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Montag, 24. Februar 2020

Frankreich spielt im Krieg in Mali wieder Kolonialmacht / Erster toter französischer Soldat

Während eines Militäreinsatzes der französischen Streitkräfte im von einem Bürgerkrieg seit Monaten versinkenden kleinen afrikanischen Staat Mali kam ein erster französischer Soldat ums Leben. Das teilte der französische Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drianum mit. Bei dem Getöteten habe es sich um einen Militär-Piloten gehandelt.

Es ist nicht das erste Mal in den vergangene zwei Jahren, dass Frankreich in Afrika mit Militärjets in ihren ehemaligen Kolonien eingreift. Dabei gibt es Pros und Contras. Im Mali-Konflikt drohten islamistische Rebellen die derzeitige – allerdings nicht demokratisch legitimierte – Militärregierung in der Hauptstadt Bamako zu entfernen. Damit wäre Mali möglicherweise ein weiterer gefallener Staat gewesen. Das sind die Argumente der Befürworter des Militäreinsatzes.

Gegner sagen: Afrika sei kein europäischer Kolonial-Kontinent mehr und entsprechend müssten die Europäer – vor allem die als kriegerisch geltenden Franzosen – sich aus Afrika heraushalten.

Wie schon in allen anderen Krisenherden bedienen die westlichen Regierungen zur Begründung ihres Militäreinsatzes das Argument, es drohe die Übernahme Malis durch Al Quaida. Al Quaida gilt als Schlüsselreiz in westlichen Medien, welcher gerne in der Kriegspropaganda verwendet wird, um teils auch maßlose westliche Kriegsgewalt in Afrika, aber auch Irak, Afghanistan, Pakistan, dem Kurden-Gebiet zwischen Irak und der Türkei, oder Syrien, in der Öffentlichkeit zu „rechtfertigen“.

Der Militäreinsatz in Mali wird mittlerweile aber nicht nur von den Regierungstruppen Malis und dem Kriegsapparat der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich durchgeführt, sondern auch vom im Jahr 1975 gegründeten afrikanischen Regionalbündnis der „Economic Community Of West African States“ (ECOWAS).

Präsident der ECOWAS Commission ist His Excellency Kadré Désiré Ouédraogo. Die Organisation sieht ihre Aufgaben darin, den Mitgliedssaaten ökonomisch zu helfen, als auch für Stabilität in der Region zu sorgen. So bedankte sich beispielsweise der ECOWAS-Präsident Ouédraogo im Angesicht der militärischen Maßnahmen in Mali besonders bei den „Nigerian Armed Forces for their immense contribution to peace and stability in the region“. Er bedanke sich also für die große und wichtige Rolle des nigerianischen Militärs, um den Frieden und die Stabilität in den Ländern der ECOWAS aufrecht zu erhalten.

ECOWAS repräsentiert 298 Mio. Einwohner / Ehemalige britische Kolonie Nigeria ist mächtigster Staat

Die ECOWAS ist ein loser, aber institutioneller politisch-militärischer Zusammenschluss ehemaliger europäischer Kolonialstaaten, vor allem von Frankreich und Britannien (die das Bündnis auch maßgeblich mit finanzieren und dafür ihren politischen Einfluss in der Region aufrechterhalten können – trotz der offiziellen Unabhängigkeit aller afrikanischer Staaten). Das geografische Gebiet der ECOWAS umfasst rund 298 Mio. Einwohner. Die Hälfte der Einwohner entfällt auf die ehemalige britische Kolonie Nigeria (deshalb auch ihre starke militärische Bedeutung), der Rest ist überwiegend in ehemaligen französischen Kolonien angesiedelt. Folgende Staaten sind in der ECOWAS engagiert :

BENIN (ehemalige französische Kolonie, 8,9 Mio. Einwohner), BURKINA FASO (ehemalige franz. Kolonie; 16,7 Mio. Einwohner), CABO VERDE (ehem. portugiesische Kolonie; 516.000 Einw.), COTE D’IVOIRE (Elfenbeinküste; ehem. franz. Kolonie; 19 Mio. Einw.), GAMBIA (ehem. britische Terror-Kolonie mit über 3. Mio. verschleppten Sklaven; jetzt noch 1,7 Mio. Einwohner), GHANA (ehem. britische Kolonie; 25 Mio. Einw.) oder GUINEE (ehem. franz. Kolonie; 10 Mio. Einw.).

Weitere Mitgliedsstaaten in der ECOWAS-Organisation sind GUINEE BISSAU (ehem. portug. Kolonie; 1,4 Mio. Einwohner), LIBERIA (ehem. amerikanische und franz. Kolonie; 3,5 Mio. Einw.), MALI (ehem. franz. Kolonie, 15 Mio. Einw.), NIGER (ehem. franz. Kolonie; 16 Mio. Einw.), NIGERIA (ehem. britische Kolonie; 152 Mio. Einw.), SENEGAL (ehem. franz. Kolonie; 13 Mio. Einw.), SIERRA LEONE (ehem. brit. Kolonie; 5,3 Mio. Einw.) sowie TOGOLESE (ehem. franz. Kolonie, 6,6 Mio. Einw.).

Die Federführung des Militär-Mandats der ECOWAS in Mali hält derzeit die Regierung der Elfenbeinküste. Allerdings gilt der kleine afrikanische Staat als stark von Frankreich abhängig.

Türkei ist im islamischen Mali auch aktiv und spendet umfangreich Nahrungsmittel

Der Bürgerkrieg macht das Leben für viele Menschen in Mali derzeit schier unerträglich. So teilte die Regierung von Mali mit: „Die drei nördlichen Regionen unseres Landes sind seit mehr als drei Monaten von bewaffneten Banden und Islamisten, die in Plünderungen, Erpressung und anderen gefährlichen Straftaten engagiert sind, besetzt. Unsere Landsleute, die unter dem Joch der Bewohner leben, leiden körperlich und seelisch massiv unter den Aggressionen. Die jetzige Situation verlangt das menschliche Bewusstsein und erfordert Solidarität aller der malischen Gemeinschaft und auch der Solidarität internationaler Staaten.“

Teils sind die Versorgungsengpässe in der Region wohl bereits so groß, dass die Regierung sogar die Lieferung von Hundert Kästen Mineralwasser mit jeweils 1,5 Liter Flaschen bereits als große Aktion preist.

Neben der europäischen Macht Frankreich engagiert sich auch die Türkei zunehmend in islamischen afrikanischen Staaten. So empfing der „Hohe Islamische Rat von Mali“ eine türkische Regierungsdelegation, darunter auch türkische Firmenvertreter, die den Bürgern von Mali umfangreichere Nahrungsmittel spendete. Die Rede ist von 110 Tonnen Reis, 30 Tonnen Hirse, 4 Tonnen Milch, 20 Tonnen Zucker und 2 Tonnen Medikamente im Wert von angeblich geschätzten 100 Millionen CFA-Francs (circa 65 Mio. Euro; allerdings scheint der von Mali angegebene Spenden-Gegenwert etwas zu hoch angesetzt beim Blick auf die Spenden). Die Hauptspender der Nahrungsmittel scheinen die türkische Organisation „Turkiye Diyanet Vakfi“ sowie das Unternehmen „Basbakanlik Tika“ gewesen zu sein.

Homepage ECOWAS: ecowas.int/



Kommentare (1)


ENM 14. Januar 2013 um 21:32

Ob das wirklich ein Franzose war? Vermutlich ein Fremdenlegionär.

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