Statistik tote Palästinenser: 8.516 Palästinenser von Israel von 1987 bis 2012 getötet / Hunderte Kinder / Über 400 Israeli von Selbstmordattentätern umgebracht

Bild: PCHR

Wie viele Menschen, Palästinenser, hat Israel in den vergangenen 25 Jahren – also seit dem Beginn der ersten Intifada der Palästinenser im Jahr 1987 bis zum November 2012 – umgebracht? Und wie viele Israelis kamen in diesem Zeitraum um? Zahlen bieten hier lediglich israelische Menschenrechtler sowie palästinenische.

Eines ist klar: Kaum zu gebrauchen sind Einträge in üblichen Nachschlagewerken wie Wikipedia, da die wichtigsten Informationsquellen häufig komplett fehlen und mit Zahlen und einseitigen Behauptungen hantiert wird, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Oftmals ist es leider pure Kriegspropaganda – zu Gunsten Israels und zum Nachteil der Palästinenser. Deshalb versucht sich das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com hier etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Bevor auf die Anzahl der toten Palästinenser sowie der toten Israeli eingegangen wird, ein Verweis auf den Ursprung der gegenseitigen Tötungen, die Intifada. Sie bezeichnet insbesondere zwei große Palästinenser-Aufstände (Intifada I; startete 1987) und Intifada II (startete im Jahr 2000). Es waren Aufstände der Palästinenser und Araber gegen die israelische Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser.

Eine wichtige Informationsquelle rund um die Anzahl der im Konflikt zwischen Israel und den Arabern Getöteten stellt auf der israelischen Seite das „B’Tselem – The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories“ dar. Diese Menschenrechts-Organisation besagt, wonach zwischen 1987 und 1993 – also dem Osloabkommen im Jahr 1993 – insgesamt 1.162 Palästinenser durch Militäraktionen der Israelis umgekommen seien. Das Osloabkommen aus dem Jahr 1993 („Oslo Accords“) legte fest, wonach „Israel and the Palestinian Authority must exercise their powers with due regard to internationally-accepted norms of human rights“ (Quelle: anklicken, S. 7).

Schon 1993 hatten sich eigentlich Israel und Palästinenser auf Achtung der Menschenrechte geeinigt

Übersetzt besagt das Osloabkommen von 1993, dass sowohl Israel wie die Palästinensischen Autoritäten alles in ihrer Macht befindliche tun müssen, damit international akzeptierte Menschenrechts-Normen auch umgesetzt werden.

Man müsse sich verteidigen können gegen arabische Angriffe, verteidigt sich Israel: beispielsweise wegen auf Israel gefeuerter Raketen aus den von Israel besetzten Palästinenser-Gebieten oder vom Gaza sowie wegen von Palästinensern ausgeübter Selbstmordattentate. Das Verteidigungs-Argument hört man auch von den Palästinensern. Sie sagen, ihre Selbstmordanschläge gegen die Israelis seien die einzige Möglichkeit, einen Genozid der Israelis an den Arabern in den palästinensischen Gebieten zu stoppen.

Alleine zwischen 1987 – also dem Beginn des ersten palästinischen Aufstandes gegen die israelische Besatzung – sowie 1993 seien rund 160 Israelis primär durch Selbstmordanschläge der Palästinenser umgekommen, schreibt der Bericht „Israel’s High Court Outlaws Torture: A Watershed for the Human Rights Movement“ von der israelischen Menschenrechtsorganisation „B’Tselem“. Von 1993 bis 1999 seien zudem 364 Palästinenser von den Israeli primär durch Bombenabwürfe aus Kriegsflugzeugen umgekommen. Dem stünden wiederum 258 von Palästinenser durch Selbstmordanschläge oder durch Schusswaffengebrauch getötete Israeli gegenüber (Quelle: anklicken, S 7).

Das heißt: Nach der Statistik von „B’Tselem“ seien zwischen 1987 und 1999 insgesamt 1.526 Palästinenser von den Israeli umgebracht worden und 418 Israeli durch Palästinenser (Quelle: anklicken, S 7). Zu diesen Zahlen gibt es leider kaum Alternativ-Angaben, da die Palästinenser nur sehr dürftige Statistiken in diesem Zeitraum geführt hatten. Im Zweifelsfall dürften also die tatsächlich getöteten Palästinenser eher noch höher sein, während die Angaben in Bezug auf die durch Anschläge der Palästinenser gestorbenen Israeli sehr nahe an der Realität sich bewegen dürften.

Allerdings ist es mit diesen Angaben noch nicht getan. So wurden nach Angaben von „BTselem“ von den Israelis ebenfalls nur im Zeitraum von 1987 bis 1999 zusätzlich 2.861 Häuser der Palästinenser zerstört. Die meisten davon aus angeblich formalen Gründen, da ohne Erlaubnis der Israelis auf den von den Israeli besetzten palästinensischen Gebieten gebaut worden sei („administrative reason“; 1576), sowie aus „Bestrafung“ gegenüber den Palästinensern (as punishment; 897 Häuser). 123 Häuser der Palästinenser haben die Israelis zerstört, da sie dort „gesuchte Personen“ vermuteten hätten („in searches for wanted persons“). (Quelle: anklicken, S 7).

Auf einen von Israel mit Kriegsflugzeugen oder Drohnen getöteten Palästinenser kommen gut fünf Verletzte

Außerdem gilt auf Grund von Erfahrungswerten und einer besseren Statistikführung ab dem Jahr 2000, wonach auf einen mit Bomben getöteten Palästinenser mit mindestens durchschnittlich fünf Verletzten, häufig auch schwer Verletzten, gerechnet werden muss. Das hieße: Zu den von Israel umgebrachten toten Arabern kämen noch einmal gut 7.500 Verletzte – einige darunter mit lebenslangen Verstümmelungen.

Eine andere wichtige Informationsquelle rund um Tötungen im Krieg zwischen Israel und seinen „völkerrechtlich nicht legitimen Besatzungen der palästinensischen Gebiete“ (UNO), ist das „Palestinian Centre for Human Rights (PCHR)“. Das PCHR ist eine Nicht-Regierungs-Organisation, also eine Non-Governmental Organisation (NGO) mit Sitz in Gaza City, welche von Spenden lebt (diese werden dringend benötigt).

Die Menschenrechtler differenzieren die von dem israelischen Gegenstück, der „BTselem“, geführten Statistiken rund um Angaben bezüglich der Minderjährigen, der Kinder, die von Israelis durch Kriegsmaßnahmen umgebracht worden sind. Demnach seien seit Beginn der „Aqsa Intifada“ im Jahr 1987 bis zum Jahr 2006 insgesamt 679 minderjährige Araber, viele darunter Kinder, durch Luftangriffe der Israelis umgekommen (Quellen: unter anderen Report „Child Killings by the Israeli Occupation Forces (IOF) in the Gaza Strip June 2007 – June 2008“ sowie der Report „Confirm the Kill: IOF Killings of Children during the al Aqsa Intifada“ (vom 4.1.2005)„)

Eine wichtige Untersuchung zum Thema von Israel getötete Palästinenser finanzierte die Europäischen Union gemeinsam mit der Menschenrechts- und Armutsbekämpfungs-Organisation Oxfam dem „Palestinian Centre for Human Rights“. In dem Report mit dem Namen „Extra-Judicial Executions Committed by the Israeli Occupation Forces (IOF)“ heißt es, dass in der „Second Intifada“ (der „Zweiten Intifada“) vom September 2000 über deren Ende im Jahre 2005 bis zum Juni 2008 alleine rund 3.800 Palästinenser von den israelischen Militärs („Israeli Occupation Forces (IOF)“) durch Bombenangriffe gezielt umgebracht worden seien.

Zwar hatte Israel schon immer das Projekt „Gezielte Tötungen“ an tatsächlichen oder vermeintlichen Gegnern und Feinden vorgenommen, doch wird dieses Programm seitdem es Anfang 2000 die ersten unbemannten Kriegsflugzeuge, die Drohnen (Drones) gibt, erheblich ausgebaut. Alleine im Zeitraum 2000 bis 2008 hat Israel im Rahmen ihres Programms „assassinating Palestinian leaders – targeted killings“ („Gezielte Mordanschläge auf palästinensische Führer“) 348 „extra-judicial execution operations“, also zielgerichtete Hinrichtungsoperationen, durchgeführt.

Dabei sind 754 Palästinenser umgekommen. Es heißt, davon seien 521 Personen jene, die man auf jeden Fall habe umbringen wollen („targeted persons“). Hinzu kommen 233 unbeteiligte Zivilisten („bystanders“), davon waren allerdings 71 Kinder und 20 Frauen.

 

Die Drohnen verändern die komplette Kriegsführung auch zwischen Israel und den im Gaza sowie Westjordanland. Grund: War Israel auf Grund seins hoch aufgerüsteten Militärs den eher ärmlich ausgestatteten Palästinensern sowieso schon immer haushoch technisch überlegen, nahm diese militärische Überlegenheit mit den Drohnen erheblich zu.

Die Palästinser haben weder Kampfflugzeuge, noch Kampfhubschrauber, noch Drohnen. Ihr Kampfmittel sind Rockets, also Raketen – mit im Schnitt 30 Kilometern. Deshalb gilt Tel Aviv, die 64 Kilometer entfernte israelische Hauptstadt, als relativ sicher vor arabischen Angriffen aus dem Gazastreifen.

Der von den Israelis mittlerweile auch auf YouTube (Artikel anklicken, dann ganz unten Video anschauen) dargestellte gezielten Tötungen an Palästinensern, zeigt gleichzeitig, „wie überlegen die Israelis sind und wie letztlich doch wehrlos die Palästinenser in diesem ungleichen Kampf sind“, erklärt ostdeutscher Landtagsabgeordneter. Drohnen können aus zehn Kilometern Höhe Menschengesichter erkennen. Drohnen sind geräuschlos, häufig sieht man sie nicht, wobei Israel längst auch selber diese neuen umbemannten High-Tech-Waffen baut – beispielsweise von der Firma Israel Aerospace Industries Ltd.

Zur Frage wie viele Palästinenser bislang durch israelische Angriffe umkamen, teilte das „Palestinian Centre for Human Rights“ dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com am 21. November 2012 mit, wonach im Zeitraum 2000 bis zum 21. November 2012 insgesamt 6.940 Palästinenser von den Israelis auf den besetzten Gebieten getötet worden seien, darunter seien 1.280 Kinder und 303 Frauen. Rund 90 Prozent der Getöteten seien Zivilisten gewesen.

Alleine im Zeitraum des „neuen Siebentageskrieges“ im Zeitraum vom 14. November 2012 bis zum 21. November 2012 seien, so die Recherche und die Statistik vom „Palestinian Centre for Human Rights“ 140 Palästinenser, darunter 23 Kinder sowie zahlreiche Frauen von den israelischen Militärs mit Kampfflugzeugen und Drohnen umgebracht worden. Hinzu kämen, so PCHR, rund 1.200 verletzte, teils auch verstümmelte, Palästinenser. Israel selbst gab zu Protokoll, man habe alleine in diesem Zeitraum 1.300 Gebäude im Gazastreifen zerstört und habe während der sieben Tage drei tote Israeli und circa 15 bis 20 Verletzte zu verzeichnen gehabt.

Eine weiter Informationsquelle stellt die Seite palestinemonitor.org. Sie wurde ins Leben gerufen, da im Jahr 2003 – das Thema ging damals um die Weltpresse – die US-Amerikanerin Rachel Corrie sich schützend vor Palästinser gestellt hatte und brutal von einem israelischen Kampfpanzer überrollt worden war (Quelle: www.palestinemonitor.org/?p=7166). Nach Angaben der Webseite hätten alleine im Zeitraum vom Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000 bis zum Ende, im November 2004, „Israeli security forces killed over 1.600 Palestinian civilians not involved in hostilities, including upwards of 500 children, with thousands more seriously injured“ (Quelle: palestinemonitor.org/?p=7166).

Übersetzt bedeutet das: Während nur vier Jahren hätten die israelischen „Sicherheitskräfte“ über 1.600 Palästinenser erschossen oder mit Raketen- und Bombenabwürfen umgebracht. Darunter seien über 500 Kinder sowie Tausende Menschen, die ernsthaft und schwer verletzt worden seien.

Zu den 8.500 getöteten Arabern kommen noch einmal mindestens 4.161 zerstörte palästinensische Häuser

Das bedeutet: Von 1987, der ersten Intifada, bis zum Jahr 2012 (November) sind insgesamt statistisch gesichert 8.516 Palästinenser von den Israeli getötet worden, sowie rund 45.000 Palästinenser durch israelische Militäraktionen verletzt worden, viele darunter schwer mit lebenslangen Verstümmelungen.

418 von den Arabern ermordete Israelis

Den vielen getöteten und verletzten Palästinensern stehen statistisch gesichert im Zeitraum 1987 bis 1999 insgesamt 418 von den Palästinensern durch Selbstmordattentate oder Schusswaffen getötete oder ermordete Israeli gegenüber. Wie viele Israeli in den Jahren 2000 bis 2012 umkamen, dafür hat das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com bislang keine verlässlichen Zahlen finden können.

Neben der Anzahl an Toten und Verletzten, sind auch die immensen infrastrukturellen Zerstörungen im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu berücksichtigen: So kommen zu den statistisch gesichert mindestens 2.861 von den Israelis zerstörten palästinensischen Häusern (1987 bis 1999) sowie weitere statistisch gesicherte 1.300 von den Israelis zerstörte Häusern im „neuen Siebentagekrieg Israels gegen Gaza“ im Zeitraum 14. November bis 21. November 2012 (Quellen wurden bereits weiter oben im Text genannt).

Das heißt: Statistisch gesichert können mindestens 4.161 von den Israelis in den palästinensischen Besatzungsgebieten zerstörte Häuser genannt werden. Da in palästinensischen Häusern in der Regel größere Familienverbände mit mindestens sechs bis zehn Familienmitgliedern wohnen, dürften mindestens 25.000 bis 50.000 Palästinenser durch die Israelis ihrer Heimat in den vergangenen 25 Jahren verloren haben.

Rund 60 Prozent aller von Israel getöteter Palästinenser erfolgen im Gaza Strip, als dem Gazastreifen, gut 40 Prozent passieren in der West Bank (Westjordanland).

 

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