Skip to main content

Völkermord im Krieg Bosnien und Serbien von UN-Kriegsverbrechertribunal verhandelt

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, dem UN-Kriegsverbrechertribunal, wird derzeit die Anklage gegen den ehemaligen Kommandanten der serbisch-bosnischen Truppen, Ratko Mladic, verlesen. Er soll einer der Hauptverantwortlichen an dem Völkermord vor zehn Jahren in der Region sein.

Die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs: Völkermord in zwei Fällen, Kriegsverbrechen in vier Fällen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit in fünf Fällen. Der Angeklagte streitet alle Vorwürfe ab. Verhandelt werden mehrere Zeitabschnitte des Krieges zwischen Bosnien und Serbien. Derzeit geht es besonders um den Bosnienkrieg von 1992–1995. Die Opfer dieses Krieges empfinden es als große Genugtuung, dass es nun endlich zum Prozess gegen Verantwortliche kommt.

Der jetzt Angeklagte ist mittlerweile 70 Jahre alt. Während des Krieges ist er als „Schlächter des Balkan“ bekannt geworden. 16 Jahre lang war er untergetaucht, ehe er vom Internationalen Strafgerichtshof gefasst werden konnte. Die 16 Jahre lebte er in Serbien und dem serbischen Teilstaat von Bosnien und Herzegowina, unter anderem bei Verwandten. Zudem versteckte er sich vor der NATO in Bunkern. Bis ins Jahr 2002 konnte Mladic offen in Belgrad leben. Zudem bekam er eine Rente vom serbischen Staat.

Dass Mladic jahrelang unbehelligt leben konnte, ist dem Umstand geschuldet, dass er von vielen Serben immer noch als Idol verehrt wird und er obendrein von Geheimdiensten und dem serbischen Staat geschützt wurde. Erst als die EU klar machte, Serbien könne erst dann in die EU aufgenommen werden, wenn das Land Kriegsverbrecher an Den Haag ausliefere, änderte die Staatsführung ihr Verhalten.

Vorwurf: Chefstratege des Srebrenica-Massakers

Die Ankläger in Den Haag versuchen derzeit mit den Beweisen, die sie noch haben, eindringlich, auch bildlich, nachzuweisen, warum sie Mladic für den Schuldigen halten. Hierfür schildern sie Szenen, wie die, als an eine sonnigen Tag beispielsweise ein Junge umgebracht wurde, „ein Junge, kein Soldat“, so der Staatsanwalt. CNN überträgt weite Teile des Prozesses live.

Mladic wird vorgeworfen, er sei der Chefstratege des Srebrenica-Massakers gewesen. Damals, im Jahr 1995, wurden über 8000 Jungen und Männer von Soldaten ermordet. Ein weiteres Massaker, das ihm zu Lasten gelegt wird, ist der Tot von 11.541 Menschen in der belagerten bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Verhandelt wird auch die „Geiselnahme von 200 UN-Blauhelmen“. Auch wenn der Prozess wichtig ist, so sind doch nicht alle Vorwürfe nachvollziehbar – immerhin war Bürgerkrieg.

Mladic, damals General, streitet alle Vorwürfe ab. Er sagt, er habe als Kommandierender „lediglich“ die serbischen Völkergruppen in Bosnien und Herzegowina verteidigt. Für ihn sind die Serben die Opfer des Krieges.

Der Prozess in Den Haag gegen den ehemaligen serbischen General ist auf drei lange Jahre angesetzt. Mladic erkennt das UN-Tribunal nicht an, zumal einige der wichtigsten Staaten der Welt das auch nicht tun: Darunter sind Weltmächte wie die USA oder China.

Obendrein wurde der Internationale Strafgerichtshof Den Haag (IStGH; auf französisch „Cour pénale internationale, CPI“ oder auf englisch International Criminal Court, ICC) bislang fast immer nur dann tätig, wenn es den westlichen Ländern genehm war. Viele werfen Den Haag deshalb ein erhebliche Glaubwürdigkeitsdefizit vor.

Aktuellstes Beispiel: Der Libyen-Krieg, in dem auch die NATO kriegsverbrecherisch aktiv war, indem sie vorsätzlich Zivilisten tötete – so beispielsweise die Familie eines der Söhne des langjährigen Diktators Muhammed al Gaddafi. Doch angeklagt werden nur Mitglieder der von der NATO gewaltsam gestürzte Gaddafi-Regierung, nicht aber auch Verantwortliche der NATO oder der „libyschen Rebellen“, wenn sie selbst in Kriegsverbrechen verwickelt waren.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Freitag, 04. März 2022

Kriege & Lügen

Flugverbotszone NATO in Ukraine hieß 26.000 Bombenangriffe der NATO auf Libyen

Kommentar – War da was? Flugverbotszone? Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja: Wir erinnern uns an das Jahr 2011 zurück. Damals stellte der Westen mit seinem „Verteidigungsbündnis“ vor dem UN-Sicherheitsrat schon einmal einen Antrag eine angebliche „Flugverbotszone“ einrichten zu wollen. Nur nicht über der Ukraine, sondern in Libyen. Man überzeugte damals, vor zehn Jahren, den UN-Sicherheitsrat, also auch Russland und […]

Dienstag, 01. März 2022

Trumpf

Nicola Leibinger-Kammüller zur Ukraine Krise: „allzu oft beiseite geschaut“

Die schwäbische Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller hat auf ihrem LinkedIn-Kanal sich zur aktuellen Ukraine-Krise geäußert. Wir geben ihre mahnende und weitblickende Stellungnahme ungekürzt zur Kenntnis: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei TRUMPF wir alle sehen an den Bildschirmen seit letzter Woche dramatische Bilder aus dem Osten Europas. Panzer und schwere Artillerie rollen auf den Straßen. Autoschlangen mit Zivilisten bewegen sich aus der […]

Dienstag, 07. September 2021

Terror

Taliban geben Afghanistan neuen Namen ‚Islamisches Emirat Afghanistan‘

Die muslimisch-terroristische Organisation der Taliban haben die Bildung einer neuen „Charakter“-Regierung in Afghanistan angekündigt. Nach Angaben des US-Polizeidienstes FBI handele es sich beim Taliban Regierungsanführer um einen Terroristen. Die Bildung einer Regierung unter der militanten Taliban Terror-Gruppe hatte sich zuvor verzögert. Sie soll zweimal versucht haben, eine neue Regierung zu bilden, nachdem sie mit Terroranschlägen und Terrorgewalt die alte Regierung […]

Dienstag, 18. Mai 2021

Bomben

Amnesty, Israel: Straflosigkeit für Kriegsgewalt in besetzten palästinensischen Gebieten beenden

Die weltweit tätige Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert die Weltgemeinschaft in einem dringenden Apell auf, dass Kriegstreiber und Kriegsverbrecher in Israel sowie den Palästinensischen Gebieten vor einen internationalen Strafgerichtshof gestellt werden. Durch die israelischen Luftangriffe im Mai 2021 auf die palästinensischen Gebiete seien bislang 205 Palästinenser getötet worden, berichtete am 17. Mai 2021 die PCHR, die „Palästinensische Menschenrechtsorganisation„. Sie nennt sich […]

Freitag, 06. September 2019

Vertreiber

Diktator Robert Mugabe, Schlächter der Weißen, ist in Simbabwe mit 95 gestorben

Simbabwes Diktator, Robert Mugabe, ist tot. Er starb mit 95 Jahren in seinem Heimatland. Er galt für viele Schwarze als Ikone des Freiheitskampfes. So war er einer von Hunderttausenden, die vor allem in den 1970er Jahren für die Unabhängigkeit Simbabwes von der brutalen Kolonialmacht Großbritannien kämpften. Erst 1980 konnte das Ziel erreicht werden und Simbabwe erlangte seine Unabhängigkeit. Simbabwe liegt […]

Freitag, 05. Juli 2019

Öltanker

Großbritanniens Piraterie in Gibraltar gegen Iran und Syrien ist völkerrechtlich krimineller Akt

Kommentar – Großbritannien hat in einem Akt internationaler Piraterie auf Bitte der rechtspopulistischen Regierung der USA einen Öltanker militärisch aufgerieben und festgehalten. Der Öltanker hatte in der Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer vorstoßen wollte. Angeblich gehöre der Öltanker zum Iran, der Öl nach Syrien habe transportieren wollen. Sowohl das Mittelmeer als auch die Straße von Gibraltar sind öffentlich zugängliche Gewässer, […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »