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Dienstag, 20. Oktober 2020

Wegen Nazi-Deportation Juden nach Auschwitz: Norwegische Polizei entschuldigt sich

70 Jahre nach Ende des von Deutschland angefangenen Zweiten Weltkrieges hat sich nun die norwegische Polizei bei den Juden entschuldigt. Sie hatte während der deutschen Besatzung Norwegens den Nationalsozialisten (Nazis) geholfen, hunderte Juden in das von Deutschland besetzte Polen und dort in das deutsche Vernichtungslager (Konzentrationslager) Auschwitz zu deportieren.

So half die norwegische Polizei den deutschen Nazis im November 1942 insgesamt 772 norwegische Juden auf Schiffe in Oslo zu bringen, damit diese nach Polen in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht werden konnten. Von den 772 Juden überlebten nur 32 das KZ-Lager. Neben Millionen Juden sind nach Angaben der polnischen Botschaft (Kommentar am Ende des Textes) auch auch Hunderttausende Polen, darunter ein großer Teil der politischen, kulturellen und akademischen Elite des Landes, ermordet worden.

Reidar Humlegard von der norwegischen Polizei wird von der Nachrichtenagentur Reuters mit den Worten zitiert: „Ich drücke meine Entschuldigung aus für die Rolle der norwegischen Polizei, welche geholfen hat, Juden zu verhaften und komplett unschuldige Opfer zu deportieren“. Neben den Verhaftungen kümmerten sich norwegische Polizisten auch darum, die Juden auf Lkws zu den Schiffen zu fahren. Es war ein weiterer Weg zur von den Deutschen angepeilten „Endlösung der Judenfrage“.

Bereits vor 14 Jahren hatte Norwegen auch finanzielle Reparationsleistungen an die Überlebenden oder Angehörigen der Deportierten überwiesen – beispielsweise für enteigneten Grund und Boden. Allerdings gilt es als unbestritten, dass die letztendliche Vernichtung in Auschwitz die deutschen Nationalsozialisten durchführen ließen. Von den damaligen Deportationen lebt noch ein heute 88-Jähriger Jude – Samuel Steinmann – und zwar in Deutschland. Er wird mit den Worten zitiert, die Entschuldigung der norwegischen Polizei komme zwar spät, aber es sei trotzdem gut, das jetzt zu hören.

Bis zum heutigen Tage gibt es auch in Norwegen Vorbehalte gegenüber Juden, so eine aktuelle Studie. Demnach hätte einer von 8 befragten Norweger negative Urteile über Juden – weshalb die Politik nun mit Aufklärungsarbeit versuche, rassistische Vorurteile zu bekämpfen.



Kommentare (2)


Redaktion 13. Januar 2014 um 21:15

@Botschaft Polen:

Vielen Dank für Ihren Leserbrief, den Sie uns als eMail geschrieben haben und den wir uns erlauben hier zu veröffentlichen. Wir werden das selbstverständlich umgehend korrigieren und entschuldigen die nicht ausreichende Differenzierung.

Die Redaktion

Antworten

Leserbrief Botschaft 13. Januar 2014 um 21:12

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Artikel, veröffentlicht am 26.11.2012 unter dem Titel „Wegen Nazi-Deportation Juden nach Auschwitz: Norwegische Polizei entschuldigt sich “ ist eine falsche und irreführende Formulierung verwendet worden „hunderte Juden in das polnische Vernichtungslager (Konzentrationslager) Auschwitz zu deportieren “.

Es ist immer wieder besonders bedauerlich, Redaktionen daran zu erinnern und ihnen erklären zu müssen, dass die KZs auf polnischem Boden alles andere als „polnische“ Lager waren, sondern von deutschen NS-Vertretern errichtete Lager, in denen neben Millionen Juden auch Hunderttausende Polen, darunter ein großer Teil der politischen, kulturellen und akademischen Elite des Landes, ermordet wurden. Unter diesen Umständen ist es von großer Bedeutung die offiziell anerkannte Terminologie zu verwenden: „Deutsches KZ-Lager auf dem (durch Deutschland) besetzten polnischen Gebiet bzw. in durch Deutschland besetzten Polen.“

Es ist immerhin bedauerlich, dass Journalisten, Politiker, sogar Historiker in aller Welt immer wieder von „polnischen Lagern“ sprechen, ohne sich Gedanken zu machen, wie diese Formulierung auf die Überlebenden und auf die Nachkommen der Ermordeten wirken muss. Die Verwendung des Adjektivs „polnisch“ im Bezug auf die nazi-deutsche VernichtungsLager ist historisch und moralisch nicht akzeptabel. Polen war Opfer des Krieges und nicht der Mittäter/Mitverursacher. Durch solche Wortbildungen können falsche Zusammenschlüsse gezogen werden. Viel mehr sogar. Dadurch werden falsche Gedächtniscodes distribuiert.

Daher bitte ich Sie hiermit um die Formulierung in der o.g. Publikation umgehend zu korrigieren.

Ich danke im Voraus für Ihr Entgegenkommen und verbleibe in Erwartung auf Ihr Entgegenkommen.

Mit freundlichen Grüßen

Jacek BIEGALA
Botschaftsrat
Botschaft der Republik Polen

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