Skip to main content
Sonntag, 19. Mai 2019

Bischof Desmond Tutu: Israel ist „Apartheid-Staat“, sagt Südafrikas Friedensnobelpreisträger

Immer häufiger wird Israel vorgeworfen, mit seiner völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik, auch mit den willkürlichen Verhaftungen und Tötungen von Tausenden Palästinensern, ein „Apartheid-Staat“ zu sein. Jetzt äußerte sich dazu auch der Friedensnobelpreisträger aus Südafrika, Erzbischof Emeritus Desmond Tutu, in dieser Richtung.

Wir veröffentlichen hier eine Rede von Bischof Desmond Tutu, welcher er auf der Generalversammlung der Presbyterian Church USA gehalten hatte. Die Generalversammlung der Christen fand vom 14 bis 21 Juni 2014 in Detroit statt. Bischof Tutu ist emeritierter Erzbischof von Kapstadt. Seine Rede zu Israel und Palästina veröffentlichen wir hier:

„Wie sich die Presbyterianische Generalversammlung alle zwei Jahre trifft, greife ich im Gebet und der Solidarität das Wort und möchte ein für starkes Zeugnis für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden ablegen. Ich bin mir bewusst, dass die Versammlung acht Ouvertüren hat und sich auch dem verwirrenden und schwierigen Konflikt in Israel und Palästina widmet. Aber ich bin vor allem dem Drängen der Versammlung nachgekommen, welche in einer Ouvertüre Israel als Apartheid-Staat bezeichnet, vor allem durch seine Innenpolitik… und die Besatzungspolitik palästinensischen Volkes.

Beide sind würdig der Annahme, dass sie die Wahrheit sprechen… und die Kirche hat Mitschuld an der Besetzung der Gebiete und der zweiten Aufrechterhaltung. Die Nachhaltigkeit von Israels Heimat und damit für das jüdische Volk war schon immer abhängig von seiner Fähigkeit, Gerechtigkeit für die Palästinenser zu liefern.

Ich weiß aus erster Hand, dass Israel eine Apartheid Realität innerhalb seiner Grenzen und durch seine Tätigkeit erstellt. Die Parallelen zu meinem eigenen geliebten Südafrika sind in der Tat schmerzhaft stark.

Realistische israelische Führer erkannten, dass Israel seine Besetzung entweder durch eine zwei-Staaten-Lösung beenden kann oder die Palästinenser leben bis in alle Ewigkeit in einem Apartheid-Staat. Letzteres ist nicht nachhaltig und eine Straftat vor Gericht. Wir haben in Südafrika gelernt, dass der einzige Weg, um die Apartheid friedlich zu beenden, jener ist, indem man durch wirtschaftlichen Druck die Mächtigen an einen Tisch bittet.

Die bei der Generalversammlung vorgeschlagenen Annäherungsversuche haben nicht zum Ziel, eine Delegitimierung des Staates Israel ins Gespräch zu bringen, sondern sie dienen dem Ziel, zu einer Beendigung seiner Unterdrückung gegen die vier Millionen palästinensischen Schwestern und Brüder beizutragen:

Es geht um die klare Bezeichnung eines ungerechten Systems, das sich weigert, sich einem Dialog zu stellen. Die Hartnäckigkeit von Führern Israels, die Besatzungspolitik aufrecht zu erhalten, kann nicht darüber wegtäuschen, dass die Besetzung von Gebieten, die ihnen nicht gehören, nur zu einer Tragödie für beide Völker führt. Zum Wohle beider ist der einzige Weg, welcher Gott verehren würde, dass es einen friedlichen Weg in der Sache gibt, der auf Gerechtigkeit und Versöhnung beruht. Meine Gebete sind heute mit den Mitgliedern der Generalversammlung und mit allen Völkern des Heiligen Landes in Israel und Palästina. Archbishop Emeritus Desmond Tutu 10 June 2014″. Tutus Worten waren auch Äußerungen des amerikanischen Außenministers John Kerry vorausgegangen, der Ende April 2014 sagte, wonach Israel drohe ein Apartheid-Staat zu werden, ein Land in dem Menschen zweiter Klassen lebten.

Bischof Desmond Tutu wurde im Jahr 1984 für sein Engagement gegen die Apartheid in Südafrika der Friedensnobelpreis verliehen – also zu einem Zeitpunkt, als die die Schwarzen unterdrückende Apartheid in Südafrika noch Alltag war.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Mittwoch, 15. Mai 2019

Zündeln

Iran-Krise um angebliche Drohnenangriffe und die Lügenkriege

Kommentar – Es ist immer das gleiche: Wenn eine Nation gegen eine andere mit kriegerischen Aggressionen auf Grund politischer Dissonanzen vorgehen möchte, beginnt als erstes der PR-Lügenkrieg. Damit möchte man die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen. Das war im Zweiten Weltkrieg so, als Polen und Großbritannien den deutschen Diktator Adolf Hitler bewusst über die Danzig-Frage 1939 monatelang provozierten. Und damit […]

Freitag, 12. April 2019

Kamera im USB-Stick

Wikileaks US Botschaften Einkaufsliste anlässlich der Verhaftung von Julian Assange

Anlässlich der Verhaftung von Julian Assange, des „australischen politischen Aktivisten, investigativen Journalisten, ehemaligem Computerhackers, Programmierers und Sprechers der Enthüllungsplattform WikiLeaks“ (O-Ton Wikipedia Deutschland) publizieren wir hier die letzte Pressemeldung, welche Wikileaks im Dezember 2018 auf seiner deutschen Plattform publizierte. Assange hatte sieben lange Jahre seines Lebens geopfert, um für sein Projekt, die maximale Transparenz auf Regierungsebene über die Enthüllungsplattform Wikileaks […]

Sonntag, 07. April 2019

Deutsch Ostafrika

Ehemalige deutsche Kolonie Ruanda – 800.000 Menschen wurden 1994 ermordet

Es ist einer der schlimmsten Völkermorde auf dem afrikanischen Kontinent: Jener, den fanatische Hutu 1994 an rund 800.000 Menschen in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie (Deutsch-Ostafrika) begangen haben sollen. Noch heute erinnert man sich beispielsweise in der Ortschaft Mabare an den April 1994. Es war der Beginn vor der langen Regenzeit. Die Berghänge, schreibt Al Jazeera auf seinem Onlineportal aljazeera.com, hätten […]

Montag, 25. März 2019

Israel lässt Ayman Nasser seit 30 Jahren regelmäßig im Gefängnis schmoren

Amnesty International berichtet, wonach am 10. März 2019 ein israelische Militärgericht in den besetzten palästinensischen Gebieten eine Haftverlängerung für den NGO-Mitarbeiter Ayman Nasser angeordnet habe. Die Haft gegen Ayman Nasser werde um lange weitere sechs Monate aufgestockt. Die Haft setzt eine lange Kette von vorherigen Verhaftungen des Menschenrechtlers in den vergangenen 25 Jahre fort. Amnesty moniert, dass der NGO-Mitarbeiter bereits […]

Donnerstag, 24. Januar 2019

Israel schickt Beduine Sayyah Abu Mdeighim al-Turi 10 Monate ins Gefängnis

In einer Urgent Action teilt Amnesty International (AI) mit, wonach am 25. Dezember 2018 Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi eine zehnmonatige Haftstrafe in Israel habe antreten müssen. Amnesty schreibt zu dem Gerichtsurteil, dieses sei auf Grund der Tatsache gefällt worden, da der Verurteilte seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit für ein Beduinendorf wahrgenommen habe. Sayyah Abu Mdeighim al-Turi büße seine Haftstrafe derzeit […]

Mittwoch, 16. Januar 2019

Prozess, Alfamir Castillo

Schüsse auf Aktivistin in Kolumbien wegen Armee-Mordvorwürfen

Am 11. Januar 2019 hätten zwei Unbekannte in der Gemeinde Pradera im Süden von Kolumbien auf das Auto der Aktivistin Alfamir Castillo geschossen. Der Täter habe von einem Motorrad aus geschossen. Das berichtet nun Amnesty International Deutschland. Das Anschlags-Opfer sei in Begleitung ihres Mannes und zweier LeibwächterInnen gewesen, welche von der „Behörde für Schutzmaßnahmen“, der „Unidad Nacional de Protección“ gestellt […]