Skip to main content
Sonntag, 02. August 2020

Streik Lufthansa: Reiseterror Bodenpersonal kostet 1.700 Flüge

Einige nennen es Streik oder Warnstreik, doch viele Reisende empfinden das gefühlt oder real jährlich sich wiederholende Ritual des Flugboden-Personals auch anders: Und zwar als „Terror“ auf Kosten der Reisenden. Denn ab Montag spüren die Millionen Flugreisenden einmal mehr die Konsequenzen des sogenannten Verdi-Warnstreiks des Bodenpersonals der Lufthansa rund um den Globus. Das Lufthansa-Management streicht in der Not Montag rund 1.700 Flüge, nur rund 30 sollen stattfinden. Selbst Lufthansa-Mitarbeiter sind mittlerweile wütend auf den „jährlichen Terror, der hier vom Bodenpersonal oder welcher Gewerkschaft auch immer, mal wieder den Reisenden zugemutet wird“.

Das Bodenpersonal an Flughäfen sucht sich traditionell – wie auch einige andere Gewerkschaften in der Luftfahrtindustrie – besonders gerne den Montag, Freitag oder die Familienferien zum Streiken. Über den Hebel von Kindern und Pendlern möchte man dem Lufthansa-Management den größtmöglichen Schaden zufügen. Man erhofft sich davon Vorteile in den Verhandlungsrunden.

Die permanenten Streikwellen sind für die Lufthansa Gift. So kämpft die Airline seit gut vier Jahren mit zahlreichen nicht hausgemachten Problemen, die von außen an sie herangetragen werden. Dazu gehört zum Beispiel die seit gut drei Jahren vom Staat zusätzlich erhobene sogenannte Luftverkehrssteuer. Die Bundesregierung aus CDU und FDP hatte den deutschen Fluglinien – vor allem der Lufthansa sowie Air Berlin – fast eine Milliarde Euro mehr an Steuern jährlich mit der Luftverkehrsabgabe vor drei Jahren aufgezwungen.

Auch die um gut 40 Prozent gegenüber 2010 gestiegenen Kerosinpreisen gehören dazu. Mächtig unter Druck kommen sowohl die Lufthansa wie auch Air Berlin zudem auf Grund der zunehmenden Fluglinien-Konkurrenz aus dem Nahen Osten.

Deshalb sind Streiks – ob vom Bodenpersonal, dem Kabinenpersonal oder den Piloten – in der jetzigen schwierigen Phase Gift. Das gilt nicht nur für die Lufthansa oder Air Berlin selber, sondern letztlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fluglinien.

Denn wenn das so weiter geht, werden die Fluglinien gar nicht anders können, als weiter Personal abzubauen, Strecken einzustellen und – ähnlich der kürzlich verkündeten Kooperation zwischen Emirates und Qantas – mit anderen Airlines noch stärker zusammenzuarbeiten. Wenn es irgendwann immer weniger Jobs gibt, dann gibt es auch immer weniger Streiks. Auch sollte nicht vergessen werden: Je mehr Streiks, desto größer der Druck auf die Airlines und Flughäfen noch mehr zu automatisieren.

Falls Verdi mit seinen dauernden Flughafenstreiks auf Verständnis der Reisenden hofft, scheint sich Verdi da etwas zu verkalkulieren. Dass eine Gewerkschaft für Arbeitnehmer Verbesserungen erreichen muss, ist verständlich und das ist ihr Job. Nur sollt man sich sehr genau anschauen, in welcher Phase ein Streik sowohl einem Unternehmen wie auch den sonstigen Betroffenen zumutbar erscheint. Dieser Zeitpunkt jetzt ist denkbar schlecht gewählt.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Montag, 30. März 2020

Vom Wahnsinn & Co

Gewinner Coronakrise: Ganz klar China, der Westen durchgeht Katharsis

Kommentar – Die Corona-Krise im Westen wird wahrscheinlich Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten und Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Unternehmen, darunter viele Einzelunternehmen, Mittelständler oder Konzerne in den Konkurs treiben. Doch es gibt auch Gewinner der Krise: Käufer billiger Aktien und billiger Bitcoins beispielsweise oder Besitzer von Immobilien, welche die Nerven behalten. Ein großer Gewinner dürfte ebenso China sein, möglicherweise zudem […]

Dienstag, 24. März 2020

Wie das dubiose Portal Jobleads auf Trustpilot negative Bewertungen versucht löschen zu lassen und Kunden in eher unnütze Abos lockt

Kommentar – Das umstrittene Jobportal „Jobleads“ von der Hamburger JobLeads GmbH in der Brandstwiete 4 steht seit Jahren massiv in der Kritik. Lautete früher der Vorwurf „fiese Abofalle“, hat das Portal hier zwar nachjustiert und schreibt nun deutlicher hin, was was kostet. Aber seriös ist das Portal deshalb noch lange nicht. Viele fühlen sich geneppt in teure angebliche „Premium“-Accounts.  Durch […]

Samstag, 14. März 2020

Russland Grenze

Gemeinsame Erklärung zum NATO-Manöver «Defender 2020»

Uns erreichte am Wochenende die folgende Mitteilung, die sich gegen NATO-Manöver an der russischen Grenze wendet: «Mit großer Sorge» sähen «zivilgesellschaftliche Organisationen und Personen, die sich im demokratischen Sinn als außerparlamentarische Opposition in Deutschland» verstünden, «die großen militärischen Mobilmachungen zu einem Militärmanöver mit dem irreführenden Namen ‘Defender Europe 2020’ an der Grenze zu Russland». Dieses Manöver sei «nach unserer Ansicht […]

Samstag, 28. September 2019

US-Politik pervers

Joe Bidens Sohn kassierte 45.000 Euro monatlich in Ukraine und Trump soll Amtsenthoben werden

Welcher Normalsterbliche schafft es in seinem Leben auf einen Monatslohn von rund 45.000 Euro, was umgerechnet 540.000 Euro in einem Jahr wäre? So viel Geld wird oft nicht einmal an deutsche Geschäftsführer bezahlt. Die Chefs von Unternehmen mit über 2000 Mitarbeitern bekommen hierzulande häufig Gehälter zwischen 300.000 und 350.000 Euro im Jahr – maximal. Doch ausgerechnet der Sohn des demokratischen […]

Donnerstag, 15. August 2019

Verweigerung?

Kramp-Karrenbauer scheint Nationalhymne nicht beim Großen Zapfenstreich gesungen zu haben

Beim Großen Zapfenstreich angesichts der Verabschiedung von Ursula von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin hatte man den Eindruck als ob Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), genannt AKK, in Berlin das Singen der Nationalhymne (Deutschlandhymne, Deutschlandlied) verweigerte. Die CDU-Vorsitzende AKK stand gegen 22.15 Uhr stumm, etwas um den Mund zuckend, neben von der Leyen, die mit den Soldaten des Großen Zapfenstreichs die Deutschlandhymne sang. […]

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]

Translate »