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Freitag, 19. Oktober 2018

Sensation oder Justizirrtum? 73-Jähriger muss für Mädchen-Mord im Jahr 1957 erst jetzt ins Gefängnis

Ein halbes Jahrhundert später wird der Mord an einem erst 7-jährigen Mädchen in den USA jetzt doch noch gesühnt. Es geschah im Jahr 1957 als ein damals erst 18-jähriger in der kleinen amerikanischen Farmerstadt DeKalb County das erst siebenjährige Mädchen Maria Ridulph kidnappte, sich an ihr vergriff und anschließend brutal umbrachte. 55 Jahre lang konnte der angebliche Täter, der US-Bürger Jack Daniel McCullough, mehr oder weniger unentdeckt leben, lieben, lachen. Während die Eltern des ermordeten Mädchens keine ruhige Nacht mehr verbrachten. Jetzt muss er ins Gefängnis.

Deshalb sind die Angehörigen nun nach dem späten Schuldspruch des Gerichts entsprechend froh: „Es gibt Menschen Hoffnung, dass auch Fälle, die sehr lange zurück liegen, doch noch aufgeklärt werden können“, so der Bruder des ermordeten Mädchens, Charles Ridulph, zu US-Medien.

Dass der angebliche Mörder, den die US-Justiz nun der erstaunten Öffentlichkeit präsentiert, jetzt doch noch ins Gefängnis muss – für mindestens 14 Jahre – ist nicht der neuen Kriminalitäts-Technologie zu verdanken, sondern dem schlichten Umstand, dass ein Foto aufgetaucht ist, das den nun überführten angeblichen Täter im Jahr 1950 zeigt. Maris Kindheits-Freundin, Kathy Sigman Chapman – heute selbst um die 63 Jahre alt – behauptet, auf dem Bild sei jender Mann abgebildet, den sie damals im Jahr 1957 letztlich mit ihrer kurz darauf ermordeten Freundin gesehen habe – sprich: Jack Daniel McCullough.

Dennoch gibt es auch Zweifel an dem nun überführten angeblichen Mörder. Denn mittlerweile waren fast alle damaligen Zeugen, die mögliche Aussagen hätten treffen können, verstorben, selbst die involvierten FBI-Ermittler. In den USA gibt es n Mordfällen keine Verjährungsfrist. Auch bleiben in dem Fall viele Fragen offen: Ist es wirklich glaubhaft, dass ein im Jahr 1957 erst achtjähriges Mädchen sich überhaupt das Aussehen eines Mannes exakt einprägen kann und dann 55 Jahre später diesen auf einem Foto wieder erkennt und das das schon als Beweis für einen Mord ausreicht?

Zudem: Der heutige 73-Jährige müsste auf dem Foto noch ein Kind gewesen sein – um die zehn Jahre alt. Zum Zeitpunkt des Mordes war er aber mindestens 18 Jahre. So streitet denn auch der des Mordes verurteilte vermeintliche Täter die Tat ab. Er sei unschuldig, sagt sein Anwalt. Man schicke in den USA einen Unschuldigen ins Gefängnis und werde deshalb in Revision gehen.



Kommentare (1)


Tobias 22. April 2016 um 21:37

Scheint eher ein Irrtum gewesen zu sein, da der mann jetzt wieder auf freiem Fuß ist, siehe http://www.strafjournal.com/blog/usa-cold-case-aelteste-maria-ridulph

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