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Namen Opfer Germanwings / Presse-Selbstzensur hilft Massenmord zu vergessen

Kommentar – Nach Ansicht des französischen Staatsanwaltes habe der Copilot L. der Germanwings möglicherweise vorsätzlich 144 Germanwings Passagiere und fünf Crew-Mitgliedern in den Tod gerissen durch einen möglicherweise künstlich inszenierten Absturz.

So ungeheuer der Verdacht ist, so klinisch ist die Berichterstattung in deutschen Medien wie Spiegel, ARD, ZDF, Süddeutsche bis zur kleinen taz. Viele nennen weder den vollen Vor- und Zunamen des im Verdacht stehenden Copiloten, noch wird sein Bild (ungepixelt) gezeigt. Auch die Opfer und die Trauer der Angehörigen der Opfer kommen faktisch in den deutschen Massenmedien nicht vor. Ist das angebracht? Oder ist das nicht eher der Versuch, zu verschleiern, was man einfach nicht wahrhaben möchte. Irgendwie erinnert das an Nachkriegsdeutschland ab 1945:

Auch damals kam der Massenmord an den Juden, Linken, Behinderten, Homosexuellen in den deutschen Medien nicht vor. Erst die Amerikaner zwangen die Deutschen hinzuschauen zu den Opfern, veröffentlichten Fotos, Namen.

Doch unter dem Vorwand der angeblichen Verletzung von Persönlichkeitsrechten der Getöteten finden die Opfer des Germanwings-Flugzeugs faktisch in den deutschen Medien nicht statt. Wir sehen Bundespräsident Joachim Gauck, wie er nach dem Gottesdienst aus der Kirche schreitet und sonst sehen wir nur wegduckende Journalisten, die sich zum Handlager der großen Meister-Propper-Berichterstatter und angeblichen Moralisten machen.

Ganz nach dem Motto: Deutschland ist tapfer, Deutschland ist sauber. Es gibt keine Opfer, es gibt keine Tränen. Es gibt nur einen Vorfall, der erledigt werden muss. Das Business muss weiter gehen.

Es findet ein kollektives mediales Verschweigen, Vertuschen, totschweigen der Toten in den deutschen Massenmedien statt. Die angebliche weiße Hygiene der Berichterstattung ist in Wirklichkeit aber Ausdruck einer schwarzen Unhygiene. Denn wer den Opfern, den Tränen kein Gesicht verleiht, der vertuscht.

Flughafen Düsseldorf: Bloß keine weinenden Hinterbliebenen im Hochglanz-Flughafen den Medien zeigen

Am Anfang der Großreinemache stand der Flughafen Düsseldorf: Mit Arbeitswesten bekleidet schnappten sie sich die weinenden Eltern, Angehörigen, Freunde und zerrten diese – einige sagen „geleiteten“ – hinter hygienisch aufgestellte weiße Leinenwände. Ob die Opfer-Angehörigen das wollten oder nicht – diese Entscheidung nahm man ihnen scheinbar sofort ab. Wer im Schock ist, denkt nicht nach.

Besonders perfide in den deutschen Massenmedien: Viele Journalisten umgehen das Wort Massenmord im Falle der Germanwings-Maschine. Man könnte es ja verstehen, wenn die Indizien nicht so erdrückend wären. Wann möchte man denn von einer Mord-Theorie ausgehen? In fünf Jahren, wenn alles vergessen ist und ein Gericht ein Urteil gefällt hat?

Es ist ein perfektes Räderwerk: Flughafen kehrt die Tränen weg. Die Presseanwälte zerstören die Bilder der Opfer durch sündhaft teure Presseprozesse gegen Journalisten und Medien. Die Richter segnen es ab.

Schon in zwei Wochen wird man sagen: War da was? Nein, da war nichts. Ein Unfall. Oder ein „Unglück“. Von einem „Unglück“ spricht die Nachrichtenseundung „ZDF heute“ sogar noch fünf Tage nach Bekanntwerden zahlreicher weiterer Details zum Absturz der Germanwings.

Bleiben am Ende nicht die Bilder der Opfer, der weinenden und schreienden, auch anklagenden Hinterbliebenen und Freunde der Opfer in Erinnerung, sondern nur weißen Vorhänge, hinter welche man hastig die Hinterbliebenen, die weinenden Freunde versteckt hat? Oder bekommen wir nur noch den lächerlichen kleinen Grabstein in Front vor den französischen Alpen von ARD & ZDF präsentiert, garniert mit fliegenden Polizei-Helikoptern?

Bildersturz ist ein altes Herrschafts-Gebiet der Herrschenden

Der Bildersturz ist ein uraltes Anliegen der Herrschenden in der Geschichte. Erstmals erlebt im alten Ägypten. Dann wiederholt im antiken Griechenland, in Rom, im Mittelalter und heute in Deutschland.

Ganz anders die Bilder des wohl nach Einschätzung nicht weniger Experten möglicherweise ebenfalls vorsätzlich zum Absturz gebrachten Fluges Malaysia Airlines Flight 370. Hier waren von der ersten Stunde an die Opfer, die Hinterbliebenen zu sehen. Wir bekamen unzählige Bilder von Eltern, Verwandten, Freunden zu sehen, die weinten, schrien. Sie brachten die Verantwortlichen der Flugsicherung, der Malaysia Airlines, der Politik öffentlich durch ihre Tränen, durch körperliche Attacken gegen Aufpasser in der Weltöffentlichkeit unter Druck.

Die Medien haben im Falle des Flugs 370 der Malaysia Airlines einen wesentlich besseren Job gemacht, als im Falle der Germanwings.

Eine unrühmliche Rolle spielt in Deutschland zunehmend auch der Deutsche Presserat. Er rügt und mahnt in einem fort ab. Ein amerikanischer Medien-Professor sieht dies denn auch mit Sorge. Er sagte: das selbst auferlegte oder von vielen deutschen Gerichten den Medien aufgezwungen Verschweigen von Opfern – deren Namen und Bilder, auch die Tränen der Angehörigen – führe zu einer gefährlichen Zensur.

Fast froh sein muss man da, dass es noch einen der letzten Aufrechten in den deutschen Massenmedien gibt, der immer wieder dafür kämpft, dass wir nicht untergehen in dieser Saubermanns-Berichterstattung des Vertuschen von Opfer-Bildern, Opfer-Namen und den Tränen der Hinterbliebenen.

Kai Diekmann, der Chefredakteur der Bild-Zeitung. Klar, er möchte Auflage machen. Aber wir glauben der Redaktion auch, dass es ihr ein ernsthaftes Anliegen ist, einen Massenmord als Massenmord zu bezeichnen und den Opfern ein Gesicht zu geben.



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