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Dienstag, 15. Oktober 2019

Gegner NATO-Gipfel, G8-Gipfel: Tausende demonstrieren in Chicago

Jahrelang war es still an der Anti-Kriegsfront. Ob NATO-Massenbomben in Libyen oder Drohnen-Tötungen weltweit – fast keinen im Westen hat es gestört. Zu sehr drückte Millionen Menschen die Weltwirtschaftskrise. Doch jetzt scheint wieder Bewegung in die Friedensbewegung zu kommen. Unzählige Busse sind derzeit unterwegs nach Chicago – dem Ort des Gipfels des westlichen Kriegsbündnisses NATO sowie der G8-Staaten, dem Treffen der führenden Industrienationen der Welt.

Chicago ist mit 2,7 Millionen Einwohnern Amerikas drittgrößte Stadt, geprägt durch eine beeindruckende Wolkenkratzer-Skyline. Gleichzeitig ist sie Heimat des US-Präsidenten Barack Obama (Demokraten), welcher bislang auf der Weltbühne alles andere als Friedensengelgleich agierte. So zog er die Fäden im Libyen-Krieg mit durch die NATO verursachten geschätzten 50.000 Toten.

Zudem ließ er, berichtete vergangenes Jahr das angesehene Wallstreet Journal, innerhalb von nur zwei Jahren weltweit mehr als 2000 Menschen durch Zielraketenangriffe, abgeworfen von unbemannten Flugzeuge, den Drohnen, umbringen. Eine völkerrechtliche Basis dafür gibt es nicht. Die US-Rechtfertigung: Es habe sich bei den Drohnen-Toten um Terroristen gehandelt. Doch zu einem juristischen Prozess ist es nie gekommen, die Beschuldigungen beruhen ausschließlich auf Informationen der CIA, des FBI oder militärischer US-Quellen.

Und nun also kommt wieder Schwung in die Friedensbewegung – wenigstens für ein paar Tage in Chicago. So viele Regenbogenfahnen wie jetzt anlässlich des NATO-Gipfels a 20. und 21. Mai sah man zuletzt vor rund zehn Jahren. Damals marschierte US-Präsident Georg Bush im Irak ein und ließ Diktator Saddam Hussein stürzen und einige Jahre später in einem Prozess hinrichten.

Unterschiede zur Friedensbewegung des Irak-Kriegs

Doch es gibt einen Unterschied zur Friedensbewegung damals: Die Masse der weltweiten Demonstranten war eher namenlos. Heute versammeln sich Hunderttausende unter dem Namen „Occupy-Bewegung“. Sie wendet sich aber nicht nur gegen Krieg, sondern auch gegen die Weltfinanzmacht, die ihrer Meinung nach erheblich zur Weltwirtschaftskrise beigetragen hat durch maßlose und riskante Spekulationsgeschäfte an der Börse.

Die Organisatoren der Friedensbewegung von Chicago hoffen auf Zehntausende Demonstranten an diesem Wochenende. Susanne, eine 32-Jährige Deutsche, die in den USA lebt, sagt: „Die NATO-Massaker in Libyen mit 50.000 Toten – wir werden das nicht vergessen“. Auch sie möchte in Chicago mit demonstrieren. Die NATO sei für sie, sagt Susanne, mittlerweile eine „Nordatlantische Terrororganisation von Politikern die glauben, die ganze Welt beherrschen und bevormunden zu können“.

Schon seit Monaten bereiten unzählige Friedensaktivisten ihre großen Demonstrationen in Chicago gegen NATO-Kriege und „westlichen Imperialismus“ vor. Zahlreiche Geschäfte, besonders Banken und Versicherungen, aber auch Immobiliengeschäfte – die sogenannten Real Estate-Geschäfte – habe ihre Fenster sicherheitshalber verrammelt.

Dass die NATO und G8-Chefs sich auf heiße Tage gefasst machen müssen, ist auch daran zu merken, dass die Stadtoberen und die US-Sicherheitsbehörden permanent Hubschrauber über Chicago kreisen lassen. Sie sind mit Kameras ausgestattet und sollen alles „Auffällige“ melden.

Bislang friedlich unterwegs

Derzeit sind die Demonstrationen in Chicago allerdings noch friedlich. Rund 3000 Menschen sind bislang in der Stadt aufgelaufen, um ihren Unmut gegen die weltumspannenden offenen oder geheimen Einsätze der NATO kundzutun: In Libyen, Pakistan, Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Jemen, dem Horn von Afrika – die Liste könnte beliebig weitergeführt werden.

Doch nicht nur Friedensaktivisten nutzen das weltweite Medieninteresse an Chicago derzeit für die Öffentlichkeitmachung ihres Anliegens. Auch Krankenschwestern, berichtet stern.de, wollten beispielsweise gegen das immer noch ungerechte und für normale Bürger viel zu teure Gesundheitssystem demonstrieren. Gut 2000 Journalisten seien derzeit in Chicago als Berichterstatter zum NATO- und G8-Gipfel anwesend, heißt es.

Auch auf politischer Bühne geht es heiß her

Für Bewegung sorgen allerdings nicht nur die zahlreichen Demonstranten, sondern auch die unterschiedlichen politischen Interessen der in Chicago versammelten Staatschefs. So kündigte zum Auftakt des G8-Gipfels sowie des NATO-Gipfels der neue französische Präsident, Francois Hollande (Sozialisten), an, er wolle die französischen Truppen und Soldaten zwei Jahre früher als geplant aus Afghanistan abziehen.

Auch er sieht, wie viele andere Politiker, zunehmend den Kampf der NATO gegen die Taliban als aussichtslos an. Außerdem müsse das Land, so Frankreich, endlich stärker und selbständiger am eigenen demokratischen Aufbau mitwirken.



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