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Dienstag, 11. Dezember 2018

Syrien-Spezial: Scholl-Latour attackiert Anne Wills ARD-Spezial zu Syrien mit dem suggestiven Titel Assad lässt Kinder töten

Mit dem für die ARD ungewöhnlich suggestiven Titel ‚Assad lässt die Kinder töten‘ hat die ARD-Moderatorin Anne Will, sonst durchaus eine politische-moderate Vertreterin, eine Talkshow am Mittwochabend ins ARD-Programm gehievt, die nach Ansicht von den bekannten Kriegsreportern Peter Scholl-Latour sowie Jürgen Todenhöfer eine Zumutung für die Zuschauer eines öffentlich-rechtlichen Senders sei. Todenhöfer boykottierte deshalb sogar das Syrien-Spezial in der ARD.

Anne Will fällt mit ihrer Talkshow aber gar nicht aus dem Rahmen sonstiger suggestiver Politsendungen besonders im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Allerdings wird es unseriös, wenn Anne Will das mit Milliarden Gebührengeldern bezahlte öffentlich-rechtliche Fernsehen missbraucht um einseitige politische Kriegspropaganda zu machen. So sagt ein Sprecher aus dem Off in ihrer Sendung: „Das Regime von Baschar Hafiz al-Assad ist verantwortlich für das Massaker in Al-Houla.“ Grund: Es gibt zahlreiche Hinweise, dass gerade das Massaker von Al-Houla nicht auf Assads Konto geht, zumal die abgeschlachteten 100 Menschen Familien waren, die zu seinen Anhängern gehörten. Es ist sogar die Rede von „Säuberungsaktionen“ gegen assad-getreue Clans (Massaker Al-Hula in Syrien mit über 100 Toten: ANNA-News war vor Ort, spricht von Säuberungsaktion gegen regimetreue Familien).

Sachlich peinlich wird es auch, wenn mit der Einblendung eines Zitats von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die generell fordert, dass die Menschenrechte in Syrien eingehalten werden, suggestiv getan wird, als wäre sie für eine Militärintervention in Syrien. Denn: Merkel hatte, ebenso wie ihr Außenminister Guido Westerwelle (FDP), eindeutig gesagt, dass ein militärisches Eingreifen (Anmerkung: mit zehntausenden Toten, die die NATO dann wieder zu verantworten hätte) nicht in Frage käme. Im Libyen-Krieg hat die NATO ungefähr 50.000 Tote nach Schätzungen der Konfliktparteien auf dem Gewissen.

Gegen einen NATO-Militärschlag wendete sich in der Anne-Will-Sendung auch Theo Sommer, Herausgeber der Zeit. Auf die Frage von Anne Will, wer denn das Massaker in Al-Houla in Syrien, welches über 100 Tote kostete, darunter 32 Kinder, zu verantworten habe, sagte er: Ich kann Ihre Frage nicht beantworten. Heißt: Er wollte nicht spekulieren über etwas, was er nicht weiß. Auch Sommer ist, wie Scholl-Latour und Todenhöfer, gegen ein militärisches Eingreifen der NATO. Er halte es für naiv, dass man mit einem westlichen militärischen Eingreifen nachhaltig eine Befriedung erreichen könne. Dafür forderte er humanitäre Hilfe von der deutschen Bundesregierung: „Wenigstens zehn Millionen Euro, damit wir den Flüchtlingen helfen können“.

Sommer sagte zudem provokativ in Richtung Julian Reichelt, den Kriegsreporter der Bild-Zeitung: Wie lange sind sie bereit diesen Krieg zu führen? Wie viele tote Bundeswehrsoldaten sind sie bereit zu akzeptieren? Eine wirkliche Antwort hatte auch Reichelt darauf nicht. Im Afghanistan-Krieg sind bislang 52 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Politische Behauptungen, welche nicht nachweisbar sind, verbreitete in der Anne-Will-Sendung zudem Huberta von Voss-Wittig. Obwohl es zahlreiche Hinweise, auch glaubhafte gibt, darunter auch aus dem UN-Sicherheitsrat, dass eben nicht das Assad-Regime für das Massaker in Al-Houla verantwortlich ist, sagte sie, ohne dass sie dafür Beweise hätte, dass eben doch Assad daran Schuld habe. Bemerkenswert: Immerhin war auch sie gegen ein Eingreifen der NATO in Syrien.

Hingegen ist Julian Reichelt eindeutig für eine NATO-Intervention. Der sonstige immerwährende Anhänger einer Militär-Intervention, Michael Wolffsohn, scheint sich da noch unsicher zu sein. Bemerkenswert: Wolffsohn fordert, wenigstens eine Schutzzonen in Syrien aufzubauen, „um die Streithähne auseinander zu bekommen“. Interessant zudem: Wolffsohn erwähnte, dass das Problem auch darin bestehe, dass viele orientalische Staaten eben aus der Kolonialzeit stammten, dass also die Staatsgrenzen „niemals die gesellschaftlichen Wirklichkeiten präsentiert haben“.

Scholl-Latour zählte auf: Irak-Krieg bei 150.000 Toten (darunter 52 Bundeswehrsoldaten aus Deutschland) und täglichen furchtbaren Terroranschlägen nicht wirklich gewonnen. Libyen-Krieg nicht wirklich gewonnen, zudem Tausende Tote durch die Nato. Obendrein steht der Staat strukturell auf der Kippe hin zu einem gefallenen Staat. Somalia ein gefallener Staat. Afghanistan verloren. Die Kosten bislang: Weit über 100 Mrd. Euro der westlichen Steuerzahler. Angesichts der nicht guten Kriegsbilanz des Westens und der NATO sagt Scholl-Latour: Warum also jetzt so tun, als wäre mit einer Intervention ausgerechnet im religiös heillos zerstrittenen Syrien etwas zu erreichen?

Doch so oder so: Einfach würde eine NATO-Intervention sowieso nicht. Gaddafi hatte in Libyen rund 21.000 Soldaten, Assad nach Schätzungen 450.000 Soldaten. Hinzu kommen starke Verbündete: Russland, China, Iran. Nach dem Libyen-Massaker in das die NATO involviert war und es auch maßgeblich zu verantworten hat, werden sich Russland und China hüten, dem Westen wieder einen Freifahrtschein auszustellen.

Interessanter Nebenaspekt in Anne Wills Sendung: In einem Beitrag werden Hunderte syrische Demonstranten in Berlin gezeigt. Fast alle verteidigen den syrischen Präsidenten Assad. So sagt ein Mann: „Es wird gelogen, gelogen, gelogen.“ Der Westen verbreite also Kriegspropaganda gegen Assad.

Absolut unglaubwürdig war in der Sendung der bayerische Kabarettist Christian Springer. Aber immerhin: Während viele nur reden, fuhr er ins syrische Grenzgebiet, um Flüchtlingen zu helfen. Dennoch wollte man seinen recht einseitigen und verblendet wirkenden Stellungnahmen nicht so recht zuhören. Seine Äußerungen wirkten sehr emotional und einseitig. Für ihn gibt es auch nur einen Schuldigen: Assad. Terroristen im Land, auch Söldner, gibt es für ihn nicht, obwohl es auch hier zahlreiche glaubhafte Hinweise gibt. Immerhin räumt Springer ein, dass es in Syrien ein Krieg um Energie ist, um Gas und Öl.

Das war auch schon Dreh- und Angelpunkt des Libyen-Krieges. Im Rückblick auf diesen vom Westen mit zehntausenden Bomben geführten Krieg und rund 50.000 Toten kritisierte Scholl-Latour noch einmal das schiere Ausmaß der damaligen grausamen Gewalt, in die der Westen in Libyen verstrickt war. Als herausstechendes Beispiel nennt er die Pfählung des ehemaligen libyschen Machthabers Muhammed al Gaddafi, der zuvor stundenlang von den „Rebellen“ gefoltert worden war. Die „Rebellen“ hatten ihm bei lebendigem Leibe eine 20 Centimeter Lange Messerklinge in den After eingeführt und ihn zuvor halbseitig skalpiert.

Die auch von Deutschland finanzierte NATO hatte dieses aus der Luft mit Drohnen und Militärattacken unterstützt. Jedoch war die Folterung und Ermordung des Staatschefs Gaddafi ein Kriegsverbrechen. Die Täter müssen nicht vor den Internationalen Strafgerichtshof, obwohl sie juristisch dort sich stellen müssten.

Artikel zum Thema Säuberungsaktionen in Houla:

Massaker Al-Hula in Syrien mit über 100 Toten: ANNA-News war vor Ort, spricht von Säuberungsaktion gegen regimetreue Familien

Zeigenaussagen zum Al-Houla-Massaker vom russischen Nachrichtensender ANNA-News, deutsche Übersetzung: http://apxwn.blogspot.de/2012/05/al-hula-eine-rekonstruktion.html

Russische Reporter berichten direkt aus dem Kriegsgebiet und scheinen objektiver zu berichten als viele westliche Medien:
http://maramus.livejournal.com/

ANNA-News russische Original-Seite: http://anna-news.info/node/6312

Kriegspropaganda:
Syrien-Krieg: Deutsche Medien manipulieren in Kriegsberichterstattung und Frankreich will Krieg

Gaddafi wurde nicht gepfählt sondern durch Messerstiche in den After und halbseitige Skalpierung ermordet



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