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Sonntag, 17. März 2019

Mutmaßliches „Schläger-Schwein“ Sven R. steht endlich in Offenbach vor Gericht

Mit diesem etwas irreführenden Phantombild suchte die Kripo Offenbach nach dem Täter - der vor Gericht gänzlich anders aussieht.

Kommentar – Endlich steht der mutmaßliche Täter, der vor vier Jahren Mark Herbert vom Kopf ab gelähmt geprügelt haben soll, in Offenbach vor Gericht. Erst ein Aufruf vor einem Jahr in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ hatte die Zeugen dazu gebracht auszusagen. Bis dahin deckte Offenbach feige den mutmaßlichen Täter.

Warum Sven R. so brutal zugeschlagen haben könnte, wie es nach Aktenlage der Fall sein soll, darüber streiten sich die Juristen – also die Staatsanwälte und Rechtsanwälte. Der Prozess wird von einer Frau geführt – von Ingrid Schroff.

Sven R., der nach Angaben der Bild-Zeitung Frankfurt ein buntes Register an auffälligem Verhalten haben soll – Drogen, Schlägereien, aggressive Auslassungen – mimt vor Gericht den Harmlosen: Er sei weder groß in der Rockerszene verankert – im Gespräch waren die Osmanen-Rocker – noch sei er besonders bösartig.

Vielmehr, so Sven R., der während seiner Haftzeit 20 Kilo verloren haben soll, fühle er sich zu Hause bei Frau und seinen kleinen Kindern am wohlsten.

Der Tatverdächtige Sven R. entpuppt sich dann später beim Urteil als Sven Rüll, beziehungsweise Sven Jürgen Rüll aus Offenbach. Hier ein Foto von Facebook.

Davon kann Mark Herbert nur träumen. Er ist vom Kopf ab gelähmt, sitzt im Rollstuhl, kann sich nur noch mit hochmoderner Technik aus seinem ewigen Gefängnis – seinem gelähmten Körper – mühevoll für Sekunden befreien.

Während Sven R., der vor seiner Verhaftung im September 2015 in Offenbach in einer Spedition gearbeitet haben soll, behauptet, er habe während der Schlägerrei mit Mark Herbert im August 2012 am Aussichtsturm Bieber in Offenbach Flipflops getragen und hätte demnach gar nicht stark zutreten können, zerpflückte ein Gutachter dieses Szenario in der Luft. Er sagte, er schließe aus, dass Mark Herbert sich die Verletzungen an der Wirbelsäule selbst zugefügt haben könne.

Das hatte nämlich Sven R. wiederum behauptet. Der Gutachter hielt dem entgegen: Die Mediziner würden solch dramatische Wirbelsäulen-Verletzungen wie im Falle von Mark Herbert kennen – und zwar bei Motorradopfern. Das heißt: Es benötige enorm viel Kraft, um Wirbel an der Wirbelsäule so zu beschädigen, dass daraus eine dauerhafte Querschnittslähmung oder gar Ganzkörperlähmung entstehe. Kraft, die der Gutachter offensichtlich am ehesten dem einstigen Bodybuilder-Bullen Sven R. zutraut.

Der Anwalt von Mark Herbert, Jörg Dietrich, kommentierte den bisherigen Prozess in Offenbach: „Herr Herbert ist sehr, sehr betroffen, wie Herr R. versucht, sich hier rauszureden. Das geht ihm schwer an die Nieren. Dabei hat halb Offenbach Angst vor dem Täter. Es geht Mark Herbert nur um Gerechtigkeit. Er hat den Lebensmut und Humor noch nicht verloren.“

Gegenüber Bild-Frankfurt sagte die Mutter von Mark Herbert, Anja Herbert (50): „Mark war früher sehr selbständig, lebte in einer eigenen Wohnung. Jetzt braucht er rund um die Uhr Betreuung. Ich habe meinen Halbtags-Job aufgegeben, pflege ihn. Er lebt wieder bei mir.“

Während Mark Herbert Sven R. als Täter sieht, weist dieser die Schuld am Konflikt dem Gelähmten selber zu: „Ich wollte nur mit ihm reden, eine Konfrontation vermeiden. Ich hatte nur Flip-Flops an. Er schlug mir gegen die Hand, 2 Minuten haben wir gekämpft. Herr Herbert rannte wie ein Stier auf mich zu, mit weit aufgerissenen Augen. Traf mich in Bauchnabelhöhe. Ich sackte zusammen, war benommen. Hab meinen Flip-Flop verloren. Er lag mit Bauch und Gesicht nach unten.“

Trotz der Lähmung von Kopf ab will Sven R. Mark Herbert nicht das Genick gebrochen haben. Angeblich, heißt es vor Gericht, könnten auch Drogen bei Sven R. im Spiel gewesen sein.

Wir meinen: Ob Drogen oder nicht: Sollte Sven R. vor dem Gericht in Offenbach schuldig gesprochen werden, so gilt: Wer anderen in einer Schlägerei das Genick bricht hat keine Gnade verdient. Lebenslang im Rollstuhl sollte mit Lebenslang beantwortet werden. Hinzu kommt: Sollte er für schuldig gesprochen werden – worauf vieles hindeutet – so zeichnet sich als weiter belastendes Bild ein junger Mann, der sich dreist und feige jahrelange wegduckte vor der eigenen Schuld.

So etwas wäre an Schäbigkeit nicht mehr zu überbieten. Doch auch Offenbach hat Schuld. Schuld, dass jahrelang die einzigen Zeugen – vor allem Zeuginnen – wegschauten und nicht wahr haben wollten, was aber Realität war: Dass mitten in Offenbach ein Mann herumläuft, der offensichtlich längst aus dem Verkehr gezogen gehört. Solle Sven R. tatsächlich dieser Mann sein, so gilt zudem: Drogen können keine Entschuldigung sein für solche Gewalt-Exzesse.

Auch die Staatsanwaltschaft Offenbach und die Gerichte in Offenbach zeigten bislang keine gutes Bild. Gut, dass dieses endlich korrigiert wird und vor Gericht verhandelt wird, was schon zum Zeitpunkt der Tat am Aussichtsturm in Offenbach Bieber – bekannt auch als Bieberer Aussichtsturm – vor vier Jahren hätte verhandelt werden müssen:

Eben der Anschlag auf das Leben und Lebensglück eines damals erst 23-Jährigen Offenbachers mit dem Namen Mark Herbert. Kein Wunder, dass viele in Deutschland den Täter, der Mark Herbert in den Rollstuhl prügelte, als „Schläger-Schwein“ bezeichnen. Und das ist noch die harmlose Bezeichnungs-Variante.



Kommentare (1)


Haus 28. November 2018 um 22:40

Es handelt sich um Sven Rüll aus Offenbach. Bei ausländischen Terroristen nennt man ja auch den kompletten Namen. Und das was der Typ gemacht hat, ist lokaler Terror, ganz klarer Terrorismus mit dem Versuch, den Staat auszuhebeln. Wozu da noch den Namen abkürzen???

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