Skip to main content
Mittwoch, 20. März 2019

Germanwings Absturz: CNN fragt, warum Pilotennamen verschwiegen werden

150 Menschen sind bei einem Absturz der Germanwings (Tochter der Lufthansa) in den französischen Alpen ums Leben gekommen. Aber mögliche weitere Details zum möglichen Absturz der Germanwings erfährt man nicht aus deutschen Medien, sondern aus internationalen – der New York Times und der weltweit verbreiteten Nachrichtenagentur AFP („Agence France-Presse“). Nach wir vor verschwiegen werden die Pilotennamen („germanwings pilot names“).

Fakt ist: Offensichtlich wurden nun gezielt Informationen nach Auswertung des Voicerecorders von französischen (oder amerikanischen) Ermittlern an die New York Times sowie AFP weitergegeben, während deutsche anwesenden Ermittler offensichtlich keine Informationen an die Medien weitergegeben haben.

Nach übereinstimmenden Berichten der New York Times und der AFP sei einer der Piloten nicht im Cockpick gewesen und habe angeblich verzweifelt versucht, die Türe zum Cockpick einzutreten. Dies würde nach ersten Auswertungen von Aufzeichnungen des Voicerecorders deutlich. Doch eine Türe zum Cockpit einzutreten ist nicht mehr ohne weitere Mittel möglich, da Cockpit-Türen weltweit seit den Terroranschlägen 9/11 gegen Terroranschläge gesichert worden sind.

Auf dem amerikanischen Nachrichtensender CNN wird zunehmend Kritik laut, warum man – entgegen sonstiger internationaler Gepflogenheiten bei Flugzeugabstürzen – immer noch die Namen der Piloten der Absturzmaschine der Germanwings unter dem Deckel halte. So habe man im Falle des Absturzes der Malaysia Airlines wesentlich schneller erfahren, wer das Kommando über das Flugzeug gehabt habe, als im Falle von Germanwings.

Auf CNN heißt es, man habe Informationen, wonach der eine Pilot in der Absturzmaschine der Germanwings erst Ende 20 gewesen sei und rund 10 Jahre Flugerfahrung habe – inklusive Ausbildung. Der andere Pilot wäre ebenfalls unter 30 gewesen und sei erst 2013 zu Germanwings gestoßen. Er habe angeblich nur über wenige Flugstunden verfügt.

Hinter den Kulissen werden gleichzeitig Gerüchte gestreut, wonach aus dem Umfeld einer deutschen Pilotengewerkschaft angeblich Druck auf den Vorstand der Germanwings ausgehe, keine Namen der Piloten bekannt zu geben. Dabei wären Namen und Hintergründe zu den Piloten für die Aufklärung des Absturzes der Germanwings unerlässlich – das wird nun immer deutlicher. Immerhin sind neben über 60 Deutschen auch Menschen aus Spanien, den USA, Großbritannien, Venezuela oder Japan ums Leben gekommen. Insgesamt seien Menschen aus 18 Nationen mit Germanwings in den Tod geflogen.

Germanwings schreibt: „Wir müssen leider bestätigen, dass Flug 4U9525 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf über den französischen Alpen verunglückt ist. Es handelt sich um ein Flugzeug vom Typ A320. An Bord waren 144 Passagiere und 6 Crew-Mitglieder…“ Doch immer mehr fragen sich: War der acht minütige ungewöhnliche Sinkflug in die Berge wirklich ein „Unglück“?

Kommentar: Der sonst geltende Schutz der Privatsphäre darf nicht dazu führen, dass Aufklärung und öffentliche Rechenschaft von Germanwings unterbleibt. Die Piloten dürfen und müssen bei Abstürzen grundsätzlich als Personen von öffentlichem Interesse mit entsprechend geringeren Schutzrechten gewertet werden. Denn sie sind nun einmal der Schlüssel zur Aufklärung von über jedem zweiten Flugzeugabsturz weltweit. Ebenfalls seltsam: Während auf CNN die Namen und Hintergründe, auch Fotos zu vielen Germanwings-Opfern bekannt gegeben werden, schweigen die deutschen Medien mal wieder. Ist das wirklich im Interesse der Hinterbliebenen oder ist es nicht ein Mantel des Schweigens über ein Grauen, das mehr verdient, als Schweigen über die Opfer? Eine unrühmliche Rolle spielt mittlerweile auch der Deutsche Presserat, der offene aufklärende Berichterstattung immer schwieriger macht, indem viel zu schnell den Redaktionen Rügen ins Haus flattern.



Kommentare (1)


bob 31. März 2015 um 3:41

In ordentlichen Rechtsstaaten wird erst ermittelt, dann ein Prozess abgehalten und schlußendlich geurteilt.
Wie die Presse weltweit mit diesem Absturz umgegangen ist, trägt hierzu rein gar nichts bei.
Die Kritik am Presserat erschließt sich mir auch nicht, ich habe nur viele wirre Mutmaßungen lesen können. Es hat mit Aufklärung zu einem solchen Fall aber nichts zu tun, wenn die „Journaille“ (wie sie sich in diesem Fall wieder offenbart hat) wilde Spekulationen verbreitet und dies noch nicht einmal im Text deutlich macht, was eigentlich der Anspruch ordentlichen Journalismus ist (einst war).
Mein persönliches negativ High-Light war der Psychosomatik-Nonsens der, ohne irgendwelche Belege, durch die Presselandschaft getrieben wurde.
Jedem der die Hauptschule abgeschlossen hat und in der Lage ist sich zum Thema Psychosomatik bei Wikipedia zu informieren, sollte klar sein das es gar keinen Sinn macht, das hier körperliche Leiden bedingt durch die Psyche (da andere medizinische Erklärungen nicht gefunden wurden) irgendeinen Einfluß auf das Geschehen gehabt haben könnten.
Aber es klingt natürlich total toll, man kann es benennen und wir müssen und zum Glück nicht mehr mit Ermittlungen oder Aufklärung befassen.

Und das CNN, aufgrund des Kulturkreises aus dem es stammt, keinerlei Verständnis für die Unschuldsvermutung und den Schutz von Privatsphäre hat, sollte jedem klar werden, der sich mal eine halbe Stunde mit US Medien befasst.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Donnerstag, 24. Januar 2019

Israel schickt Beduine Sayyah Abu Mdeighim al-Turi 10 Monate ins Gefängnis

In einer Urgent Action teilt Amnesty International (AI) mit, wonach am 25. Dezember 2018 Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi eine zehnmonatige Haftstrafe in Israel habe antreten müssen. Amnesty schreibt zu dem Gerichtsurteil, dieses sei auf Grund der Tatsache gefällt worden, da der Verurteilte seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit für ein Beduinendorf wahrgenommen habe. Sayyah Abu Mdeighim al-Turi büße seine Haftstrafe derzeit […]

Mittwoch, 16. Januar 2019

Prozess, Alfamir Castillo

Schüsse auf Aktivistin in Kolumbien wegen Armee-Mordvorwürfen

Am 11. Januar 2019 hätten zwei Unbekannte in der Gemeinde Pradera im Süden von Kolumbien auf das Auto der Aktivistin Alfamir Castillo geschossen. Der Täter habe von einem Motorrad aus geschossen. Das berichtet nun Amnesty International Deutschland. Das Anschlags-Opfer sei in Begleitung ihres Mannes und zweier LeibwächterInnen gewesen, welche von der „Behörde für Schutzmaßnahmen“, der „Unidad Nacional de Protección“ gestellt […]

Samstag, 08. Dezember 2018

Wegen Land

Kolumbien – Menschenrechtsverteidiger Enrique Cabezas mit Mord bedroht

Amnesty International teilt in einer Urgent Action mit, wonach Enrique Cabezas, der Leiter der „Kollektivs Afro-Kolumbianischer Gemeinschaften“ in Curvaradó im Departamento Chocó im Westen Kolumbiens bedroht werde. Auch Morddrohungen stünden im Raum. Grund: Er setze sich für die Landrechte einiger kolumbianischen Gemeinden ein. Zudem kämpfe er für das Recht der dort lebenden Menschen sich aus einem seit Jahren bestehenden bewaffneten […]

Freitag, 23. November 2018

Schurkenstaat Saudi-Arabien soll weitere Kritiker ermordet haben – und zwar Prinzen

Die Khashoggi-Affäre zeigt, wie erbarmungslos das saudische Schurken-Regime seine Kritiker verfolgt und mordet. Selbst Dissidenten aus der Königs- und Diktatorenfamilie leben auf gefährlichem Fuß. So seien zwischen 2015 bis 2017 drei saudi-arabische Prinzen bis heute spurlos verschwunden, berichtete bereits vor Monaten BBC. Das heißt nichts anderes, als: Die drei Prinzen wurden wahrscheinlich auf Veranlassung des Regimes ermordet. Grund: Auch diese […]

Mittwoch, 21. November 2018

UAE

Matthew Hedges – Großbritannien droht Abu Dhabi „ernsthafte Konsequenzen“ wegen lebenslanger Haft für Briten an

Die Verstimmungen zwischen dem Westen und der arabischen Halbinsel nimmt weiter dramatische Ausmaße an. Jetzt drohte die britische Regierung den Diktatoren der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) „ernsthafte diplomatische Konsequenzen“ für die Inhaftierung eines jungen Briten an. Dies teilte der britische Außenminister mit. Auf Antrag von Abdu Dhabi war der junge britische Doktorand Matthew Hedges am Flughafen von Dubai im Mai […]

Samstag, 20. Oktober 2018

Saud

Regime des Mord-Königs von Saudi-Arabien nicht mehr satisfaktionsfähig nach seinem Khashoggi-Mord

Kommentar – Ich glaube es war ein Autor der britischen linksliberalen Tageszeitung „Guardian“, der sich an folgende Szenen erinnerte und sie dieser Tage kundtat: Schon einmal habe eine brutale arabische Diktatur geglaubt, den Westen an der Nase durch die internationale Manage ziehen zu können und der Lächerlichkeit preis zu geben. Es sei Anfang der 1990er Jahre gewesen. Das Land, in […]