Skip to main content
Samstag, 22. Juni 2019

Prozess, Alfamir Castillo

Schüsse auf Aktivistin in Kolumbien wegen Armee-Mordvorwürfen

Bild: pixabay.com | Pixabay License. Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig.
Seit 40 Jahren tobt in Kolumbien ein erbitteter Bürgerkrieg. Hier die Stadt Cartagena De Indias.

Am 11. Januar 2019 hätten zwei Unbekannte in der Gemeinde Pradera im Süden von Kolumbien auf das Auto der Aktivistin Alfamir Castillo geschossen. Der Täter habe von einem Motorrad aus geschossen. Das berichtet nun Amnesty International Deutschland. Das Anschlags-Opfer sei in Begleitung ihres Mannes und zweier LeibwächterInnen gewesen, welche von der „Behörde für Schutzmaßnahmen“, der „Unidad Nacional de Protección“ gestellt würden.

Doch trotz der Schüsse sei die Aktivistin Alfamir Castillo unverletzt geblieben, ebenso ihre Begleiter, so AI. Alfamir Castillo werde „seit Jahren immer wieder bedroht und angegriffen, weil sie Gerechtigkeit für den Tod ihres Sohnes“ fordere.

Darbey (Davey) Mosquera Castillo sei 2008 „von Angehörigen der kolumbianischen Armee außergerichtlich hingerichtet“ worden, so Amnesty International in einer aktuellen Urgent Action-Mitteilung.

Die außergerichtliche Hinrichtung sei Teil des sogenannten „Falsos Positivos“-Skandals gewesen, bei dem Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte rechtswidrig Zivilpersonen getötet hätten, „um Belohnungen zu erhalten“.

Sieben Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte seien wegen dieser außergerichtlichen Hinrichtungen mittlerweile zu mehr als 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Alfamir Castillo habe am 10. und 11. Januar 2019, kurz vor dem Anschlag, zwei Morddrohungen erhalten. Darin habe man ihr gedroht, dass die Schutzmaßnahmen sie nicht schützen würden.

Auch einige Monate zuvor, am 15. Oktober 2018, habe Castillo eine Morddrohung auf ihrem Telefon erhalten, schreibt Amnesty International. Die Aktivistin ist aber nur eine von Tausenden Menschen, die täglich um ihr Leben in Kolumbien fürchten müssen.

Hintergrund

Alfamir Castillos Sohn Darbey Mosquera Castillo wurde am 8. Februar 2008 von Angehörigen des 57. Bataillons zur Guerillabekämpfung „Martíres de Puerres“ der „VIII. Brigade der kolumbianischen Streitkräfte“ ermordet.

Diese außergerichtliche Hinrichtung sei, so AI, Teil des sogenannten „Falsos Positivos“-Skandals gewesen, bei dem Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte rechtswidrig Zivilpersonen getötet hätten.

Man habe die Ermordeten als „im Kampf getötete GuerillakämpferInnen“ ausgeben wollen und Belohnungen und Vergünstigungen dafür erhalten wollen.

Im Laufe des mehr als vier Jahrzehnte währenden bewaffneten Konflikts in Kolumbien hätten, berichtet Amnesty weiter, Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte systematisch zahlreiche außergerichtliche Hinrichtungen vorgenommen.

Das Vorgehen der Sicherheitskräfte sei Teil der kolumbianischen Regierungsstrategie gewesen, deren Ziel die Bekämpfung von Aufständen gewesen sei.

  • Die Generalstaatsanwaltschaft Kolumbiens untersuche immer noch mehr als 2.000 Fälle außergerichtlicher Hinrichtungen, für welche die Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht würden, so AI weiter.

Erst im Oktober 2012 habe die Interamerikanische Menschenrechtskommission beispielsweise Alfamir Castillo Schutzmaßnahmen gewährt, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Mehr unter YouTube:

Appelle an

Amnesty fordert seine Unterstützter und Unterstützerinnen auf, an folgende Institutionen freundliche aber bestimmte Briefe zu schreiben an:

Generalstaatsanwalt

Sr. Nestor Humberto Martínez

Fiscal General de la Nación

Diagonal 22B No. 52-01

Bogotá, D.C., KOLUMBIEN

(Anrede: Estimado Sr. Fiscal General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt / Dear Attorney General)

E-Mail: contacto@fiscalia.gov.co

denuncie@fiscalia.gov.co

despacho.fiscal@fiscalia.gov.co

KOPIEN AN

Botschaft der Republik Kolumbien

S.E. Herrn Hans-Peter Knudsen

Taubenstr. 23

10117 Berlin

Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Appelle sollten möglichst sofort geschrieben werden, so Amnesty International. Man solle in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch schreiben. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren könnten, bitte man, nach dem 26. Februar 2019 keine Appelle mehr zu verschicken.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]

Donnerstag, 06. Juni 2019

D-Day

Winston Churchills Buch The Second World War: Zwischen Wahrheit und verdrehten News oder warum der Brexit so gefährlich ist

In der Normandie, im Norden Frankreichs, kamen am Donnerstagvormittag den 6. Juni 2019 Hunderte geladene Besucher gemeinsam mit rund 10 britischen Veteranen zusammen. Man gedachte den schrecklichen Ereignissen am 6. Juni 1944, die man damals als „Operation Neptune“ oder auch „Operation Overlord“ bezeichnete. Damals, vor 75 Jahren, waren an einem einzigen Tag weit über 100.000 Soldaten in einem brutalen Krieg […]

Mittwoch, 15. Mai 2019

Zündeln

Iran-Krise um angebliche Drohnenangriffe und die Lügenkriege

Kommentar – Es ist immer das gleiche: Wenn eine Nation gegen eine andere mit kriegerischen Aggressionen auf Grund politischer Dissonanzen vorgehen möchte, beginnt als erstes der PR-Lügenkrieg. Damit möchte man die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen. Das war im Zweiten Weltkrieg so, als Polen und Großbritannien den deutschen Diktator Adolf Hitler bewusst über die Danzig-Frage 1939 monatelang provozierten. Und damit […]

Mittwoch, 01. Mai 2019

Interessengemeinschaft Schiessen Schweiz will am 19. Mai gegen Verschärfung des Waffenrechts entsprechend EU-Vorgaben stimmen

Auch wenn es in der EU zahlreiche Gegner von Waffen in privaten Händen gibt: In der Schweiz wollen am 19. Mai in einer Volksabstimmung zahlreiche Bürger nach wie vor für ihr Waffenrecht stimmen. Dabei gibt es aber hitzige Diskussionen ob das alte Waffenrecht erhalten bleiben soll oder ob es entsprechend des Schengener Euro-Abkommens überarbeitet, also verschärft werden soll. Die Anhänger […]

Sonntag, 28. April 2019

Todesfall UKE Hamburg + Wollte Ärztin Psychopharmaka mit Gewalt in den Mund stopfen lassen?

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versinkt in einem Skandal. Wie die linksalternative Tageszeitung taz berichtet, habe sich ein unglaublicher Vorfall an der „Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf“ mit Todesfolge eines Patienten ereignet.[i] Für die psychiatrische Klinik des UKE verantwortlich wird auf der Homepage des UKE Klinikdirektor Univ-Prof. Dr. Jürgen Gallinat genannt.[ii] Der Arzt lässt sich auch auf der […]

Freitag, 26. April 2019

Trauer

Asylsuchende aus Pakistan und Afghanistan werden in Sri Lanka wegen Terroranschlägen von verzweifelten Christen bedroht

Kommentar – Nach den Terroranschlägen von Sri Lanka, denen am höchsten Fest der Christen, dem Ostersonntag, rund 250 bis 300 Menschen zum Opfer fielen, kommen weitere Details ans Tageslicht. Alleine in der christlichen Kirche St. Sebastians in der Katuwapitiya Straße im sri-lankischen Städtchen Negombo[i] sollen 93 betende Christen von den Terroristen massakriert worden sein. Unter den in der alten Kirche […]