Seit Tagen klotzen deutsche Polizei und Staatsanwaltschaften: Mit einer geballten staatlichen Macht von insgesamt wohl gut 2000 involvierten Polizisten führen sie eine Razzia nach der anderen gegen die Rockergruppierung Hells Angels durch. Peinlich: Sie finden fast nichts. Stümperhafter geht es nicht mehr. Zur Rechtfertigung wird dann immer die Öffentlichkeit belogen – es gebe wohl einen Maulwurf in den eigenen Polizeireihen, den müsse man jetzt finden.

Wenn alle Razzien der Polizei zu nichts führen und anschließend gesagt wird: Es gebe wohl Maulwürfe bei der Polizei. Dann haben wir es ja mittlerweile mit ganzen Maulwurf-Armeen in staatlichen Institutionen zu tun. Das scheint aber für das Funktionieren eines Staatsgebildes mindestens so bedrohlich wie kriminelle einzelne Rocker. Nur: Wo bleibt die Razzia in den eigenen Reihen der Polizei und Politik gegen die Maulwürfe? Als externer Beobachter kommt man deshalb mittlerweile zu dem Urteil: Die Hells Angels scheinen wesentlich weniger gefährlich, als die Staatsanwaltschaften, Politiker und Polizisten versuchen der Öffentlichkeit zu suggerieren.

Es gibt ja fast nie Ermittlungserfolge nach den Razzien. Wenig glaubhaft ist auch, dass die Rocker die schlimmsten Beweise immer gleich wegschaffen würden, ehe die Polizei zugreifen könne. Denn: Man darf wohl davon ausgehen – und das ist auch zu hoffen – dass wirklich kriminelle Personen in den Reihen von Rockerclubs wie den Hells Angels auch vorab staatlich beobachtet werden.

Es wird langsam peinlich. Und man fragt sich: Gibt es zu viele Steuern oder warum ist soll es akzeptabel sein, dass hier mit Millionen Euro Aufwand gigantische Ermittlungen geführt werden, die fast nie nennenswertes zu Tage befördern?

Man ist ja schon gelangweilt: Jedes Mal gibt es eine große Razzia, man denkt – jetzt aber kommt die Polizei mit Huderten Maschinenpistolen zurück, teilt uns mit, dass wir seit Jahren vom Staat unberührt eine Untergrundorganisation haben, die Hells Angels Rocker in Kutte. Doch jedes Mal gerät das Drama in eigentlich vier Akten zum Abbruch schon nach dem Präludium – der Razzia. Denn jedes Mal präsentieren dann die staatlichen Akteure: Nichts oder so gut wie nichts.

Stattdessen fragt man sich zunehmend: Wenn denn die Polizei nie etwas Größeres findet. Warum dann das Verbot beispielsweise der Hells Angels Berlin City ??? Man fühlt sich langsam von der Politik, der beteiligten Polizei und Staatsanwaltschaft, etwas an der Nase herumgeführt. Sie geraten zunehmend selbst unter Druck. Es müssen endlich Ergebnisse her.

Geradezu unverschämt gegenüber den Tausenden friedlichen Rockern in Deutschland ist die Äußerung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU). Er soll doch allen Ernstes gesagt haben: Das Verbot von Rockerclubs (mein er alle???) sei ein notwendiger „aber gewiss nicht der letzte Schritt im Kampf gegen die Gefahren, die von diesen Gruppierungen ausgehen“. So viel Indifferenz schadet dem gesellschaftlichen Diskurs, der letztlich innerhalb einer freiheitlichen Gesellschaft geführt werden muss.

Rockerclubs gibt es weltweit Hunderte. Und nur der Promillebereich der Mitglieder ist kriminell. Es ist mit einer demokratischen offenen Gesellschaft nicht vereinbar, solch undifferenzierte Äußerungen der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie es der Berliner Innensenator wohl tat. Das ist eine pauschale Ausgrenzungspolitik, die absolut in einer freiheitlich orientierten Gesellschaft unakzeptabel ist.

Dass es einzelne Rocker gibt, die auch mit Drogen handeln, ist länglich bekannt. Nur: In Berlin steht an jeder dritten Straßenecke ein Asiate der offen seine Drogenlager unter Brücken und Wegen präsentiert – seit Jahren sind es immer die gleichen Gesichter. Einen Hells Angels haben wir aber noch nie als Drogendealer an der Ecke beobachtet. Prozentual dürften in Berlin wesentlich mehr Drogengeschäfte über die Asiaten ablaufen. Sie bleiben aber von der Polizei weitgehend unberührt.

Waffen- und Gewaltdelikte lassen sich in einer Stadt wie Berlin oder Hamburg, auch in Hannover, nicht, nicht einmal primär, auf die Rockergruppen beschränken. Es gibt dort, wie in vielen anderen Vereinigungen, kriminelle Elemente. Das ist bekannt. Sie gilt es ausfindig zu machen und zu verurteilen oder in Haft zu nehmen.

Nur: Die schlimmsten kriminellen Aktionen gehen mittlerweile in einem sehr hohen Ausmaß von Gruppierungen aus Rumänien, Bulgarien, dem Balkan etc. aus. Tausende aus diesen Ländern überfallen in Deutschland Bürger und Geschäfte, rauben sie aus, ermorden Menschen, räumen Wohnungen und Häuser aus. Dafür muss man nur einmal die Sendung „Aktenzeichen xy ungelöst“ im ZDF mittwochs anschalten. Von Berichten über bedrohlich umfangreich kriminell agierenden Rockern ist aber in der Sendung „Aktenzeichen xy ungelöst“ fast nie etwas zu sehen.

Die Hells Angels oder Rockergruppen insgesamt zu verbieten sind eine peinliche populistische Bankrotterklärung der Politik. Der gigantische staatliche Kraftakt in Form von Razzien, muss auch Erfolge zeigen und zwar deutliche. Sonst ist das nicht zu rechtfertigen, da nicht mehr verhältnismäßig. Alleine in Hamburg, Niedersachen und Schleswig-Holstein waren 1.200 Polizisten an den Razzien beteiligt, inklusive GSG9-Kämpfer, die 89 Zielgebiete im Visier hatten. Zwar wurden gegen 69 Personen Ermittlungsverfahren einleiteten – aber: Urteile gibt es noch nicht. In Berlin waren 550 Polizisten im Einsatz, die sich 30 Wohnungen vorgenommen haben. Doch hier wie da: Es gibt keine nennenswerte Ermittlungserfolge.

Die sogenannte Beschlagnahme von Stichwaffen, die Staatsanwaltschaften gerne der Öffentlichkeit mitteilen, ist auch so manches Mal differenziert zu sehen. Stichwaffen können auch normale Küchenmesser sein, die jede Gastwirtschaft hat. Insofern verfügt jeder auch private Haushalt über eine potentielle Stichwaffe.

In Deutschland grassiert eine Verbotswelle. Und das ist nicht gut. Wir hatten immer wieder geschichtliche Abschnitte in denen viele Gruppierungen verboten wurden. Wie es endete, ist allzu bekannt. Mittlerweile wurde ein Klub der Hells Angels in Köln verboten, ein Bandidos-Chapter in Aachen sowie angeblich weitere Unterstützerclubs. Ein weiteres Verbot erfolgte von Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) in Kiel gegen die Hells Angels, sowie in Flensburg. In Neumünster wurden zudem die Bandidos verboten.

Dass der Staat keine „rechtsfreien Räume“ duldet, wie es Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäg er (SPD) mitteilte, ist richtig. Nur: Wer definiert was ein rechtsfreier Raum ist? Das, was bislang der Öffentlichkeit vorgelegt wurde an Beweisen, wirkt oftmals zu dünn, als dass das härteste demokratische Mittel, das ein Staat hat, das Verbot einer ganzen Gruppierung, gerechtfertigt scheint. Wichtiger ist die singuläre erfolgreiche Ermittlungsarbeit. Es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass ganze gesellschaftliche Gruppen abtauchen.

Zudem sollten sich Politik und Polizei endlich auch der massenhaft organisierten Kriminalität annehmen, die aus Ost-Europa über Mitteleuropa einbricht. Hier gibt es fast nie Razzien, geschweige denn häufig auch keine nennenwerte Ermittlungserfolge. Doch gerade auch das wäre sehr notwendig, denn die Bedrohung für die Bürger ist sehr unmittelbar spürbar in vielen deutschen Städten, aber auch in der Schweiz oder in Österreich. Ob Einbrüche, Diebstähle, Raub, Überfälle – fast immer sind ost-europäische oder süd-europäisches Gangs im Gange. Diese Infos stammen übrigens direkt von den betroffenen Polizeidienststellen. Jede 154. Wohnung wird in Deutschland mittlerweile im Jahr ausgeraubt. Die Ermittlungsquote liegt bei unter zehn Prozent so eine Studie des Versicherungs-Vermittlungsportals geld.de.

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