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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Libyen droht die Spaltung – ölreiche Region um Bengasi erklärte Autonomie

Der Preis für ein mehr oder weniger freies Libyen war hoch und blutig: Rund 50.000 Menschen soll das westliche Kriegsbündnis NATO durch seine Zehntausenden abgeworfenen Bomben auf Libyen im Jahr 2011 umgebracht haben. Die Angaben beruhen auf Schätzungen zahlreicher libyscher Gruppen, darunter auch Mitgliedern des Nationalen Übergangsrats. So viele Tote im Namen des Kampfes für die Demokratie und im Namen des Kampfes gegen den über 40 Jahre regierenden Diktator Muhammed al Gaddafi. So weit so scheußlich.

Um Öl habe es niemals gegangen, als man zum NATO-Kriegsangriff auf Libyen aufrief, behaupteten stets großspurig die Regierungschefs jener Länder, die einstmals die größten Kolonialherren in Afrika waren, also Frankreichs und Britanniens. Einen friedlichen Weg der Demokratie-Bildung hatte man von Anfang an in dem Land gar nicht gesucht. Doch jetzt bestätigt sich, was Kritiker der NATO-Angriffe auf Libyen stets gesagt hatten: Es geht doch primär mal wieder ums Öl. Denn nur Länder, in denen es Öl gibt, sind für den Westen wirklich interessant: Das fängt beim Irak an, geht über Syrien, Libyen bis hin zum Iran.

Es ging mal wieder hauptsächlich ums Öl

Dass das Öl auch Triebfeder für den gewaltsamen Umsturz in Libyen war, zeigt sich nun klarer denn je. Grund: es droht sogar die Spaltung des Landes. So erklärten sich kürzlich die ostlibyschen ölreichen Regionen rund um Bengasi, einer 800.000-Einwohner-Stadt, als autonom. Bengasi war Zentrum des Widerstands-Kampfes gegen das Gaddafi-Regime.

Mit der nun vollzogenen Autonomie-Erklärung wird gleichzeitig das Lügengebäude, das die UNO, samt westlichem Kriegsbündnis NATO, im Jahr 2011 aufgebaut hatte, eingerissen. Man hatte stets schwadroniert, es gehe den harmlos als „Rebellen“ bezeichneten Gaddafi-Gegnern, die nicht nur durch NATO-Massenbomben aus der Luft, sondern auch durch französische Fremdenlegionen unterstützt worden waren, nur um die Erschaffung einer Demokratie. Wie demokratisch gesinnt die neuen Machthaber in Libyen sind, zeigt sich daran, dass es noch nicht einmal eine Volksabstimmung zur regionalen Autonomieerklärung in den ölreichen Regionen gegeben hatte. Es gab lediglich einen Beschluss mehrere Stammesfürsten.

Damit tritt genau das ein, was die Gaddafi-Regierung immer sagte: Es sei im libyschen Bürgerkrieg nicht primär um Demokratie gegangen, sondern um den Zugriff auf das Öl – und zwar durch die ostlibyschen Clans. Zwar verlautbarte aus dem Westen Libyens, man wolle unter allen Umständen eine Spaltung des Landes verhindern, doch wirklich wehren wird man sich dort nicht können. Die Europäer hatten vor Jahrzehnten Libyen willkürlich geschaffen. Auch wenn die ersten Frühlingsstrahlen in dem Land am Horizont auftauchen. Die langen Schatten der Vergangenheit, auch der willkürlichen europäischen Kolonialzeit – sie sind endgültig da.

Der Westen lehnt sich derweil zurück. Keine Forderungen nach Demokratie-Aufbau ist mehr von Sarkozy, Cameron, Merkel oder Obama zu hören. Es herrscht das Schweigen im Walde. Auch das ist konsequent. Die durch den Westen ermöglichte und unterstützte Ermordung des langjährigen libyschen Staatschefs und Diktators Muhammed al Gaddafi ist ja vollzogen. Die Späte Rache an einem, der nie ganz mit dem Westen wollte, dafür sich aber mit seinem Ölreichtum für ein starkes und entwickeltes Afrika einsetzte, ist ja vollzogen.



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