Skip to main content
Mittwoch, 12. August 2020

Wegen Land

Kolumbien – Menschenrechtsverteidiger Enrique Cabezas mit Mord bedroht

Bild: pixabay.com | CC0 Creative Commons
Kolumbiens schön gelegene Hauptstadt Bogota.

Amnesty International teilt in einer Urgent Action mit, wonach Enrique Cabezas, der Leiter der „Kollektivs Afro-Kolumbianischer Gemeinschaften“ in Curvaradó im Departamento Chocó im Westen Kolumbiens bedroht werde. Auch Morddrohungen stünden im Raum.

Grund: Er setze sich für die Landrechte einiger kolumbianischen Gemeinden ein. Zudem kämpfe er für das Recht der dort lebenden Menschen sich aus einem seit Jahren bestehenden bewaffneten Konflikt herauszuhalten.

Amnesty International Deutschland (AI Deutschland) teilte mit:

„Am 2. und 3. Dezember (2018) wurde der Menschenrechtsverteidiger Enrique Cabezas zu einem Treffen mit der paramilitärischen Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) gebeten. Die Gruppe wirft ihm vor, Mitglied der Guerilla-Bewegung Ejército de Liberación Nacional (ELN) zu sein. Enrique Cabezas setzt sich besonders für die Landrechte der afro-kolumbianischen Gemeinden im Flussgebiet Curvaradó im Westen Kolumbiens ein sowie für deren Recht, sich aus dem bewaffneten Konflikt herauszuhalten.“ [vgl. 1]

Nach Angaben von Cabezas hätten aber die AGC, also die „Gaitanistische Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens“, unter dem Vorwand der Gesprächsbereitschaft schon mehrere GemeindesprecherInnen eingeladen, um diese dann zu töten.

Ähnlich geht das Diktatoren-Regime in Saudi-Arabien rund um Diktator Salman ibn Abd al-Aziz (arabisch سلمان بن عبد العزيز آل سعود) und sein Sohn Mohammed bin Salman al-Saud mit Regierungskritikern oder unliebsamen Personen um.

Dies zeigte sehr eindringlich der vom Regime im saudischen Konsulat in Istanbul brutal durchgeführten Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, sowie an weiteren Regimekritikern. Wir verweisen an dieser Stelle auf den Artikel „Schurkenstaat Saudi-Arabien soll weitere Kritiker ermordet haben – und zwar Prinzen„.

Bislang seien, lässt sich der Amnesty-Mitteilung entnehmen, rund 100 zum Teil bewaffnete Mitglieder der „Gaitanistische Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens“ in folgende kolumbianische Gebiete eingedrungen: CurvaradóJiguamiandó sowie in das Indigenengebiet Alto Guayabal .

  • Das kolumbianische Innenministerium habe daraufhin mehrere Behörden angewiesen, sich am 4. Dezember 2018 an der Vertreibung der paramilitärischen ungebetenen Eindringlinge zu beteiligen.
  • So solle auch den Entscheidungen des Verfassungsgerichts nachgekommen werden.
  • Wobei die Gerichtsurteile in Kolumbien unter den Aktenzeichen „T – 025 (2004), A-045 und A- 299 (2012)“ liefen.

Die gerichtlichen Beschlüsse schützten die Rechte von Binnenvertriebenen und regelten den Prozess der Landrückgabe an die Gemeinden Curvaradó und Jiguamiandó, nachdem deren Einwohner Ende der 1990er Jahre vertrieben worden seien.

AI schreibt weiter: „In den Tagen vor der geplanten Räumung, am 23. November (2018), erhielten jedoch einige der einberufenen Behörden und Enrique Cabezas Morddrohungen, so dass die Räumung nicht stattfand.“

In der Nähe der genannten Gebiete hätten sich zudem Mitglieder der ELN aufgehalten, also der „Ejército de Liberación Nacional„. Dabei handelt es sich um eine 1964 gegründete marxistisch orientierte Guerilla-Bewegung in Kolumbien. In Bolivien habe, führt Wikipedia aus, eine Guerillagruppe mit dem gleichen Namen existiert. [2]

Enrique Cabezas befürchte nun eine mögliche Konfrontationen zwischen den beiden bewaffneten Gruppen, welche sich negativ auf die afro-kolumbianischen und indigenen Gruppen auswirken könnten.

Hintergrundinformationen

In den vergangenen Jahren seien, berichtet Amnesty International Deutschland weiter, viele der indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften auf Grund einer  Vertreibung durch paramilitärische Kräfte und Sicherheitskräfte Ende der 1990er Jahre geflohen.

Jedoch seien die damals Vertriebenen in den vergangenen Jahren in die Gebiete Curvaradó und Jiguamiandó zurückgekehrt.

Sie befänden sich nun in einem Prozess ihr angestammtes Territorium offiziell zurückzuerhalten, von dem manche Zonen aber seit 2005 wieder von paramilitärischen Gruppen besetzt seien.

  • Seitdem hätten die Gemeinschaften versucht, ihr Territorium zu verteidigen und die Expansion illegaler Palmölplantagen und anderer wirtschaftlicher Aktivitäten in ihrem Territorium zu stoppen.

Infolgedessen seien jedoch viele Angehörige der Gemeinschaften bedroht oder ermordet worden. Trotz wiederholter Anordnungen des Verfassungsgerichts sei das Land nicht wieder endgültig an die Gemeinden zurückgegeben worden.

Im April 2006 habe Kolumbien die erste von mehreren verschiedenen „Humanitären Zonen“ eingerichtet. Diese seien klar gekennzeichnete Gebiete, deren Bewohner in Frieden leben wollten.

Die staatlich eingerichteten Zonen böten einen gewissen Schutz, so Amnesty International, und vermittelten den Konfliktparteien die Botschaft, wonach die Rechte der Zivilbevölkerung geachtet werden sollten. Darunter eben auch das Recht, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Appelle

Deshalb sollten nun, so AI, engagierte Bürger Briefe, Mails oder Faxe senden an Verantwortliche:

Präsident Iván Duque, Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No.7-26, Bogotá, KOLUMBIEN (Anrede: Dear President/ Excmo. Sr. Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident). E-Mail: contacto@presidencia.gov.co. Twitter: @IvanDuque

Zudem an die Innenministerin Nancy Patricia GutiérrezMinistra del Interior, Calle 12 B No. 8 – 46, Bogotá D.C., KOLUMBIEN (Anrede: Dear Minister / Estimada Señora Ministra / Sehr geehrter Frau Ministerin). E-Mail: servicioalciudadano@mininterior.gov.co

Außerdem solle man Kopien senden an:

Die kirchliche Organisation Comisión Justicia y Paz, Carrera 37A Núm. 25B-42 , Bogotá D. C., KOLUMBIEN. Fax: (00 57) 1 2687179

Sowie die Botschaft der Republik Kolumbien: I. E. Frau María Elvira Pombo Holguin, Taubenstr. 23, 10117 Berlin. Fax: 030-2639 6125, E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

AI führt dazu aus:

„Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Spanisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Januar 2019 keine Appelle mehr zu verschicken.“

Einzelnachweise

[1] Menschenrechtsverteidiger bedroht, Urgent Action, Amnesty International Deutschland vom 6. Dezember 2018. Abgerufen am 8. Dezember 2018. 

[2] Ejército de Liberación Nacional, In: Wikipedia Deutschland.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Samstag, 01. August 2020

Anti-Korruptions Demonstrationen

Amnesty International fordert Palästinensische Aktivisten müssen von Behörden in Ramallah freigelassen werden.

Am 19. Juli 2020 nahmen die im Westjordanland stationierten palästinensischen Streitkräfte in der Stadt Ramallah 19 Aktivisten fest, die friedlich gegen die Korruption im Land protestierten. Dies teilte nun Amnesty International Deutschland mit und schreibt: „Während drei von ihnen wieder freigelassen wurden, wurden 16 angeklagt, zehn von ihnen befinden sich weiterhin in Haft“. Alle zehn Palästinenser sind aus Protest gegen […]

Montag, 29. Juni 2020

Türkei

Urlaub für 32 Euro im 5-Sterne Hotel mit Corona Prüfsiegel des TÜV sowie Nebenwirkungen

Zahlreiche Reise-Start-Ups stehen wegen der Corona-Krise mit dem Rücken zur Wand, vielen droht der Ruin – auch unter den großen Reiseanbietern. Nach wie vor sehr günstig ist die Türkei. Doch das hat seine Schattenseiten. Denn Millionen Bürger aus Europa meiden seit Jahren die Türkei als Tourismusgebiet, da willkürliche Verhaftungen drohen. Vor allem wenn jemand in Social Media seine Sympathien mit […]

Freitag, 03. April 2020

Ältester Überlebender

104-jähriger Weltkriegsveteran erholt sich von Corona COVID-19

Ein Licht in so dunklen Zeiten und natürlich aus dem Land der unendlichen Möglichkeiten nach oben wie nach unten: Aus den USA. Mehrere US-Medien berichten, wonach ein U.S.-Amerikaner aus dem U.S.-Bundesstaat Oregon nun seinen 104. Geburtstag gefeiert habe – mit Mundschutz natürlich. Zuvor sei er aber an Corona erkrankt, also COVID-19. Davon habe sich der rüstige Rentner, der in einem […]

Montag, 30. März 2020

Vom Wahnsinn & Co

Gewinner Coronakrise: Ganz klar China, der Westen durchgeht Katharsis

Kommentar – Die Corona-Krise im Westen wird wahrscheinlich Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten und Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Unternehmen, darunter viele Einzelunternehmen, Mittelständler oder Konzerne in den Konkurs treiben. Doch es gibt auch Gewinner der Krise: Käufer billiger Aktien und billiger Bitcoins beispielsweise oder Besitzer von Immobilien, welche die Nerven behalten. Ein großer Gewinner dürfte ebenso China sein, möglicherweise zudem […]

Samstag, 14. März 2020

Grenzgänger & Sonstige

Wie irre ist Jens Spahn? Er will halbe Millionen Deutsche in Schweiz in Quarantäne schicken

Kommentar: Wie irre ist Jens Spahn? Bislang ist Deutschlands Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) in der Corona-Krise nicht durch allzu viele sinnvolle Aktionen aufgefallen. An den Flughäfen gibt es kein kostenloses Desinfektionsmittel, auch keine Infostände. Selbst Argentinien hat das. Nicht so in Deutschland: Hier durfte die Lufthansa noch bis Mitte Februar 2020 Tausende Menschen von China nach Deutschland fliegen und zurück. Einflugsperren […]

Samstag, 14. März 2020

Russland Grenze

Gemeinsame Erklärung zum NATO-Manöver «Defender 2020»

Uns erreichte am Wochenende die folgende Mitteilung, die sich gegen NATO-Manöver an der russischen Grenze wendet: «Mit großer Sorge» sähen «zivilgesellschaftliche Organisationen und Personen, die sich im demokratischen Sinn als außerparlamentarische Opposition in Deutschland» verstünden, «die großen militärischen Mobilmachungen zu einem Militärmanöver mit dem irreführenden Namen ‘Defender Europe 2020’ an der Grenze zu Russland». Dieses Manöver sei «nach unserer Ansicht […]

Translate »