selbst mit einer angeblich sauberen Weste dasteht. Ganz nach dem Motto: Die Geschichte schreibt immer der Sieger. Das ist auch beispielsweise mit den Deutschbalten so. 1917, im Zuge der Russischen Revolution, die als „Februarrevolution 1917“ […]