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Türkei: Is den Krieg machen? Sie rüstete Isis mit den USA jahrelang auf

Die Außenpolitik der Türkei ist ähnlich chaotisch und verlogen, wie jene der USA. Jahrelang haben diese beiden Länder zu vorderst, vorsätzlich und sehr zielstrebig die islamische Verbrecherbande Is, auch als Isis (Islamischer Staat) bekannt, über die türkische Grenze mit schwerem militärischem Gerät und Hunderten Millionen Dollar Spendengelder aufgerüstet.

Dafür gibt es ausreichend Beweise und US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hatte das sogar recht offen bestätigt. Bekannt ist auch, dass die heimliche Aufrüstung der Isis (welche eine Fraktion der vom Westen finanzierten „Freien Syrischen Armee ist“) durch die Türkei und die USA gegen das internationale Völkerrecht verstoßen hat. Nur haben sich vor allem westliche Massenmedien nie die Mühe gemacht, in ihren täglichen Gelenkübungen der Hetze gegen Russland sich die von den USA und der Türkei jahrelange Aufrüstung der Is einmal näher anzuschauen.

Jetzt, wo sie die Wölfe nicht mehr eingefangen bekommen, schauen die USA und die Türkei mit großen Augen in den Irak, nach Syrien und tun so, als sei man entsetzt. Ganz nach dem Motto: Oh Schreck, die Geister die wir riefen, werden wir jetzt nicht mehr los. Großspurig erklärt die Türkei, die von der Wiederauferstehung ihres Osmanischen Großreichs geträumt hatte, man erkläre Is in Syrien den Krieg.

Doch Fakt ist: Die USA und die Türkei – die kriegsgeilen Länder Großbritannien und Frankreich sowieso – hatten in ihrem Größenwahn aus purer Laune heraus nach über 40 Jahren Assad-Regime das Bedürfnis, den aktuellen Spross des Assad-Clans, ein gelernter Zahnarzt, zu stürzen. Dabei regierte dieser wesentlich weniger brutal, als sein Vater. Warum das Wüstenland Syrien, ein Flecken Erde, wenig schmuckvoll, da kaum Grün im Land, kaum fruchtbares Ackerland, dafür viel verdorrtes Zeug und Geröll auf der Erde, plötzlich so im Zentrum westlicher und türkischer Allmachtsgelüste stand, darüber gibt es unterschiedliche Sichtweisen.

Die einen sagen, es gehe nur mal wieder darum, wie seit bald 100 Jahren, dass westliche Großkonzerne – Exxon Mobile, Shell, Total, BP – ihre gierigen blutverschmierten Finger auf das Öl im Land Syrien bekämen. Denn natürlich brauchen Industriestaaten bezahlbares Öl. Und natürlich hasst der Westen die Abhängigkeit von der Opec und den anderen ölfördernden oder gasbesitzenden Ländern (Russland) grundabtief.

Neben dem Dauerbrenner Öl gibt es eine jahrzehntelange Feindschaft zwischen dem engen US-Verbündeten Israel und Syrien. Die von Israel seit Jahrzehnten völkerrechtlich illegal besetzten Golanhöhen gehören eigentlich Syrien. Doch Israel denkt nicht daran, Forderungen der UNO nachzukommen, die Golanhöhen an Syrien zurückzugeben. Der Westen tut zwar immer mal wieder empört. Doch während er im Falle der Krim hysterisch ventiliert und Russland mit Sanktionen versucht kaputt zu machen, werden bei wesentlich dubioseren israelischen Aktionen sämtliche Äuglein zugeklappt. Auch eine solche Lügen-Politik des Westens gebiert Hass in arabisch-islamischen Ländern und ermöglicht den Aufstieg von Is.

Dann wäre da noch die spannende Dissonanz zwischen der Türkei und Syrien – ebenfalls ein seit Jahrzehnten schwelender übler Konflikt. Seinen Höhepunkt fand er vergangenes Jahr bis weit in dieses, als die Verbrecher-Organisation Isis versuchte, die direkt an der türkischen Grenze liegende marode Stadt Kobane einzunehmen. Monatelang bombardierten und moderten die vom Westen hochgerüsteten Is-Verbrecher in Kobane. Doch letztlich ging es ihnen nicht um Kobane, sondern um einen symbolischen Sieg über die Kurden. Denn Kobane ist eine kurdische Grenzstadt.

Nun verhält es sich mit den Kurden im Irak, in Syrien, in der Türkei so, wie einst jahrhundertelang mit den Juden in westlichen Ländern, wie in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien oder den Niederlanden: Man duldete Juden zwar, doch wollte man sie stets ausgrenzen. Allerdings beruhte die geübte Abneigung auf Gegenseitigkeit: Die konservativen Juden suchten mit ihren Bärten auch gerne die Abgrenzung zur traditionellen europäischen Bevölkerung und insofern war es vielen Juden ganz recht, dass sie ihre eigenen Juden-Viertel in Städten wie Frankfurt am Main, Amsterdam oder in Wien bekamen. Noch heute kann man sich dort die jahrhundertealten Juden-Gassen anschauen. In Wien wurde eine jüdische Synagoge erstmals vor rund 500 Jahren niedergebrannt. Schließlich kulminierte der soziologische Konflikt zwischen den sonstigen Europäern und den europäischen Juden im deutschen Nazi-Wahnsinn, alle Juden ermorden zu wollen und letztlich auch Millionen Juden zu ermorden. Die Büchse der Pandora für westlich vorgelebten Völkermord war gelegt.

Natürlich hinkt es, Kurden mit Juden zu vergleichen. Doch Fakt ist: Die Kurden werden in vielen Ländern ebenfalls ausgegrenzt. Parallel mit den Juden haben sie eines gemeinsam: Die Kurden sind traditionell wohlhabender, als die Bevölkerung in den Ländern, in welchen sie leben. Das schürt Begehrlichkeiten und, je ärmer eine Bevölkerung ist, auch Hass. So war es purer Hass in der türkischen Außenpolitik, klammheimlich gefördert auch vom Westen, der es Is gestattete, Kobane anzugreifen. Statt die Grenze für flüchtige Kurden zu öffnen, zögerte die Türkei monatelang und schaute dem Abschlachten der kurdischen Bevölkerung in Kobane zu. Dies auch deshalb, da Russland als syrischer Verbündeter gilt – und das schon seit Jahrhunderten. So gibt es christliche Kirchen in Syrien, die mit russischem Geld und sonstiger russischer Unterstützung gebaut worden sind.

Und jetzt erklärt die Türkei plötzlich Isis, also Is, den Krieg? Was soll das für ein Krieg sein? Insgeheim wollten die Türkei und die USA Isis hochzüchten, um Assad zu stürzen. Das misslang bislang. Stattdessen müssen wir jetzt fast noch froh sein, dass Assad gegen Is kämpft. Eigentlich müsste sich der Westen mit Assad versöhnen und verbünden, ihn im Kampf gegen Is unterstützten. Doch davon mag von den geostrategisch größenwahnsinnigen Politikern im Westen und der Türkei natürlich niemand reden. Denn dann müsste man zugeben, dass man erhebliche Schuld auf sich geladen hat, indem man mit Is auf ein völlig falsches Pferd gesetzt hatte.

Wie falsch das Pferd war und dass es letztlich womöglich ein Trojanisches war, zeigte sich nun auf einem ost-türkischem Marktplatz. Ein türkischer! Is-Jünger bombte 32 Jugendliche in die Luft, die für Kobane demonstriert hatten. 32 tote Jugendliche – das ist selbst für die türkische Bevölkerung, die Tote im Osten der Republik gewohnt ist, sehr viel. Der Schmerz sitzt tief in der türkischen Bevölkerung. Erdogan ist gedemütigt. Der ursprüngliche diabolische Pakt der USA und der Türkei mit dem Teufel, Isis, ging gründlich daneben. Jetzt lecken sich die Länder ihre Wunden und suchen verwegen nach einem Ausweg.

Das schlimme an einer chaotischen westlichen Außenpolitik, die mit den falschen Verbündeten paktiert, ist, dass die Zeche immer Millionen einfacher Bürger bezahlen müssen. Im Irak sind es 50 Millionen Iraker. In Syrien sind es 9 Millionen Syrer. Alleine im Irak-Krieg hat der Westen gut 500.000 Tote zu verschulden. Im syrischen Krieg sollen rund 100.000 Menschen seit 2011 umgekommen sein. Doch Fakt ist auch: Den hymnisch hochgehaltenen Satz westlichen Massenmedien, die Türkei würde Is nun den Krieg erklären, kann man getrost als weitere groteske Randnote westlicher verlogener Außenpolitik abschreiben.

Zu guter Letzt erreicht uns gerade noch die Nachricht: Die Türkei bombardiere die PKK im Nordirak, heißt es Samstagvormittag. Dann schließt sich einmal mehr der Kreis. Die PKK ist nicht Is, die PKK ist die kurdische Freiheits-Partei, welche gegen Isis kämpft. Ausgerechnet nun die PKK zu bombardieren, ist der Gipfel türkischer Verlogenheit. Man nutzt jetzt also die 32 toten türkischen Jugendlichen, um die Kurden im Osten der Türkei und im Irak anzugreifen. Perverser kann westliche Außenpolitik nicht sein. Der Teufel ist also nicht nur Is, der Teufel sitzt auch im Westen, der dem Abschlachten der Kurden durch die Türkei sicherlich einmal mehr tatenlos zuschauen wird. Denn wir sind ja alle so froh, dass wir die Türkei als Verbündeten haben – im Kampf gegen Is.



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