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Dienstag, 07. Juli 2020

Karfreitag starb Jesus Christus am Kreuz: Der Tag an dem die menschliche Gewalt einen Namen bekam

The figure of Christ Crucified in Cristo de la Clemencia as sculpted by Juan Martinez Montanes in 1603 and is done in wood, gessoed, polychromed and gilded

Heute ist Karfreitag – der Tag, der zum Synonym menschlicher Gewalt geworden ist. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Jesus Christus, so sagt es die Legende, musste sein eigenes Kreuz auf der Via Dolorosa tragen, sein Kreuz, auf dem er anschließend gemartert, gekreuzigt und gestorben ist.

Im Evangelium steht zu Christus Kreuzigung nach Lukas, Kapitel 23, Verse 36-38, geschrieben: „Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.“

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ waren mit die letzten Worte Jesus. Manchmal werden sie auch als „Mein Vater, mein Vater, warum hast Du mich verlassen“ umschrieben (Mk 15,34 EU; Mt 27,46 EU). Es ist die aramäische Übersetzung des 22. Psalms („Eloi, Eloi, lama sabachtanei?“). Die Menschheit hört darin bis heute den bedrückenden Klageruf Jesus, der sich von Gott, seinem Vater, aber auch seinen Jüngern, seinen besten Freunden, verlassen sieht. Es sind die dramatischten Worte, die wir mit dem Sterben eines Unschuldigen verbinden. Bis zum heutigen Tage stehen sie für staatlichen Unrechtsterror auf der einen Seite und menschliche Ohnmacht und Verzweiflung der Opfer. Bis zum Untergang dieser Welt werden diese Worte in aller Ewigkeit um die Welt hallen, als symbolischster Ausdruck menschlicher Verzweiflung in einsamsten Stunden.

Hunger, Armut, Einsamkeit, Heimatlosigkeit

Gleichzeitig steht der Karfreitag für eine Welt, in der Millionen Menschen bis zum heutigen Tage sich dieses immer wieder fragen: Warum hast Du, warum habt Ihr, uns oder mich, verlassen? Hunger, Armut, Krieg, Einsamkeit, Heimatlosigkeit, Krankheit – das sind die drückendsten Dinge menschlichen Lebens.

Jesus Christus ist am Karfreitag für uns gestorben, so hören wir es in den christlichen Kirchen heute rund um den Globus. Er sei gestorben, um bei Gott die Sünden der Menschen zu tilgen, so lässt sich die Bibel interpretieren. Je mehr Menschen auf der Welt sind, desto mehr Gewalt, Krieg, Mord, Ungerechtigkeit. Die Welt ist in Summe nicht besser und friedlicher geworden. Auch wenn uns gewalttätige Herrscher wie Herodes in Israel mit heutigem Abstand als ungeheuerlich vorkommen: Die Gewalt von damals – sie ist im Angesicht der heutigen massenhaft ausgeübten Gewalt, die ja nicht nur von Unrechtsstaaten, sondern auch von Rechtsstaaten, ausgehen kann, geradezu kleinlich.

Spätestens seit den 50.000 Toten, die das westliche Kriegsbündnis NATO in Libyen zu verantworten hat, wissen wir, dass Demokratien mindestens genauso gewalttätig sein können, wie schlimmste Diktaturen. Das Problem ist nur: Die Demokratie hat den großen Vorteil, dass sie medial sich eher im Schutzmäntelchen der scheinbaren Gewalt-Legalität sonnen kann. Das macht aber Kriege, die von Demokratien ausgehen, umso gefährlicher. Einen Unrechtsstaat durchzieht Gewalt häufig in all seinen strukturellen Belangen. Das macht es einfach, ihn der Gewalt und des Terrors zu überführen.

Gewaltsame Aktionen von Demokratien lassen sich besser verstecken

Eine Demokratie erlebt Gewalt eben nicht in all ihren Strukturen. Deshalb ist es auch in der medialen Berichterstattung umso schwieriger, gewaltsame Aktionen von Demokratien, die einem Agieren von Unrechtsstaaten ähneln können, fassbar zu machen und abzubilden. Wenn eine Demokratie Krieg führt, wirkt das bei den Menschen in der Demokratie immer so, als sei das stets und unausweichlich die ultimo Ratio, die letzte Option. Doch im Libyen-Krieg hat der Westen seine moralische Überlegenheit beim Thema Menschenrechte und Friedfertigkeit dazu benutzt, um in einem ungeheuerlichen Ausmaß wie ein Unrechtsstaat zu agieren und Massentötungen an politisch missliebigen Gegnern zu begehen.

„Warum hast Du mich verlassen?“ Diese Frage Jesus wird uns künftig nicht weniger, sondern eher mehr beschäftigen. Nie wieder Krieg – diesen Schlachtruf der Alt-68er, oder einst pazifistischer Parteien, wie der GRÜNEN, – man hört ihn immer seltener. Zu weit scheinen die traumatischen Bilder und Erlebnisse des Ersten Weltkriegs und Zweiten Weltkriegs entwichen, als dass sich heute noch Menschen auf die Straßen begeben würden, mit der Forderung „Nie wieder Krieg“.

Doch gerade heute, im Angesicht der Tatsache, dass selbst demokratisch gewählte Präsidenten und Minister offen kriegerische Maßnahmen gegen souveräne Staaten wie Iran, Syrien, Pakistan, fordern, ist der Schlachtruf „Nie wieder Krieg“ wichtiger denn je. Insofern hat der deutsche hoch angesehene Literaturpapst Günter Grass, eben doch Recht, wenn er sagt: Wir haben zu lange geschwiegen. Wenn Jesus Christus nicht umsonst am Kreuz gestorben sein soll, muss sich die Menschheit mutig für den Frieden auf der Welt einsetzen und sich gegen jene wenden, die stets nur in der Gewalt eine Lösung der Probleme sehen.

Apostolische Glaubensbekenntnis

Auch wenn die Worte „Nie wieder Krieg“ zunehmend an Strahlkraft im Westen verlieren: Das Apostolische Glaubensbekenntnis, welches seit vielen Jahrhunderten von den Christen weltweit gesprochen wird, ist nach wie vor der eindringlichste Donnerhall für den Frieden auf der Welt. Das gilt gerade auch für Ostern:

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.“


Kommentare (4)


sankt tat 29. März 2013 um 7:11

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Das sieht ja mal wieder beschissen aus für uns Evangelischen…..
na ja, vielleicht mag er uns ja auch, ein bisschen.

sankt tat

Antworten

Uschi 29. März 2013 um 7:11

Verwunderlich auf welchen Seiten Unister erscheint. Seit wann gehört eine Firma zu Kriegsberichten? Im übrigen ist ja wohl erwiesen, dass es „Ungereimtheiten“ bei Unister gibt. Diese Verzweigungen mit… Kriegsberichterstattungen und´Unister – sehr komisch und hat ein „Gschmäckle“. Wäre wohl besser für Kriegsberichterstattungen sich ganz raus zu halten! Zu den anderen Kommentaren: Werdet Ihr von Unister bezahlt?

Antworten

Stefan Wehmeier 7. April 2012 um 0:23

(NHC II,3,21) Diejenigen, die sagen: „Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden“, sind im Irrtum. Denn er ist zuerst auferstanden und dann gestorben. Wenn jemand nicht zuerst die Auferstehung erwirbt, wird er sterben.

Die Auferstehung ist ein elementarer Erkenntnisprozess, nicht das „Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab“. Und der Tod in der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis 11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften), die dadurch gekennzeichnet ist, dass ihre Verfasser die wirkliche Bedeutung der in Genesis 3,1-24 beschriebenen Erbsünde noch kannten, ist nicht der biologische Tod, sondern der geistige Tod durch religiöse Verblendung (künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten).

Wer das nicht weiß, kommt nicht darauf; wer es aber erklärt bekommt und dann die irrwitzigsten Ausreden erfindet, um es nicht verstehen zu müssen, sollte sich ernsthafte Gedanken um seine geistige Gesundheit machen.

http://www.deweles.de/intro.html

Antworten

Frank Walter 6. April 2012 um 14:24

Man sollte auch nicht vergessen, dass dieser Tag eigentlich ein heidnischer Feiertag ist. Die Christen hatten systematisch heidnische Feiertage mit eigenen Feiertagen besetzt, letztendlich mit Erfolg. Die Kreuzigung Christus sollte eher an einem festen Tag bedacht werden, scheinbar weiss keiner so genau, wann es wirklich war.

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