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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Nasa Embera Chamí

Indigene Gemeinschaft in Kolumbien mit Waffen bedroht und vertrieben

Beitrag im kolumbianischen Fernsehen über die indigenen Gruppe im Land: "Die 208 indigenen Einwohner der Gemeinschaft Embera Katío, die in Cali leben, sind am Dienstagabend für ihr Territorium in der ländlichen Gegend von Pueblo Rico, Risaralda, abgereist. Die Übertragung wurde in fünf Bussen und unter den Bedingungen durchgeführt, um die Betreuung von Kindern mit Tuberkulose sicherzustellen. Die Rückkehr hatten Beamte der Stadtverwaltung von der Sultana del Valle unterstützt, auch der Bürgermeister von Pueblo Rico. (Bild: Sreenshot YouTube-Video Noticias Caracol vom 24. Mai 2018)

AI, Kolumbien – Mehr als 200 Angehörige der indigenen Gemeinschaft Nasa Embera Chamí aus dem Reservat La Delfina im Westen Kolumbiens seien, teilt Amnesty International in einer Urgent Action mit, aus ihren Wohnorten vertrieben worden. Zuvor sei am 8. Juni 2018 ein Anschlag auf einen Bewohner der Gemeinde verübt worden.

Dies zeige einmal mehr, dass die Menschen dort dringend mehr Sicherheitsmaßnahmen und Zugang zu humanitärer Hilfe wie beispielsweise zu Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Unterkünften benötigten.

Weiter berichtet Amnesty, wonach am frühen Morgen des 8. Juni 2018 Herr Gonzalo Hilamo Mesa, Lehrer und Sprecher der indigenen Gemeinschaft, Opfer eines bewaffneten Angriffs geworden sei.

Dabei hätten unbekannte Männer zwei Kugeln auf sein Zuhause abgefeuert. Gonzalo Hilamo Mesa sei zwar glücklicherweise unversehrt geblieben, allerdings habe „die jüngste Attacke ein Gefühl der Angst unter den Angehörigen der Gemeinschaft im Distrikt Buenaventura“ hervorgerufen.

In Scharen hätten diese deshalb die Region verlassen und seien derzeit in der nahegelegenen Schule Institución Educativa Técnico Agropecuaria (NACHASIN) untergebracht. Dies könne jedoch keine Dauerlösung sein, so Amnesty.

Derzeit suchten nach Berichten der „Nationalen Organisation der Indigenen“ (Organización Nacional Indígena – ONIC) rund 80 Frauen, unter ihnen fünf Schwangere, 90 Männer und 80 Kinder in der Schule Schutz. In Summe suchten in dem Schulgebäude derzeit angeblich, so AI, 250 Angehörige der indigenen Gemeinschaft Schutz.

Indigene Kolumbianer brauchen dringend Lebensmittel, Medikamente, Zelte

Die Gruppe an indigenen Kolumbianern, also indianisch-stammenden, benötige aber dringend Lebensmittel, Medizin und Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie eine grundlegende Ausstattung mit Zelten, Decken und Kleidung.

Der Angriff auf Gonzalo Hilamo Mesa sei eine weitere Attacke in einer Reihe von Angriffen, die in den vergangenen Wochen von bewaffneten Gruppen auf Gebiete der indigenen Gemeinschaft Nasa Embera Chamí verübt worden sein sollen.

Am 27. Mai hätte bereits ONIC von den beiden Gemeindemitgliedern Pablo Emilio Dagua und Adriana Montero berichtet, welche nach ihrem Verschwinden am 26. Mai tot aufgefunden worden seien.

Noch immer gebe es keine Informationen über die Todesursache oder die Identität der vermeintlichen TäterInnen. ONIC habe jedoch bekannt gegeben, „dass die Leichen Folterspuren“ aufgewiesen hätten.

Hintergrundinformationen von Amnesty International über die indigenen Gemeinden in Kolumbien:

„Die indigenen Gemeinden, die im Reservat La Delfina ansässig waren, siedelten im Jahr 1952 vom Norden der Provinz Cauca in den Distrikt Buenaventura, der größten Hafenstadt Kolumbiens am Pazifik, um.

Sie waren auf der Suche nach geeignetem Land für Landwirtschaft und auf der Flucht vor der Gewalt in ihren Siedlungsgebieten. 2007 wurde das Reservat offiziell und rechtskräftig unter dem Namen „Resguardo Indigena Nasa Embera Chami La Delfina“ gegründet und umfasst ein Gebiet von 2.706 Hektar. Angehörige der Nasa Kiwe und Embera Chamí aus allen Teilen der Pazifikregion haben sich in diesem Reservat angesiedelt.

Angehörige dieser Gemeinschaft waren außerdem im Jahr 2017 aktiv am Generalstreik in Buenaventura beteiligt. Damals berichtete Amnesty International von Unruhen und hob die exzessive Gewaltanwendung von Angehörigen des Militärs und der Polizei hervor (https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/traenengas-gegen-demonstrierende).

Zwei Hauptprobleme haben zu den Unruhen in Buenaventura geführt: Die Stadt wird einerseits schon seit langem systematisch von staatlichen Stellen vernachlässigt (das führt dazu, dass 80% der Bevölkerung in Armut leben und ihnen der Zugang zu grundlegenden Menschenrechten generell verwehrt wird).

Zum anderen herrscht in der Region ein hohes Gewaltpotential, weil hier mehrere rivalisierende Gruppen ansässig sind, wie z. B. DrogenhändlerInnen, kriminelle Banden und weitere bewaffnete Gruppen, darunter Guerillagruppen.

Vertreibung ist eine der schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen, die im Rahmen eines bewaffneten Konflikts begangen werden können. Laut offiziellen Zahlen, die von der Institution UARIV („Unidad Para la Atención y Reparación Integral a las Víctimas“, also der „Einheit für Umfassende Opferbetreuung und Entschädigung in Kolumbien„) vorgelegt wurden, beläuft sich die Gesamtzahl der registrierten Opfer des bewaffneten Konflikts auf 8.532.636, von denen 7.265.072 Opfer von Vertreibung geworden sind.“

Amnesty fordert Bürger auf an folgende Institution zu schreiben

„Schreiben Sie bitte E-Mails oder Luftpostbriefe mit folgenden Forderungen:

  • Die zuständigen kolumbianischen staatlichen Stellen sollten umgehend eine gründliche und unparteiische Untersuchung des Angriffs auf Gonzalo Hilamo Mesa sowie der Tötung von Pablo Emilia Dagua und Adriana Montero durchführen und alle Verantwortlichen vor Gericht stellen.
  • Die zuständigen staatlichen kolumbianischen Stellen sollen aufgefordert werden „in Absprache mit der indigenen Gemeinschaft“ wirksame und umfassende Schutzmaßnahmen für die Betroffenen“ zu erlassen.
  • Zudem sollten die kolumbianischen Behörden und Regierungsstellen Pläne „zur Verhinderung von Verstößen gegen und für den Schutz der vertriebenen indigenen Gemeinschaften“ ausarbeiten, welche sich an der Resolution 004/2009 des Verfassungsgerichts orientieren sollten.
  • Außerdem sollten die kolumbianischen verantwortlichen Stellen „bitte für eine umfassende Unterstützung mit kultureller Relevanz“ der indigenen Bevölkerung sorgen, „damit das Recht auf Leben, Gesundheit, Nahrung und Unterkunft der Nasa Embera Chamí im Reservat La Delfina in Buenaventura gewährleistet“ werde.

Appelle sind zu richten an

Amnesty International bittet seine Unterstützter Appelle zu richten an:

  • Herrn Präsident Señor Juan Manuel Santos
    Presidente de la República
    Palacio de Nariño
    Carrera 8 No.7-26
    Bogotá, KOLUMBIEN
    (Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident Santos), 
    E-Mail: contacto@presidencia.gov.co
    Twitter: @JuanManSantos

Zudem solle geschrieben werden an die

Generalstaatsanwaltschaft, Herrn Nestor Humberto Martínez Fiscal General de Colombia, Diagonal 22B No. 52-01, Bogotá D.C., KOLUMBIEN
(Anrede: Dear General Prosecutor / Estimado Señor Fiscal / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)

E-Mail: despacho.fiscal@fiscalia.gov.co

Kopien seien zudem zu richten an:

Staatliche Institution UARIV, Yolanda Pinto de Gaviria, Directora de la Unidad de Víctimas, Calle 16 # 6-66. Edificio Avianca Piso 1, Bogotá, KOLUMBIEN

(Anrede: Dear Mrs / Estimada Señora / Sehr geehrte Frau Pinto de Gaviria)

Fax: (0057) 1 4261111

E-Mail: notificaciones.juridicauariv@unidadvictimas.gov.co

Sowie die

Botschaft der Republik Kolumbien

I. E. Frau María Elvira Pombo Holguin

Taubenstr. 23

10117 Berlin

Fax: 030-2639 6125

E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty führt weiter aus:

„Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Spanisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Juli 2018 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

Urging authorities to conduct a prompt, thorough and impartial investigation of the attack to Gonzalo Hilamo Mesa and the killings of Pablo Emilia Dagua and Adriana Montero, and that all those found responsible be brought to justice.

Demanding them to provide effective collective protection measures to this community in consultation with them, implementing plans for the prevention and protection of displaced Indigenous communities, in compliance with Constitutional Court Resolution 004/2009.

Calling the authorities to provide comprehensive assistance with cultural relevance to guarantee the right to life, health, food and shelter of Nasa Embera Chamí reservation in La Delfina, Buenaventura.“



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