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Mittwoch, 19. September 2018

Hells Angels Prozess Kiel: Wer erteilte den Mordauftrag / Kronzeuge plaudert

Vor dem Kieler Landgericht wird derzeit viel schmutzige Wäsche gewaschen. So beschuldigt ein Kronzeuge der Staatsanwaltschaft, Steffen R., der wohl selbst in zahlreiche Straftaten verwickelt ist, einen anderen Hells Angels, Frank H., er habe einen Mordauftrag gegen einen Türken gegeben. Die Staatsanwaltschaft lässt derzeit bei Kiel den Betonboden nach der Leiche des Türken durchsuchen, doch bislang vergebens. Denn dort soll nach Aussagen des Kronzeugen, die Leiche des Türken einbetoniert worden sein.

Im Sitzungssaal 132 des Landgerichts Kiels geht es jedenfalls heiß her. Als R. seine etwas dubios klingende Geschichte erzählte, dass der Hannoveraner Hells Angels Chef den Mordauftrag gegeben habe, sprang ein erzürnter Mann mit den Worten auf „Der ist tot“. Anschließend soll er davon gelaufen sein und habe die Türe zugeknallt.

Etwas schmierig ist der Prozess des Landgerichts Kiels schon. Das liegt an den gesamten Prozessumständen, aber auch an den Zeugen, die geladen werden. Der angeklagte Mann und Kronzeuge, namens „Imperator“ sitzt in kugelsicherer Weste da. Zudem werden sowohl er wie seine beiden Anwälte von einer kugelsicheren Panzerglasscheibe vom sonstigen Zuschauerraum abgetrennt.

Selbst so mancher Gerichtsreporter notiert etwas sarkastisch, der Mann habe „ein erstaunliches Erinnerungsvermögen“. Denn R. packt mit solcher Plaudergeschwindigkeit aus, dass der eine oder andere sich fragt: Denkt der sich das jetzt gerade alles aus oder ist es die Wahrheit?

Da R. gleichzeitig Kronzeuge der Staatsanwaltschaft ist, gilt: Je mehr Vorlagen er für Anklagen gegen andere liefert, desto geringer wird sein eigenes Strafmaß. Das ist einerseits eine sinnvolle Justizhilfe, andererseits aber auch ein gefährliches Fahrwasser. Grund: Es setzt eine absolut seriöse und glaubwürdige Person voraus, die keine Märchen vor Gericht erzählt. Das ist der große Hasenfuß an dem Prozess vor dem Landgericht in Kiel.

Die dortige Staatsanwaltschaft steht sowieso nach ihren am Wochenende in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen mit 1200 Polizisten umfangreich und teuren durchgeführten Razzien gegen die Motorrad-Rocker Hells Angels massiv unter Druck. Grund: Weder fand die Staatsanwaltschaft bislang die groß im derzeitigen Prozess wiederholt angekündigte Leiche eines Türken im Betonboden einer Lagerhalle. Noch konnte sie der Öffentlichkeit sonstige nennenswerte weitere Beweise für umfangreiche organisierte Kriminalität der Hells Angels in Kiel präsentieren. Es hängt jetzt alles an dem Erfolg oder Misserfolg vom Prozess im Landgericht Kiel ab. Und das hängt letztlich wieder an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen des Kronzeugen R.

„Imperator“, der Rockername für Kronzeuge R., war jedenfalls Anführer der Hells Angels Unterstützergruppe „Legion 81“. Deshalb muss man dem Mann zumindest zu Gute halten: Er kennt sich aus in Kiel. Aber warum ausgerechnet, wie es seine Version ist, der Mordauftrag an dem Kieler Türken, Tekin B., 47, von einem Hells Angels aus Hannover gekommen sein soll, dafür gibt es keine schlüssige Erklärung.

Imperator sagt vor Gericht, er habe vom dem Mord „auf der Weihnachtsfeier 2012 gehört“. Seltsam auch, wie schnell die Männer der Motorrad Hells Angels Karriere machen. So sei er erst im Jahr 2010 „in den inneren Zirkel der Rocker aufgenommen worden“ und kurz darauf sei er schon Chef der Unterstützergruppe „Legion 81“ geworden.

Die Mord-Version erzählt R. dem Richter in Kiel folgendermaßen: So habe Hells Angel Frank G. auf der Weihnachtsfeier immer wieder ein seltsames Geräusch von sich gegeben, das dem quiekenden Bellen eines Seehundes gleichkomme: „Ich habe ihn gefragt, was das soll. Und erfahren, er mache sich lustig, es sei ein Witz. Er imitierte das Sterben des Türken.“
Schließlich habe Frank Hannebuth aus Hannover Grünes Licht gegeben, den Türken umbringen zu lassen.

Doch dieser weist das als Phantasterei von R. in einem Statement der Bild-Zeitung weit von sich. R. spinne wohl, er habe nie etwas von dem Türken bis zu dem Kieler Prozess gehört. H. ist Chef des Hells Angels Charters in Hannover. Inoffiziell bezeichnen ihn viele als Chef der circa 40 deutschen Hells Angels Ortsverbände. Doch: Eigentlich sind das alles eher lokale Einheiten, die keine verbindende Struktur, wie man es aus Bundesverbänden kennt, aufweisen.

Jedenfalls heißt es vor Gericht, nachdem der Mordauftrag an dem Türken erfolgt sei, hätten sich vier Rocker den Türken aus dem Kieler Stadtteil Gaarden gegriffen, umgebracht und anschließend in den Betonboden einer Lagerhalle bei Kiel eingelassen. Doch weder wurde bislang die Leiche des Türken im Betonboden gefunden, noch gibt es wirkliche Beweise, wer der Auftraggeber des Mordes war.

Vor Gericht erfährt die Öffentlichkeit nun: In den Mord sei auch ein gewisser D. verwickelt. Der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft Kiel selbst, R., muss wohl Augenzeuge gewesen sein, da er schildert, der Türke sei auch nach mehreren Schüssen immer noch lebendig gewesen. Zum finalen Todesschuss sei es schließlich von dem Rocker Frank G. gekommen. Er habe dem Türken in den Kopf geschossen mit den Worten „Ihr könnt gar nichts, alles muss ich machen.“
Letztlich soll die Bluttat in einer Kfz-Werkstatt in einem alten Transformatorenhaus in Kiel geschehen sein. Steffen R.: „Das Opfer lag dort noch eine Weile im Hof in einem Müllcontainer.“ Erst einige Zeit später habe man den Leichnam abtransportieren lassen und eben in das Fundament der Lagerhalle bei Kiel eingelassen.

Ebenfalls wird die erstaunte Öffentlichkeit Zeuge, wie stark der Bandenkrieg zwischen den Hells Angels sowie der konkurrierenden Rockergruppe, den „Bandidos“, neben Nordrhein-Westfalen in Schleswig-Holstein fortgeschritten ist. So sei auf das Haus des Kieler „Hells Angels“-Präsidenten Dirk R. (41) geschossen worden. Danach habe man – um sich wehren zu können – Pistolen und Schrotflinten überall in Kiel bei „unauffälligen Personen“ deponiert.

Zudem habe man schließlich, aus Angst ein Mordopfer der Bandidos zu werden, einen „gepanzerten Wagen nach Kiel gebracht“ und „eine Handgranate gekauft.“ Parallel hätten die Hells Angels auf Grund des aus ihrer Sicht sehr bedrohlichen Anschlags auf ihren Präsidenten, drei „Bandidos“ als mögliche Anschlags-Täter, identifiziert. Man habe beschlossen, diese wolle man töten. Die Adressen von den Bandidos-Mitgliedern habe man über einen „Angestellten einer Videothek in Neumünster“ gekauft. Dort seien zahlreiche Bandidos-Rocker Mitglieder gewesen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft habe nur ein Verbot der Rockergruppe der Bandidos in Neumünster einen Rockerkrieg mit Toten verhindern können.

Um den Mord durchführen zu können, sei schließlich Geld von Frank H. aus Hannover geflossen – 3000 Euro habe ihm dieser dem Kieler Kronzeugen persönlich gegeben. Davon hätte er ein Auto kaufen sollen sowie einen Anwalt finanzieren. Weiteres Details am Rande: Nach dem Anschlag auf ihren Präsidenten hätten die Hells Angels aus Kiel den Bandidos eine eindeutige „Warnung“ zukommen lasse.

Das habe Erfolge gezeigt, denn schließlich hätten einige Bandidos ihre Kutten abgegeben. Zudem hätte ein Bandidos ein Strafgeld für den Anschlag auf das Haus des Hells Angels Bosses in Kiel in Höhe von 10.000 Euro bezahlen müssen. Ebenfalls vor Gericht verhandelt wird derzeit das Attentat auf zwei Kinder von Bandidos-Familien, welche vor einem Kieler Fitness-Studio niedergestochen worden sind. Zwar hatten die Hells Angels den Familien anschließend 10.000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, das musste aber im Prozess wieder zurücküberwiesen werden.

Weitere schmutzige Details aus Kiel: Immer wieder sei es zu einer Zusammenarbeit zwischen Behörden und Hells Angels gekommen. Erleichterte Brandschutzauflagen seien mit kostenlosen Stunden in einem Puff vergütet worden. Selbst Polizisten hätten sich Geld in Briefumschlägen abgegriffen, und dafür schon einmal ein Auge zugedrückt. Für eine Warnung vor Razzien habe es 500 bis 1000 Euro gegeben. Obendrein habe ein JVA-Beamter inhaftierten Hells Angels mit Handys versorgt, obwohl das verboten ist.

Weitere Anklagepunkte gegen die Hells Angels in Kiel: Sexuelle Ausbeutung, räuberische Erpressung, Körperverletzung und Drogendelikte.

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Kommentare (2)


Birgit 7. Juni 2012 um 9:23

Ich verfolge die ganze Berichterstattung von Anfang an!
Meiner Meinung nach zeigt der Staat mit diesen ganzen Maßnahmen nur seine Hilflosigkeit zeigt.Es wird auf Biegen und Brechen nach irgendwelchen Beweisen gesucht.Was erwarten die Strafverfolgungsbehörden bei den ganzen Razzien zu finden?Unterlagen für Mordaufträge,Drogendeals usw.!Und was Steffen R. angeht,tja,hören sich an wie auswendig gelernt.

Antworten

Rudi 1. Juni 2012 um 11:03

Lächerlich…Schon alleine die genannten Summen sind sooooo Lächerlich wie nur etwas…Welcher Polizist riskiert seinen Job und Zukunft für 500-1000€…JVA Beamter der ein Handy in den Knast Schmuggelt-Ohh welch Verbrechen…Wenn jeder der ein Handy im Knast hat heute entlassen wird,wären Deutsche Knäste leer…und das Schlimme Verbrechen jemand ’ne Nummer im Puff aus zu geben damit man irgendwelche Erleichterungen hat-Was jeder Handwerksmeister machen würde-wenn er könnte…Und Die Tolle Leiche des Türken??? Wo ist Sie denn-Wie wir ja aus 100erten Dokus wissen würde man wohl sowohl in besagtem Müllcontainer als auch in der Halle wohl einen Blutspritzer finden…Leichenspührhunde und das entfernen des kompletten Bodens hätten doch aber wohl nach einem so tollen Tip zu einem Ergebniss geführt…Der Ex-Vize President des Kölner Charters der Hells Angels ist einfach Sauer und angepisst das man ihn nach einem „PRIVATEN“ Kokain Deal aus dem Club geschmissen hat und ihm seine Abzeichen genommen hat und er Angst davor hatte in Zukunft von jedem Prospect usw. angespuckt zu werden-Darum geht es diesem Rückradlosen Schwetzer-und sonst nichts!

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