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Montag, 01. Juni 2020

Kurdische Friedenskundgebung mit 97 Toten: Als Täter kommt das Erdogan-Lager in Betracht

Kommentar – 97 Tote und 246 zum Teil Schwertverletzte und Verkrüppelte. Das ist die Bilanz der Gewaltpolitik des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdoğan. Erst kürzlich war er in Berlin, um sich als Friedensengel der Flüchtlingspolitik feiern zu lassen.

Erdogan war da als willkommener Verbündeter des westlichen Bündnisses NATO. Ursprünglich war die NATO als gut gemeintes Bündnis militärischer Stärke zur Verteidigung von Recht und Freiheit gegründet worden. Doch immer stärker mutiert die NATO hin zu einem Kriegs- und Gewaltbündnis. Das passt zu Recep Erdogan. An der NATO-Kriegsmaschinerie klebt alleine in den vergangenen 14 Jahren das Blut von Hunderttausenden Toten – aus dem Irak, Libyen, Afghanistan, Pakistan und Syrien. Alles unter dem Deckmantel, man bekämpfe den Terror.

Doch wie absurd eine Gewalt- und Kriegspolitik, die längst zum Primat westlicher und damit auch türkischer Politik geworden ist und zwar viel mehr, als es das Primat der russischen oder chinesischen Militär-Politik ist, zeigte kürzlich Barack Obama, der Präsident der vereinigten Staaten von Amerika.

Anlässlich eines erneuten Amoklaufs in den USA sagte er, die US-Medien sollten sich doch selbst einmal die Statistiken zu Gemüte führen, die aufzeigen, wie viele Amerikaner durch Terroranschläge in den vergangenen zehn Jahren ums Leben kamen und wie viele durch Schießereien in den USA selber – ausgeübt durch Amerikaner.

300 amerikanische Terroropfer stehen 300.000 durch Amerikaner selbst Umgebrachte gegenüber

Die bittere Bilanz: Rund 300 amerikanischen Terroropfern stehen rund 300.000 erschossene Amerikaner gegenüber. Dies besagen Zahlen des amerikanischen „Centers for Disease Control and Prevention“ . Umgebracht von Amerikanern selber.

„Es ist doch absurd, dass wir Billiarden Dollar für die Terrorbekämpfung und Terrorabwehr ausgeben, aber die meisten Gewaltverbrechen direkt von Amerikanern gegen Amerikaner ausgeübt werden„, sagte Barack Obama auf einer Pressekonferenz.

Dass Gewalt Gewalt gebiert, zeigt das wichtigste NATO-Mitglied USA Jahr für Jahr selber. Man könnte sagen, das weltweit von Milliarden Menschen bewunderte einstige Kind der Europäer, die USA, wären wegen 9/11 immer noch im Trauma, im Kriegstrauma und würden deshalb Kriege führen. Doch das dient nur der eigenen Täuschung. Mit der Realität hat das nichts mehr zu tun.

Je näher man hinschaut, desto klarer wird: Die USA sind in ihrer Außenpolitik eine gewalttätige Nation – und das faktisch seit der eigenen konstitutionellen Gründung im 18. Jahrhundert. Ob die illegale Besetzung oder Annektion von Neumexiko, der Kuba-Krieg gegen Spanien vor 100 Jahren, die kriegsverbrecherischen Atombombenabwürfe durch die USA in Japan 1945, der Vietnamkrieg, Koreakrieg (in Kooperation mit Frankreich), der Iran- und Irakkrieg in den 1980er Jahren oder eben heute der Syrien-Krieg.

Ob USA oder Türkei – Gewalt bringt keinen Frieden

Überall mischen die USA mit – mal direkt durch kriegerische Gewaltmaßnahmen, mal indirekt durch Aufrüstung irgendwelcher Warlords, die man an die Macht bomben möchte – wie in Syrien. Doch hat auch Syrien gezeigt, dass die westlichen direkte oder indirekte Gewalt-Politik nicht so ohne weiteres die politischen Landschaften zum Besseren verändert. Statt einen umstrittenen syrischen Staatschef Baschar Hafiz al-Assad (arabisch بشار حافظ الأسد ) zu stürzen, bombten die USA ISIS in die Welt.

Statt Arabischem Frühling erleben wir eine Hexenpolitik des Mittelalters in Syrien und dem Irak. Alles was ISIS nicht passt, wird umgebracht, öffentlich auf Schauprozessen. Ganz so, wie es früher in Europa die Katholische Kirche vorgemacht hat, auch mit den Kreuzzügen vor gut 1000 Jahren im Heiligen Land. Das waren Kreuzzüge gegen Araber. Ausgeübt auch vom Westen. Gewalt ist also keine Erfindung von Muslimen oder Arabern.

Erdogans Gewaltpolitik gegen das Kurdische Volk ist kein Deut besser als das, was er immer Israel vorgeworfen hat. Angriffe auf Grund von militärischer Überlegenheit gegen einzelne Volksgruppen sind und bleiben ein Verbrechen an der Menschheit, ein Kriegsverbrechen. Das was die Türkei Israel im Umgang mit den Palästinensern vorwirft, macht der türkische Staatschef Erdogan leider selber mit den Kurden.

Was das Christentum mit ISIS oder der Türkei gemein hat

Jetzt schlägt die Gewalt in der Türkei direkt zurück. Erdogan erlebt das, was Israel erlebt: Wer Gewalt und Verbrechen sät, erlebt es selber. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ganz so, wie es im Alten Testament der Katholischen Kirche seit 2000 Jahren steht. Die Opfer sind in beiden Staaten aber Unschuldige, Zivilisten. In der Türkei wie in Israel oder dem von Palästinensern bewohnten Gebieten, dem Gaza-Streifen oder Westjordanland.

Ankara trägt seit Samstag Trauer. Wie die Friedenspolitik Trauer trägt. 97 Tote und 246 Verletzte sowie Verkrüppelte schreien ihr Leid in den Himmel, in die Welt. Egal wer dieses Verbrechen begangen hat und egal, wie man es betrachtet. Der Ursprung liegt in Erdogans katastrophaler Gewaltpolitik gegen die Kurden. Angefangen hat Erdogan – mit seinen auch vom Westen in den vergangenen Wochen klaglos hingenommenen Bombenangriffen gegen Hunderte unschuldige Kurden in den Bergen zwischen der Türkei und dem Irak.

Auf der Friedenskundgebung in Ankara waren überwiegend Kurden oder Türken, die die Kurden unterstützten wollten. Es war eine Massendemonstration gegen die Gewaltpolitik von Erdogan. Deshalb liegt auf der Hand: Als Urheber kommt nur jemand in Frage, der gezielt die Kurden treffen wollte. Eben Leute aus dem Erdogan-Lager. Es könnte zum Beispiel der türkische Militär-Geheimdienst gewesen sein.



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