Skip to main content
Sonntag, 16. September 2018

Streik Lufthansa: Reiseterror Bodenpersonal kostet 1.700 Flüge

Einige nennen es Streik oder Warnstreik, doch viele Reisende empfinden das gefühlt oder real jährlich sich wiederholende Ritual des Flugboden-Personals auch anders: Und zwar als „Terror“ auf Kosten der Reisenden. Denn ab Montag spüren die Millionen Flugreisenden einmal mehr die Konsequenzen des sogenannten Verdi-Warnstreiks des Bodenpersonals der Lufthansa rund um den Globus. Das Lufthansa-Management streicht in der Not Montag rund 1.700 Flüge, nur rund 30 sollen stattfinden. Selbst Lufthansa-Mitarbeiter sind mittlerweile wütend auf den „jährlichen Terror, der hier vom Bodenpersonal oder welcher Gewerkschaft auch immer, mal wieder den Reisenden zugemutet wird“.

Das Bodenpersonal an Flughäfen sucht sich traditionell – wie auch einige andere Gewerkschaften in der Luftfahrtindustrie – besonders gerne den Montag, Freitag oder die Familienferien zum Streiken. Über den Hebel von Kindern und Pendlern möchte man dem Lufthansa-Management den größtmöglichen Schaden zufügen. Man erhofft sich davon Vorteile in den Verhandlungsrunden.

Die permanenten Streikwellen sind für die Lufthansa Gift. So kämpft die Airline seit gut vier Jahren mit zahlreichen nicht hausgemachten Problemen, die von außen an sie herangetragen werden. Dazu gehört zum Beispiel die seit gut drei Jahren vom Staat zusätzlich erhobene sogenannte Luftverkehrssteuer. Die Bundesregierung aus CDU und FDP hatte den deutschen Fluglinien – vor allem der Lufthansa sowie Air Berlin – fast eine Milliarde Euro mehr an Steuern jährlich mit der Luftverkehrsabgabe vor drei Jahren aufgezwungen.

Auch die um gut 40 Prozent gegenüber 2010 gestiegenen Kerosinpreisen gehören dazu. Mächtig unter Druck kommen sowohl die Lufthansa wie auch Air Berlin zudem auf Grund der zunehmenden Fluglinien-Konkurrenz aus dem Nahen Osten.

Deshalb sind Streiks – ob vom Bodenpersonal, dem Kabinenpersonal oder den Piloten – in der jetzigen schwierigen Phase Gift. Das gilt nicht nur für die Lufthansa oder Air Berlin selber, sondern letztlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fluglinien.

Denn wenn das so weiter geht, werden die Fluglinien gar nicht anders können, als weiter Personal abzubauen, Strecken einzustellen und – ähnlich der kürzlich verkündeten Kooperation zwischen Emirates und Qantas – mit anderen Airlines noch stärker zusammenzuarbeiten. Wenn es irgendwann immer weniger Jobs gibt, dann gibt es auch immer weniger Streiks. Auch sollte nicht vergessen werden: Je mehr Streiks, desto größer der Druck auf die Airlines und Flughäfen noch mehr zu automatisieren.

Falls Verdi mit seinen dauernden Flughafenstreiks auf Verständnis der Reisenden hofft, scheint sich Verdi da etwas zu verkalkulieren. Dass eine Gewerkschaft für Arbeitnehmer Verbesserungen erreichen muss, ist verständlich und das ist ihr Job. Nur sollt man sich sehr genau anschauen, in welcher Phase ein Streik sowohl einem Unternehmen wie auch den sonstigen Betroffenen zumutbar erscheint. Dieser Zeitpunkt jetzt ist denkbar schlecht gewählt.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Donnerstag, 12. April 2018

Razzia beim Trump-Anwalt: Wie das FBI in seiner Hexenjagd auf Trump den Rechtsstaat zerstört

Kommentar – Es ist schon unglaublich,wie fachlich unwissend, flach und teils sogar falsch Deutschlands, aber auch die sonstigen weltweiten Massenmedien, über die aktuelle Razza bei einem Rechtsanwalt des US-Präsidenten Donald Trump, bei Michael Cohen, berichten. Sie schwafeln davon, wonach die amerikanische Bundespolizei FBI wegen Trump eine Razzia bei seinem Anwalt gemacht habe. Ganz so, als ob die Razzia wegen Trump […]

Mittwoch, 03. Januar 2018

Wie viel Politik darf Polizei mit Anzeige gegen Beatrix von Storch machen?

Kommentar – Es klingt ja sensationslüstern: „Polizei zeigt AfD-Vize von Storch an – Anzeigen auch gegen Weidel“. Das schreiben derzeit Hunderte deutsche Massenmedien genüsslich. Darunter ist auch der öffentlich-rechtliche Rundfunksender MDR, welcher die genannte Schlagzeile exakt so in seinem gebührenfinanzierten Nachrichtenportal MDR.de veröffentlichte. Mit MDR.de macht der ostdeutsche Sender den Lokalmedien seit Jahren zunehmend Konkurrenz. Dabei profitiert der krawalligste deutsche […]

Sonntag, 24. Dezember 2017

Die Christian Lindner Sackgasse im Merkel-Reich

Kommentar – Christian Lindner, der FDP-Vorsitzende, kann gut aussehen. Wir denken nur an das ungewöhnliche Wahlplakat des Mannes, wie er in sich versunken im smarten Hemd nicht etwa den Wähler, seinen Auftraggeber anschaut, sondern gen Boden schweift. Sein Blick gleitet auf dem Wahlplakat, das von Stuttgart bis Berlin metergroß an diversen Wänden klebte, etwas narzisstisch gen Nirgendwo. Damals, kurz vor […]

Dienstag, 19. Dezember 2017

Sachsens Nazi-Panzer den man gegen Demonstranten einsetzen wollte am Pranger: Der Survivor R

Kommentar – Sachsen ist in vielerlei Hinsicht Deutschlands außergewöhnlichstes Bundesland wenn es im Produzieren von Negativmeldungen geht: Nirgends wurden Flüchtlinge so beschimpft, wie in Sachsen. [1, 2, 3] Zudem gründete sich in Sachsen eine Partei, welche auf Grund ihrer wenig weltoffenen und teils ins Fanatische abgleitenden völkischen Auffassung weltweit für Schlagzeilen sorgte: Pegida vom Pegida Förderverein e.V. in Dresden und Legida […]

Freitag, 10. November 2017

Saudi-Arabien gleitet in Terrorstaat ab unter Diktatoren-Sohn Mohammed bin Salman

Kommentar – Die ganze angebliche Anti-Korruptionswelle in Saudi-Arabien klingt zu gut, als dass wir sie glauben möchten. Deswegen möchten wir nicht dem geschickt inszenierten Saubermann-Image des herrschenden saudischen Diktators Salman bin Abdulaziz Al Saud, des 81-jährigen „König von Saudi-Arabien, Hüter der beiden Heiligen Moscheen“ folgen. Der Grund liegt auf der Hand: Schaut man sich die saudische Politik der vergangenen Jahre, […]

Samstag, 28. Oktober 2017

US-Großinquisitor Robert Mueller eröffnet wegen Russland-Kontakten erstes Strafverfahren

Kommentar – Es erinnert an die Verfolgung von Kommunisten in den USA in den 1950er Jahren: Jeder, der auch nur den Anschein erweckte, zum kommunistischen Regime in der Sowjetunion Kontakte zu haben, musste damit rechnen, seinen Job zu verlieren oder gar ein Strafverfahren an den Hals zu bekommen. Und im Mittelalter erledigte den Job des Oberstaatsanwalts der religiöse Großinquisitor. Wie […]