Hintergründe Guam +++ USA annektierten die Insel 1899 +++ Das verärgert Nordkorea

Obwohl Guam seit bald 100 Jahren von den USA annektiert gehalten wird, ist das im Westen und auf der Welt kaum bekannt. Die USA könnten von dort auch ihre Atombombenabwürfe auf Japan 1945 mit koordiniert haben. Guam ist immerhin 10.000 Kilometer von der eigentlichen amerikanischen Staatsgrenze entfernt. Hier ein U-Boot der Amerikaner auf Guam. (Bild: Pixabay.com / CC0 Creative Commons)

Seit über 100 Jahren, seit 1899, halten die USA die Guam Insel besetzt, beziehungsweise haben das tropische Eiland dem Vorbesitzer Spanien formal entwendet und es militärisch annektiert.

Die USA taten also ganz ähnliche Dinge, wie jene, was die Vereinigten Staaten von Amerika mit der EU seit einigen Jahren Russland im Umgang mit der Krim vorwerfen. (1)

Die bald 400 Jahre vor 1899 war Guam Kolonialbesitz von Spanien, wie es auch Kuba war. Genau 1622 hievten Spanier auf Guam ihre Flagge im Auftrag des in Europa residierenden spanischen Königs. (1f)

Guam ist nur rund vier Flugstunden von Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang entfernt, nämlich 3185 Kilometer (2 und 3). Hingegen ist Guam von der amerikanischen Ostküste, vom Flughafen Los Angeles, 15 Flugstunden entfernt, in Kilometern sind das 9808. (4)

Deshalb kritisieren bis heute viele Asiaten: Was haben die USA auf dieser Insel überhaupt noch zu suchen, wenn das US-Kernland doch fast 10.000 Kilometer entfernt ist?

Das wäre so, als ob Deutschlands Hauptstadt Berlin heute deklarieren würde, die südafrikanische Metropole Kapstadt wäre ihr Staatsgebiet. Denn Kapstadt ist ähnlich weit von Deutschland, beziehungsweise Berlin entfernt, wie Guam von den USA: Nämlich 9.628 Kilometer. (5)

Von den USA wurde die Insel Guam als militärisch wichtiger Posten schon im Zweiten Weltkrieg gegen Japan genutzt.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass von hier aus die USA auch Teile der Pläne zum monströsen Abwurf der Atombomben über Japan 1945 schmiedeten, also auf Hiroshima und Nagasaki.

Am 6. August 1945 und am 9. August 1945 hatten die USA ihre teuflische Last von Flugzeugen über Hunderttausenden nichtsahnender japanischer Zivilisten abgeworfen und Hunderttausende Menschen auf einen Schlag umgebracht und Zehntausende Menschen aufs übelste verstümmelt.

Das und viele andere militärische Operationen der USA im asiatischen Raum, sorgen seit gut 100 Jahren für Spannungen in diesem Gebiet. Man stelle sich nur einmal vor, Russland hätte auf Guam einen Militärstützpunkt und nicht die USA.

Was in dem Konflikt um Guam ebenfalls vergessen wird: Nicht nur Guam wurde vor über 100 Jahren, 1898, beziehungsweise 1899, von den USA militärisch annektiert, sondern auch das viel größere Staatsgebiet der Philippinen. (6)

Auch der von den USA gerne sakral beschriebene Pearl Harbor auf Hawaii ist in dem asiatischen Konflikt von zentraler Bedeutung und die USA spielen hier seit über 100 Jahren keine gute Rolle. Denn Hawaii war bis 1887 komplett unabhängig. (7)

Die Inselgruppe Hawaii ist ebenfalls Tausende Kilometer von der eigentlichen Staatsgrenze der Vereinigten Staaten von Amerika entfernt und wurde von den USA ab 1887 ebenfalls annektiert und zwar mit der damaligen erzwungen Gründung des amerikanischen Marinestützpunkts Pearl Harbor. Das geschah damals gegen den Willen der lokalen Bevölkerung.

Es folgte 1893 die komplette Annektion Hawaiis durch die USA, was mit der Absetzung der bis dahin regierenden Königin Liliʻuokalani 1893 gipfelte.

60 Jahre später, 1959, deklarierten die USA das Gebiet schließlich offiziell zu ihrem Staatsgebiet und riefen es als 50. Bundesstaat der USA aus. (7f)

Und das wo Hawaii 4.028 Kilometer vom eigentlichen ursprünglichen amerikanischen Staatsgebiet entfernt ist. (7) Auch das wäre so, als ob Deutschland sagen würde, die irakische Metropole Bagdad wäre ihr Staatsgebiet. Denn Bagdad ist von Berlin aus ähnlich weit entfernt (4390 Kilometer). (8)

Bis 1959 war auch Pearl Harbor kein offizielles amerikanisches Staatsgebiet, sondern lediglich von den USA annektiertes Gebiet, um seit Ende des 19. Jahrhunderts die Kolonialisierungen des asiatischen Raums durch die USA – wie die Philippinen oder Guam – voranzutreiben und im asiatischen Raum eine Vormachtstellung zu erreichen. (7ff)

Am 7. Dezember 1941 hatte Japan schließlich Pearl Harbor angegriffen, um anschließend ab 1942 (bis 1945) die von den USA als Kolonialgebiet besetzt gehaltenen Philippinen von den Amerikanern zu befreien und selber zu besetzen. (6f)

Insofern war auch der japanische Angriff auf Pearl Harbor, dem Militärstützpunkt der USA auf Hawaii, nicht, wie von den Amerikanern gerne dargestellt, ein Angriff gegen ein unschuldiges Land.

Vielmehr war es ein Angriff der Japaner gegen ein von den USA annektiert gehaltenes Gebiet in einem asiatischen Hoheitsgebiet und nicht im ursprünglich amerikanischen. Ähnlich wie Guam gehörten die Philippinen bis 1898 zum spanischen Kolonialgebiet.

Seit über 100 Jahren ist die von den USA annektierte Insel Guam also ein zentraler Militärstützpunkt der USA, um Operationen im asiatischen Raum durchzuführen. Bekannt ist die Andersen Air Force Base, ein Luftwaffenstützpunkt der United States Air Force, kurz der USAF.

Zwar kann Pjöngjang von Guam City nicht direkt angeflogen werden, dafür aber mit zahlreichen Fluglinien Südkoreas Hauptstadt Seoul.

Die Strecke Guam nach Seoul fliegen beispielsweise die Airlines „Jin Air · Korean Air“, Korean Air, Asiana, United, United Airlines for Air Micronesia, China Airlines.

Jeder dritte Einwohner von Guam ist heute unter 15 Jahren jung, was zeigt: Die Insel leidet definitiv nicht, wie Deutschland, unter einer Überalterung. Auf Grund der seit dem 16. Jahrhunderten bis zum 20. Jahrhundert dauernden spanischen Besatzung ist auch heute noch die römisch-katholische Religion die wichtigste. 85% der Bevölkerung würden sich zum katholischen Glauben bekennen, wird behauptet.

Um die Geschichte und Bedeutung von Guam zu verstehen, lohnt sich noch einmal ein weiterer Blick zurück:

Am 6. März 1521 steuerte Ferdinand Magellan den Marianen-Archipel an. Da auf der Insel die Einheimischen gerne die spanischen Besatzer beklauten, nannte Magellan die Insel Guam, welche ein Teil zahlreicher anderer Insel ist, „Las Islas de los Ladrones“. Übersetzt heißt dies „Die Inseln der Diebe“.

Ab 1565 gehörte Guam offiziell auf Grund der Kolonial-Besatzung zum spanischen Herrschaftsgebiet. Dass die Inselgruppe, zu welcher Guam gehört, heute auch als Marianen-Inseln bekannt ist, liegt an Österreichs damaliger Prinzessin Marianne von Österreich.

Sie war wiederum die Witwe vom damaligen spanischen König Philipp IV., der auch den Namen „Philip der Große“ oder „Philip der Welt“ hatte. Er lebte vom 8. April 1605 bis zum 17. September 1665.

In diesem historischen Kontext muss man deshalb auch den aktuellen Überflug einer nordkoreanischen Rakete über japanisches Staatsgebiet sehen. Nordkorea hatte betont, man mache dies unter anderem deshalb, um die Rolle der USA auf Guam noch einmal zu diskutieren. Damit dürfte auch die historische brutale Rolle der USA im asiatischen Raum gemeint sein.

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte dennoch die jüngsten Raketentest Nordkoreas und verwies darauf hin, dass es wichtig sei, dass die Regierung in Pjöngjang sofortige und konkrete Massnahmen ergreife, um die Situation zu deeskalieren.

Nordkorea hatte eine Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12 abgefeuert und betont, es sei eine Antwort auf die südkoreanischen und amerikanischen Militärmanöver im asiatischen Raum vor der Grenze Nordkoreas. Diesen Manövern waren aber wiederum diverse Störfeuer der Nordkoreaner vorausgegangen.

Einzelnachweise

(1) „Guam„, in: Wikipedia.

(2) „Air distance from Guam to Seoul is„, auf: happyzebra.com

(3) Google Maps.

(4) Distanz Guam Los Angeles, auf: distancesfrom.com.

(5) Entfernung Berlin Kapstadt, auf: Luftlinie.org.

(6) „Geschichte der Philippinen„, in: Wikipedia.

(7) „Geschichte Hawaii„, in Wikipedia.

(8) Entfernung Berlin Bagdad, in: de.entfernung.himmera.com.

(9) Entfernung Hawaii Los Angeles, in: Luftinie.org.

Weitere Hintergründe:

Siehe auch unseren Artikel „Südchinesisches Meer und das miese Spiel der USA gegen Chinas Ansprüche dort„.

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