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Samstag, 24. Oktober 2020

Streik Lufthansa: Reiseterror Bodenpersonal kostet 1.700 Flüge

Einige nennen es Streik oder Warnstreik, doch viele Reisende empfinden das gefühlt oder real jährlich sich wiederholende Ritual des Flugboden-Personals auch anders: Und zwar als „Terror“ auf Kosten der Reisenden. Denn ab Montag spüren die Millionen Flugreisenden einmal mehr die Konsequenzen des sogenannten Verdi-Warnstreiks des Bodenpersonals der Lufthansa rund um den Globus. Das Lufthansa-Management streicht in der Not Montag rund 1.700 Flüge, nur rund 30 sollen stattfinden. Selbst Lufthansa-Mitarbeiter sind mittlerweile wütend auf den „jährlichen Terror, der hier vom Bodenpersonal oder welcher Gewerkschaft auch immer, mal wieder den Reisenden zugemutet wird“.

Das Bodenpersonal an Flughäfen sucht sich traditionell – wie auch einige andere Gewerkschaften in der Luftfahrtindustrie – besonders gerne den Montag, Freitag oder die Familienferien zum Streiken. Über den Hebel von Kindern und Pendlern möchte man dem Lufthansa-Management den größtmöglichen Schaden zufügen. Man erhofft sich davon Vorteile in den Verhandlungsrunden.

Die permanenten Streikwellen sind für die Lufthansa Gift. So kämpft die Airline seit gut vier Jahren mit zahlreichen nicht hausgemachten Problemen, die von außen an sie herangetragen werden. Dazu gehört zum Beispiel die seit gut drei Jahren vom Staat zusätzlich erhobene sogenannte Luftverkehrssteuer. Die Bundesregierung aus CDU und FDP hatte den deutschen Fluglinien – vor allem der Lufthansa sowie Air Berlin – fast eine Milliarde Euro mehr an Steuern jährlich mit der Luftverkehrsabgabe vor drei Jahren aufgezwungen.

Auch die um gut 40 Prozent gegenüber 2010 gestiegenen Kerosinpreisen gehören dazu. Mächtig unter Druck kommen sowohl die Lufthansa wie auch Air Berlin zudem auf Grund der zunehmenden Fluglinien-Konkurrenz aus dem Nahen Osten.

Deshalb sind Streiks – ob vom Bodenpersonal, dem Kabinenpersonal oder den Piloten – in der jetzigen schwierigen Phase Gift. Das gilt nicht nur für die Lufthansa oder Air Berlin selber, sondern letztlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fluglinien.

Denn wenn das so weiter geht, werden die Fluglinien gar nicht anders können, als weiter Personal abzubauen, Strecken einzustellen und – ähnlich der kürzlich verkündeten Kooperation zwischen Emirates und Qantas – mit anderen Airlines noch stärker zusammenzuarbeiten. Wenn es irgendwann immer weniger Jobs gibt, dann gibt es auch immer weniger Streiks. Auch sollte nicht vergessen werden: Je mehr Streiks, desto größer der Druck auf die Airlines und Flughäfen noch mehr zu automatisieren.

Falls Verdi mit seinen dauernden Flughafenstreiks auf Verständnis der Reisenden hofft, scheint sich Verdi da etwas zu verkalkulieren. Dass eine Gewerkschaft für Arbeitnehmer Verbesserungen erreichen muss, ist verständlich und das ist ihr Job. Nur sollt man sich sehr genau anschauen, in welcher Phase ein Streik sowohl einem Unternehmen wie auch den sonstigen Betroffenen zumutbar erscheint. Dieser Zeitpunkt jetzt ist denkbar schlecht gewählt.



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