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Donnerstag, 17. Januar 2019

Mordete Israel Jassir Arafat 2004 mit Gift Polonium?

Der Tod des Palästinenser-Führers Jassir Arafat im Jahr 2004 kam für viele äußerst überraschend: Noch eben hatte er von der kurz bevorstehenden möglichen Gründung des Staates Palästina gesprochen, wenige Monate danach war er plötzlich Tod. Schon damals kamen erste Mordgerüchte auf.

Im Verdacht stand Israel, das seit Jahrzehnten mit allen Mitteln versucht einen palästinensischen Staat zu verhindern, da man in Sorge ist, damit seine eigene Staatsexistenz aufs Spiel zu setzen. Jetzt gibt es erneut Berichte, die den nicht natürlich Tod Jassir Arafats bestätigen könnten. Der Verdacht: Er wurde mit dem hoch effizienten Gift Polonium ermordet.

Polonium kann man nicht riechen und nicht schmecken, auch nicht sehen. Schon kleinste Mengen heimlich auf eine Zahnbürste geschmiert oder in den Kamm, auch in die Kleidung, können den Tod verursachen. Jedenfalls legte jetzt das Institut für Radiophysik der Uniklinik von Lausanne (CHUV) ihren Abschlussbericht bezüglich Arafat vor. Das Institut hatte die Überreste von Arafat im Auftrag der Witwe forensisch untersucht. Das Problem hierbei war der Zeitfaktor: Fast zehn Jahre ist auch für ein Gift ein langer Zeitraum. So kommt denn auch das Institut nun zu dem Urteil: „Man kann nicht sagen, dass das Polonium die Todesursache war“.

Damit lässt sich zumindest François Bochud, der Chef der Strahlenphysik in Lausanne, zitieren. Doch mit forensischen Untersuchungen in Leichen ist es so, wie mit digitalem Datenklau von Kreditkartendaten: Der Aufwand einer forensischen Untersuchung ist sehr langwierig, sehr teuer und sehr kompliziert. So kommen auch forensische Untersuchungen bezüglich möglicher digitaler Einbrüche häufig schlicht nur zu dem Ergebnis: Wir können es weder bestätigen, noch widerlegen. Das gilt oft auch für Giftmorde oder andere Morde.

So ergänzt denn auch François Bochud, der Chef der Strahlenphysik in Lausanne: „Unsere Resultate unterstützen nachvollziehbar die Vergiftungsthese.“ Man könne den Tod durch Polonium deshalb, sagte er weiter, „nicht ausschließen“. Die zurückhaltende Stellungnahme unterstützt eher die Mordthese und die Zurückhaltung ist auch verständlich: Man stelle sich vor, wenn wahrscheinlich Israel mit Brief und Siegel Mord an einem Friedensnobelpreisträger nachgewiesen worden wäre – die internationalen Verwicklungen wären immens gewesen, möglicherweise hätte das einen Krieg zwischen Israel und arabischen Ländern bedeutet – wenn nicht kurzfristig, so doch langfristig.

Dennoch heißt es in der Schweiz bezüglich der Mordthese: „Man kann es… nicht ausschließen“. Sicher ist, dass in Arafats Gewebe eine 18 Mal so hohe Polonium 210 Dosis gefunden wurde, wie sie normalerweise im Körper vorhanden sein dürfte. So heißt es denn auch weiter, wonach man auf natürlichem Wege nicht diese Menge Polonium aufweise. „Man absorbiert nicht aus Versehen oder mit Absicht eine Dosis Polonium – das ist nicht etwas, das einfach so in der Umwelt auftaucht“, erklärte Patrice Mangin, der Chefforensiker der Uniklinik.

Neben Arafats Körper wurden auch seine Reisetasche und seine Unterwäsche untersucht, die er bei sich trug, als er urplötzlich schwer erkrankt in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert worden war. Im Gegensatz zu den Schweizer Wissenschaftlern hatten russische erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Poloniumvergiftung finden können. Jedoch steht Russland nicht gerade für eine unabhängige Wissenschaft. Hinzu kommt, dass in Russland traditionell viele Juden leben und enge Beziehungen zwischen Russland und Israel bestehen.

Als letztes steht nun ein französisches Gutachten aus. Derweil erklärte Israel, man sei an Arafats Tod unschuldig. Fakt ist jedoch, dass Arafats Tod zahlreiche gefährliche Konfrontationen vorausgegangen waren: So hatte kurz zuvor Israel versucht Jassir Arafat ganz aus Palästina zu verbannen – nach Nordafrika. Hierfür hatte Israel in einem völkerrechtlich illegalen Akt Arafats Residenz in Schutt und Asche gelegt.

Dem war wiederum vorausgegangen, dass Arafat vor der UNO erreicht hatte, dass eine Staatsgründung Palästinas unmittelbar bevorstehen hätte können. Das hatte Israel, wie die Jahrzehnte zuvor, versucht zu verhindern. Nur auf Grund massiven Einschreitens der UNO hatte Jassir Arafat schließlich sich weiter in seiner Heimat Palästina aufhalten können – bis zu seinem plötzlichen Tod.



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