Skip to main content
Samstag, 24. Oktober 2020

Gewalt in Ägypten und Mursi in Berlin: Schwieriger Weg zur Demokratie

Ägyptens Präsident, Dr. Mohammed Mursi, besucht heute die deutsche Hauptstadt Berlin. Auf Grund der anhaltenden Krawalle wolle er jedoch seinen Besuch auf wenige Stunden verkürzen, wird berichtet. Die gewalttätigen Ausschreitungen in Ägypten beruhen vor allem auf einem drastischen Gerichtsurteil, das 20 junge Ägypter, die sich an gewalttätigen Ausschreitungen in einem Fußballstadion beteiligt hatten, zu Tode verurteilt hatte. Das empfinden viele Ägypter als völlig überzogen und mit demokratischen Grundwerten nicht vereinbar.

Auch wenn in der Berliner Bundesregierung und im Bundestag derzeit gerne kräftig Stimmung gegen Ägyptens Präsident Mursi gemacht wird, so wird eines doch vergessen: Ägypten befindet sich in einem langwierigen schwierigen Prozess der Demokratiebildung. Sowohl die staatlichen Institutionen als auch die Bürger müssen erst noch vieles lernen. Forderungen, man müsse Mursi nun „den Marsch blasen“ oder ihm klar eine „Gelbe Karte“ zeigen sind letztlich einfach albern. Das können nur Politiker fordern, die entweder populistisch sind oder schlicht nie in einem arabischen Land waren.

Denn eines muss man Mursi zugestehen: Seine neue ägyptische Verfassung legt zwar den Islam als Staatsdogma fest – was sicherlich problematisch ist, da in Demokratien nach europäischem Vorbild die Trennung zwischen Religion und Staatsmacht gilt – doch muss eines auch gesagt werden: Die neue Verfassung ist besser als ihr Ruf: Sie sichert eindeutig die Demokratie und verbietet Angriffe gegen sie. Sie schützt die Frauen ebenso wie andersgläubige – namentlich Christen oder Juden. Zudem wird Müttern generell eine kostenlose Gesundheitsbehandlung zugesichert und der Analphabetismus soll abgeschafft werden (Übersetzung Verfassung durch kriegsberichterstattung.com).

Mursi ist nicht der Alleinschuldige

Auch sollte nicht vergessen werden: Die derzeitigen gewalttätigen Ausschreitungen konzentrieren sich vor allem auf Kairo. Dort sind hunderttausende junger Menschen arbeitslos. Für sie ist der Protest gegen die Staatsmacht eine Entfesselung von jahrzehntelang verbotener Auflehnung. Man sollte deshalb selbst die Gewalt im Land als integralen Bestandteil der Demokratiebewegung sehen und nicht als das Ende. So wie die Gerichte und Politiker lernen müssen, die Verhältnismäßigkeit in ihren Handlungen zu finden, müssen das auch die Demonstranten.

Derzeit führen die Ausschreitungen vor allem zu einem weiteren Rückgang der so dringend und verzweifelt benötigten Touristen. Der Tourismus trägt zu rund 25 Prozent zum Staatshaushalt bei – wenn hier die Einnahmen fehlen, hat der Staat keine Finanzmittel um Bildung und Demokratie weiter zu entwickeln.

Auch wenn viele Mursi die Schuld an den Zuständen im Land geben, so muss man doch sagen: Den Job den er derzeit innehat, ist eine äußerst schwierige Aufgabe und Herausforderung und es darf bezweifelt werden, dass ein anderer das derzeit alles besser hätte bewältigen können. Deshalb sollte man mit Kritik an Mursi auf seinem Berlin-Besuch sich etwas zurückhalten und eher nach Lösungsansätzen suchen, die die Grundprobleme des Landes helfen zu beseitigen: Zu wenig ausgebildetes staatliches Personal in der Justiz, der Exekutive und Legislative. Zu wenige qualitativ hochwertige Schulen, zu wenig Ehrgeiz auch unter vielen jungen Menschen. So gibt es immer noch zahlreiche junge Taxifahrer in Kairo, die zwar mit Touristen Geld verdienen möchten, aber noch nicht einmal das Wort Pyramide kennen – und deshalb auch kein Geschäft mit ihnen machen.



Kommentare (1)


Abu Deen 30. Januar 2013 um 22:02

Sehr guter Artikel. Mann muss schon lange suchen um so eine Art Bericht zu finden.
Mann merkt immer wieder das der islam das Problem ist, auch wenn es keiner ist.
Die wollen den islam nicht. Die Angst vor sheria und Kalifat ist zu groß. Denn da musste man die macht an den islam abgeben. 1,5 Milliarden Muslime, wo ihre rechte durch das Kalifat geschützt werden, können einiges in Bewegung setzten.
Demokratie oder andere Ideologien, den Baum bewertet man nach seinem Früchten. Egal wie man es nennt es ist immer das gleiche. Menschen Herschen über Menschen.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Sonntag, 18. Oktober 2020

Covid 19

Wir sind an der Seite der Corona Shutdown Gegner – Freiheit größer als das Virus

Kommentar – Die Schweizer sind nicht gerade für Rambazamba bekannt. Viele leben in ihrem lokalen Wohlstand. Die Altersvorsorge klappt mit dem Dreisäulenprinzip besser als in Deutschland und vielen anderen EU-Staaten. Das Arbeitslosengeld ist in der Schweiz erheblich höher – maximal 400 Franken brutto pro Tag und bis zu maximal 21,7 Arbeitstage-Geldern pro Monat. Doch ein drohender zweiter Lockdown wegen Corona […]

Dienstag, 13. Oktober 2020

"Menschliche Tiere"-Aktion

Autobahn A3: Umweltaktivisten-Terror um „Wald statt Asphalt“ verursacht fast tödlichen Unfall

Kommentar – Unter dem angeblichen Einsatz für die Umwelt besetzen sogenannte Umweltaktivisten in Europa Parlamente, Banken, blockieren illegal Straßen und jetzt haben linksradikale selbsternannte „Umweltaktivisten“ in Deutschland auch noch fast ein Menschenleben auf dem Gewissen. Zumindest schaut es derzeit nach Medienberichten danach aus. So hatten Anarchisten, die glauben, für sie gelte offensichtlich das Recht nicht, sich irrerweise von einer Autobahnbrücke […]

Donnerstag, 24. September 2020

Diktaturen

Bahrain lässt Jugendliche nach acht Jahren Haft frei

Auch wenn viele einen Friedensvertrag zwischen Israel und Bahrain feiern, eingetütet durch U.S.-Präsident Donald Trump, so bleibt doch festzuhalten: Bahrain ist ein diktatorisches Regime. Das zeigt sich einmal mehr an einer Meldung von Amnesty International Deutschland (AI). So teilte Amnesty mit: Am 23 Mai 2020 sei Ebrahim Ahmed Radi al-Moqudad (15 Jahre bei der Festnahme im Jahr 2012; heute also […]

Samstag, 01. August 2020

Anti-Korruptions Demonstrationen

Amnesty International fordert Palästinensische Aktivisten müssen von Behörden in Ramallah freigelassen werden.

Am 19. Juli 2020 nahmen die im Westjordanland stationierten palästinensischen Streitkräfte in der Stadt Ramallah 19 Aktivisten fest, die friedlich gegen die Korruption im Land protestierten. Dies teilte nun Amnesty International Deutschland mit und schreibt: „Während drei von ihnen wieder freigelassen wurden, wurden 16 angeklagt, zehn von ihnen befinden sich weiterhin in Haft“. Alle zehn Palästinenser sind aus Protest gegen […]

Montag, 30. März 2020

Vom Wahnsinn & Co

Gewinner Coronakrise: Ganz klar China, der Westen durchgeht Katharsis

Kommentar – Die Corona-Krise im Westen wird wahrscheinlich Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten und Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Unternehmen, darunter viele Einzelunternehmen, Mittelständler oder Konzerne in den Konkurs treiben. Doch es gibt auch Gewinner der Krise: Käufer billiger Aktien und billiger Bitcoins beispielsweise oder Besitzer von Immobilien, welche die Nerven behalten. Ein großer Gewinner dürfte ebenso China sein, möglicherweise zudem […]

Samstag, 14. März 2020

Argentinien nimmt deutsche Urlauber in Zwangs Quarantäne wegen Corona Virus | Einreiseverbot für Deutsche in Bolivien

So hatte sich ein Berliner seinen 14-tätigen Urlaub in Argentinien nicht vorgestellt: Als er vor zwei Tagen von Argentinien nach Deutschland zurückfliegen wollte, hatte er erfahren, dass seine Airline kurzfristig den Flug gestrichen hatte. Doch nicht nur das. In einer Mail an Freunde schreibt er am Freitag den 13. März: So sei sein Rückflug von Argentinien nach Deutschland kurzfristig gestrichen […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »