Skip to main content
Mittwoch, 05. Oktober 2022

Terroranschläge Boston: Blutige Festnahme zweiter Tatverdächtiger in Boot

Der 19-Jährige Tatverdächtige der Bostoner Terroranschläge ist in einem Bostoner Wohnort – und zwar in Watertown – in den USA festgenommen worden. Er lag blutüberströmt – durch Schusswunden der Bostoner Polizei – in einem Boot. Obwohl die Bostoner Polizei wie zu Kriegszeiten eine Ausgehsperre für alle Bürger verhängt hatte, war ein Anwohner dennoch vor sein Haus gegangen, wo er anschließend den Teenager gefunden habe. Derzeit kämpfen Ärzte in einem Krankenhaus um das Leben des 19-Jährigen.

Die Festnahme geschah circa 20.45 amerikanischer Zeit – also circa gegen 3 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit. Derzeit gilt immer noch, dass es sich um einen Tatverdächtigen handelt. Schlimm ist, dass zahlreiche Medien weltweit, selbst so angesehene Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung, in ihrem Onlineauftritt bereits vom „Täter“ schrieb, obgleich es Usus in der europäischen Berichterstattung rund um Strafverfahren ist, dass so lange jemand ein Verdächtiger ist, bis ein Gericht das Gegenteil geurteilt hat. Auch das deutsche Boulevardportal stern.de hatte bereits von den „Terrorbrüdern“ geschrieben.

Der gleiche Skandal ist, dass die Massenmedien – ebenfalls entgegen den Gepflogenheiten – bereits den vollen Namen des Tatverdächtigen nennen und ihn damit in einem unermesslichen Ausmaß bereits vorverurteilen. Auch hier schreckte beispielsweise die Neue Zürcher Zeitung ebenfalls in ihrem Online-Beitrag nicht zurück, den kompletten Namen des 19-Jährigen zu veröffentlichten, und nicht erst einmal die Abkürzung – nämlich Dschochar Z.

Dieses ist umso unakzeptabler, als dass es bis jetzt immer noch keine überzeugende Beweise dafür gibt, dass die beiden jungen osteuropäischen Brüder, die seit rund zehn Jahren in den USA leben, tatsächlich auch die Täter der Terroranschläge, beziehungsweise Bombenanschläge auf dem Boston Marathon waren.

Der Festnahme des 19-Jährigen war nach dem Hinweis des Nachbarn ein Hubschrauberflug mit einer Rotlichtkamera vorausgegangen. Hier hatte die Besatzung bestätigt, wonach sich in einem kleinen Boot auf einem See eine Person versteckt hielt. Anschließend habe man mit Hilfe eines Roboters den Schwerverletzten festnehmen können, teilte das FBI mit.

Insgesamt 9000 Sicherheitsbeamte waren in dem Großeinsatz – den einige auch für übertrieben angesehen haben – im Einsatz. Neben einer – ebenfalls überzogenen – Ausgangssperre, galt sogar ein Flugverbot über Boston. Solch drastischen polizeistaatlichen Maßnahmen gibt es weltweit wirklich nur in den USA. Das Land zeigt einmal mehr seine Unfähigkeit mit Krisen umzugehen.

Dazu passt auch, dass die Medien schon vor einer eingehenden Untersuchung und Beweisaufnahme, doch allen Ernstes bereits die Bundesanwältin von Massachusetts befragt hatten, ob der 19-Jährige nun per Todesstrafe standrechtlich hingerichtet werde. Derzeit deutet sich an, dass die USA in dem Prozess gegen den 19-Jährigen wieder einmal selbst eine Terror-Nation werden: So deutet sich an, man werde für das Verfahren eine Sonderklausel anwenden in dem beispielsweise das Recht auf Aussageverweigerung verboten werde.

Dabei fragen sich viele: Heißt das einmal mehr, dass die USA wieder die Folternation gegenüber Gefangenen werden? Erst vor wenigen Tagen hatte eine US-Kommission in einem fast 600 Seiten Bericht umfassenden Report die USA genau für solche Praktiken nach 9/11 öffentlich scharf kritisiert.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Freitag, 12. August 2022

Krieg

Amnesty International nimmt Stellung zur ukrainischen Armee in Zivilgebieten und der AI Pressemeldung dazu

Freitagabend erreichte uns auf eine Mail von Amnesty International, Sektion Deutschland. Darin heißt es: Viele von euch haben vermutlich aus den Medien von den vielfach sehr kritischen Reaktionen auf unsere Pressemitteilung vom 4. August 2022 zu Völkerrechtsverstößen durch die ukrainische Armee erfahren.“ Weiter führt AI aus: Man wollte die Pressemeldung im Folgenden einordnen.  So könne man „den Schmerz, die Wut […]

Dienstag, 09. August 2022

Angriffskrieg

Anzahl Tote im Krieg in der Ukraine in ersten fünf Monaten

Von Tag zu Tag steigt die Anzahl der auf ukrainischer und russischer Seite getöteten Menschen, Soldaten, Zivilisten im von Russland durchgeführten Angriffskrieg auf die Ukraine. Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) seien seit Beginn des Krieges in der Ukraine vor rund einem halben Jahr bis zum 31. Juli 2022 (24. Februar bis 31. Juli 2022) mindestens 5.327 Todesopfer alleine […]

Sonntag, 24. April 2022

Fake News, aber schöne

Ukraines Präsident Zelensky ‚covers‘ Endless love Song mit Ehefrau Olena Selenska

Er war zu schön, um wahr zu sein: Der Song „Endless love“, angeblich in einer Cover-Version von Ukraines Präsident Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj, in Mitteleuropa bekannt als Wolodimir Selenski, beziehungsweise Volodymyr Zelensky soll mit seiner Ehefrau, der Sängerin Olena Selenska, den wunderbaren Liebessong „Endless love“ gecovert haben. Man nahm natürlich an, dass der Song schon vor Jahren von ihm gecovert wurde. […]

Freitag, 04. März 2022

Kriege & Lügen

Flugverbotszone NATO in Ukraine hieß 26.000 Bombenangriffe der NATO auf Libyen

Kommentar – War da was? Flugverbotszone? Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja: Wir erinnern uns an das Jahr 2011 zurück. Damals stellte der Westen mit seinem „Verteidigungsbündnis“ vor dem UN-Sicherheitsrat schon einmal einen Antrag eine angebliche „Flugverbotszone“ einrichten zu wollen. Nur nicht über der Ukraine, sondern in Libyen. Man überzeugte damals, vor zehn Jahren, den UN-Sicherheitsrat, also auch Russland und […]

Dienstag, 01. März 2022

Krieg

Amnesty International kritisiert russische Invasion der Ukraine scharf: Menschenrechte und Menschenleben gefährdet

Die weltweit tätige Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert scharf den Angriffskrieg des Putin-Regimes, das seit gut 20 Russland regiert. So schreibt Amnesty International: Nachdem Russland begonnen habe, „die gesamte Ukraine anzugreifen“ rufe die größte Menschenrechtsorganisation der Welt „zur unbedingten Einhaltung der internationalen Menschenrechtsnormen und des humanitären Völkerrechts auf“. „Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Nach wochenlanger Eskalation hat eine russische Invasion […]

Dienstag, 01. März 2022

Trumpf

Nicola Leibinger-Kammüller zur Ukraine Krise: „allzu oft beiseite geschaut“

Die schwäbische Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller hat auf ihrem LinkedIn-Kanal sich zur aktuellen Ukraine-Krise geäußert. Wir geben ihre mahnende und weitblickende Stellungnahme ungekürzt zur Kenntnis: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei TRUMPF wir alle sehen an den Bildschirmen seit letzter Woche dramatische Bilder aus dem Osten Europas. Panzer und schwere Artillerie rollen auf den Straßen. Autoschlangen mit Zivilisten bewegen sich aus der […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »