Skip to main content
Sonntag, 23. Juni 2019

Nazi-Kollaborateur Klaas Carel Faber ist tot / Als Kriegsverbrecher von Holland angesehen

In einem Ingolstädter Krankenhaus ist der Nazi-Kollaborateur Klaas Carel Faber, ein 90-Jähriger Niederländer, nun gestorben. Er arbeitete mit der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg zusammen. Dabei soll er nach einem holländischen Gerichtsurteil aus dem Jahr 1952 schuldig sein soll, sechs Menschen während des Krieges erschossen zu haben. Die Holländer sahen Faber als Kriegsverbrecher an, die Deutschen ihn lediglich als Nazi-Kollaborateur, der im Krieg, wie Millionen andere, seinen Dienst tat.

Carel Faber hatte in der bayerischen Stadt Ingolstadt, auch Heimat des deutschen weltbekannten Autoproduzenten Audi, seit 1961 gemeinsam mit seiner Frau gelebt – und zwar im Piusviertel.

Dass der Niederländer Faber überhaupt in Deutschland lebte, ist seiner Flucht aus einem holländischen Kriegsverbrecher-Gefängnis zu verdanken. Zwar hatten holländische Gerichte immer mal wieder versucht, die Auslieferung Fabers aus Deutschland zu erwirken, doch vergebens. Das Landgericht Düsseldorf hatte, sowie einige andere deutsche Gerichte auch, keine ausreichenden Beweise vorliegen, die sie für eine Verurteilung und Auslieferung als notwendig angesehen hätten.

Die sechs Menschen, die Carel Faber mit erschossen haben soll, gehörten nach Auskunft Hollands einer Gruppe von 22 holländischen Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg an, die sich gegen die Herrschaft der deutschen Nationalsozialisten in den Niederlanden zur Wehr gesetzt hatten. Faber gehörte in der Waffen-SS einer Sondergruppe „Sicherheitsdienst“ an.

Auch der Bruder von Carel Faber, Piet Faber, war Mitglied dieser Waffen-SS-Gruppe. Er hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945, in einem Verhör gestanden, an der Erschießung mehrerer Widerstandskämpfer beteiligt gewesen zu sein und wurde dafür mit dem Tode bestraft.

Kommentar zum Tode Fabers:

Seltsam: Während in 70 Jahren kein deutsches Gericht ausreichend Beweise sah, die zu einer Verurteilung und Auslieferung von Carel Faber – aus deutscher Sicht ein Nazi-Kollaborateur, aus holländischer Sicht ein Kriegsverbrecher – ausreichend gewesen wären, glaubte nun die Staatsanwaltschaft Ingolstadt, ihre Justizkollegen der anderen Gerichte hätten jahrzehntelang geschlafen und auch im demokratischen Staat Deutschland Unrecht gesprochen.

Deshalb wollte die Staatsanwaltschaft Ingolstadt – für viele, auch in Justizkreisen, etwas irritierend – alle Verfahren gegen Faber noch einmal von vorne aufrollen – erst im Januar 2012. Der Tod des 90-Jährigen kam einem erneuten Verfahren zuvor. Wobei man sich als Bürger hier eines fragt: Wie willkürlich können eigentlich Gerichte und Staatsanwaltschaften agieren, wenn selbst Jahrzehnte nach dem Spruch eines Urteils, dieses plötzlich von einer anderen Staatsanwaltschaft oder einem anderen Gericht in ein und demselben Fall wieder kassiert wird?

Der Glaubwürdigkeit der Justiz gegenüber den Bürgern tut das nicht gut. Vielmehr entsteht der Eindruck von Willkürlichkeit. Doch gerade die Willkür sollte es im Justizsystem einer Demokratie nicht geben.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Wikimedia Commons, the free media repository. Public domain der United States. Freitag, 14. Juni 2019

Brennende Öltanker: USA führten seit 1775 über 80 Kriege oder wer einmal lügt dem glaubt man nicht

Kommentar – Die USA haben in den vergangenen 250 Jahren so oft gelogen, wenn es um Kriege ging, dass man ihnen nicht mehr glauben mag. Es ist müßig, alle Kriege aufzuzählen, in welche die USA verwickelt waren. Kriege, die in der Mehrheit durch die USA aggressiv und federführend auf Grund eigener wirtschaftlicher oder geopolitisch-expansiver Interessen durchgeführt wurden. Wikipedia Deutschland nennt […]

Freitag, 26. April 2019

Trauer

Asylsuchende aus Pakistan und Afghanistan werden in Sri Lanka wegen Terroranschlägen von verzweifelten Christen bedroht

Kommentar – Nach den Terroranschlägen von Sri Lanka, denen am höchsten Fest der Christen, dem Ostersonntag, rund 250 bis 300 Menschen zum Opfer fielen, kommen weitere Details ans Tageslicht. Alleine in der christlichen Kirche St. Sebastians in der Katuwapitiya Straße im sri-lankischen Städtchen Negombo[i] sollen 93 betende Christen von den Terroristen massakriert worden sein. Unter den in der alten Kirche […]

Sonntag, 07. April 2019

Deutsch Ostafrika

Ehemalige deutsche Kolonie Ruanda – 800.000 Menschen wurden 1994 ermordet

Es ist einer der schlimmsten Völkermorde auf dem afrikanischen Kontinent: Jener, den fanatische Hutu 1994 an rund 800.000 Menschen in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie (Deutsch-Ostafrika) begangen haben sollen. Noch heute erinnert man sich beispielsweise in der Ortschaft Mabare an den April 1994. Es war der Beginn vor der langen Regenzeit. Die Berghänge, schreibt Al Jazeera auf seinem Onlineportal aljazeera.com, hätten […]

Freitag, 23. November 2018

Schurkenstaat Saudi-Arabien soll weitere Kritiker ermordet haben – und zwar Prinzen

Die Khashoggi-Affäre zeigt, wie erbarmungslos das saudische Schurken-Regime seine Kritiker verfolgt und mordet. Selbst Dissidenten aus der Königs- und Diktatorenfamilie leben auf gefährlichem Fuß. So seien zwischen 2015 bis 2017 drei saudi-arabische Prinzen bis heute spurlos verschwunden, berichtete bereits vor Monaten BBC. Das heißt nichts anderes, als: Die drei Prinzen wurden wahrscheinlich auf Veranlassung des Regimes ermordet. Grund: Auch diese […]

Samstag, 20. Oktober 2018

Saud

Regime des Mord-Königs von Saudi-Arabien nicht mehr satisfaktionsfähig nach seinem Khashoggi-Mord

Kommentar – Ich glaube es war ein Autor der britischen linksliberalen Tageszeitung „Guardian“, der sich an folgende Szenen erinnerte und sie dieser Tage kundtat: Schon einmal habe eine brutale arabische Diktatur geglaubt, den Westen an der Nase durch die internationale Manage ziehen zu können und der Lächerlichkeit preis zu geben. Es sei Anfang der 1990er Jahre gewesen. Das Land, in […]

Sonntag, 27. Mai 2018

Wegen "Loyalitätsbruch"

Israel droht Palästinensischer Autonomiebehörde mit Verlust des Aufenthaltsrechts in Jerusalem

Vier Mitgliedern des Palästinensischen Legislativrats droht, teilte Amnesty International (AI) bereits Ende April 2018 mit, der Verlust ihres dauerhaften Aufenthaltsstatus in Jerusalem. Auf der Grundlage eines vom israelischen Parlament (Knesset) verabschiedeten Gesetzes sei das israelische Innenministerium befugt, Personen wegen mutmaßlichen „Loyalitätsbruchs“ das Aufenthaltsrecht zu entziehen. Das teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Am 19. März habe der israelische Innenminister Arye Deri angekündigt, zwölf […]