Skip to main content
Mittwoch, 19. September 2018

Verbot Hells Angels Berlin: Polizei und Senat kapitulieren vor Kriminalität

Kommentar: In Deutschland grassiert eine gefährliche Verbotswelle. Wenn der Staat mit Bürgern nicht fertig wird, sei es Wählern der NPD, der Linken oder jetzt der Hells Angels, wird kurzerhand ein Verbot gefordert oder ausgesprochen. Verbote sind letztlich immer eine Bankrotterklärung eines Staates.

Im Falle der Ortssektion der Hells Angels von Berlin ist es eine komplette Kapitulation der Berliner Polizei und des Berliner Senats vor der organisierten Kriminalität, die man immer wieder bei Mitgliedern von Ortsverbänden der weltweit tätigen Rockervereinigung Hells Angels feststellt. Besonders im Rotlichtmilieu sowie in der Türsteherszene seien die Hells Angels in vielen Regionen mittlerweile eine dominierende Gruppierung, heißt es.

Dennoch: Verbote passen zu einer Demokratie vom Grundsatz her nicht. Verbote sind populistisch. Die Hells Angels sind eine weltweite Organisation. Sie tut sich selbst keinen Gefallen damit, wenn sie, wie bislang, geradezu auf infantilem Niveau gesellschaftliche Symbole des Schlechtseins dermaßen ins Zentrum stellt, wie sie es tut – wie Teufelshörner als Bestandteil ihres Logos.

Sicherlich treibt es die Berliner Sektion der Hells Angels, die jetzt verboten wurde, auf die Spitze, in dem sie der Öffentlichkeit suggeriert, als sei ihr Motto tatsächlich nur das Böse. So steht auf der Homepage: Bad City Crew Berlin. Also schlechte Gruppe von Berlin. Solche Kraftmeiereien sind nicht erwachsen und sie schaden all jenen, die in einem Motorradclub in der Kutte einfach nur entspannt relaxen möchten und Gemeinschaft erleben möchten. Einzelne Hells Angels Ortsverbände gehen einen gefährlichen Pfad der Konfrontation mit staatlichen Vorgaben und Ansprüchen.

Dass die Polizei und der Staat zunehmend gegen die Hells Angels vorgehen, ist der zunehmenden Gewalt der Hells Angels selbst zu verdanken. Schießereien, gar mit Maschinenpistolen, wollen wir alle in Deutschland nicht. Es gilt Zustände wie in der Bronx von New York zu verhindern – und zwar letztlich mit dem ganzen staatlichen Einsatz. Organisierte Kriminalität ist ebenfalls absolut unakzeptabel. Doch gerade dieser Vorwurf lastet immer stärker auf den Hells Angels – dass einige der weltweit über 500 Ortsverbände – alleine Deutschland gibt es 38, unter anderem in Frankfurt, München, Hamburg, Bonn oder Mannheim – Bestandteil einer Organisierten Kriminalität wären oder sein könnten.

Das ist für den Staat und die Gesellschaft dann eine komplett neue Lesart und hätte nichts mehr mit kriminellen Verfehlungen einzelner zu tun. Das Image der Hells Angels ist gewaltig in Deutschland angekratzt. Die Rocker müssen sich jetzt eindeutig und glaubhaft und grundsätzlich von Gewalt lossagen. Einen sehr guten Ansatz zeigt die Rockerunion auf ihrer Homepage.

Alleine das Gerücht, der bei Bottrop gefundene tote Rocker der Gruppierung „Bandidos“ könne von den Hells Angels hingerichtet worden sein, ist ein ungeheuerlicher Vorgang und die Hells Angels sollten alles tun, um an der Aufklärung dieses Vorgangs zu helfen, sofern wirklich einzelne Mitglieder hier involviert waren. Doch solange eine Schuld oder Mitschuld der Hells Angels an diesem Mord nicht eindeutig ist, gilt auch für die Hells Angels das Unschuldsprinzip, welches eine große Errungenschaft einer Demokratie ist.

Das Verbot der Berliner Sektion der Hells Angels ist nicht singulär in Deutschland. Schon andere Sektionen, beispielsweise in Hessen, wurden verboten. Dennoch: Hätte die Berliner Polizei einen ordentlichen Job gemacht, all jene Hells Angels, die kriminell sind, entsprechend gerichtlich erfolgreich verfolgt und in ganz harten Fällen hinter Schloss und Riegel gebracht, wäre ein Verbot unnötig gewesen.

So aber ist letztlich nichts erreicht, außer dass der Staat nun seinerseits der Rockerszene der Hells Angels den Krieg erklärt hat. Damit wird nicht nur innerhalb der Hells Angels Szene eine Solidarisierung all jener stattfinden, die sich rechtlich einwandfrei verhalten mit jenen, die zum kriminellen Bodensatz gehören. Obendrein trägt der Berliner Senat mit dem Verbot der Berliner Sektion der Hells Angels dazu bei, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die gesamte Motorradrocker-Szene in Deutschland, die aber zu einem ganz überwiegenden Teil nicht kriminell ist, in ein sehr dunkles Licht geworfen wird und kriminalisiert wird.

Auch diese Artikel könnte Sie interessieren:

Hells Angels: Peinliche Ergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft

2.000 Hells Angels treffen sich in Graz in Österreich zum World Run

Hells Angels: Rockerunion wehrt sich gegen überzogene Polizeieinsätze und Polizeischikane

Folterkammer Hells Angels Nicht entdeckt – Medienfalschmeldung

Hells Angels Chef Frank Hanebuth ist stinksauer nach Razzia mit 1200 Polizisten

Hells Angels: Suche nach Leiche des Türken in Lagerhalle in Kiel ruht



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Donnerstag, 12. April 2018

Razzia beim Trump-Anwalt: Wie das FBI in seiner Hexenjagd auf Trump den Rechtsstaat zerstört

Kommentar – Es ist schon unglaublich,wie fachlich unwissend, flach und teils sogar falsch Deutschlands, aber auch die sonstigen weltweiten Massenmedien, über die aktuelle Razza bei einem Rechtsanwalt des US-Präsidenten Donald Trump, bei Michael Cohen, berichten. Sie schwafeln davon, wonach die amerikanische Bundespolizei FBI wegen Trump eine Razzia bei seinem Anwalt gemacht habe. Ganz so, als ob die Razzia wegen Trump […]

Mittwoch, 03. Januar 2018

Wie viel Politik darf Polizei mit Anzeige gegen Beatrix von Storch machen?

Kommentar – Es klingt ja sensationslüstern: „Polizei zeigt AfD-Vize von Storch an – Anzeigen auch gegen Weidel“. Das schreiben derzeit Hunderte deutsche Massenmedien genüsslich. Darunter ist auch der öffentlich-rechtliche Rundfunksender MDR, welcher die genannte Schlagzeile exakt so in seinem gebührenfinanzierten Nachrichtenportal MDR.de veröffentlichte. Mit MDR.de macht der ostdeutsche Sender den Lokalmedien seit Jahren zunehmend Konkurrenz. Dabei profitiert der krawalligste deutsche […]

Sonntag, 24. Dezember 2017

Die Christian Lindner Sackgasse im Merkel-Reich

Kommentar – Christian Lindner, der FDP-Vorsitzende, kann gut aussehen. Wir denken nur an das ungewöhnliche Wahlplakat des Mannes, wie er in sich versunken im smarten Hemd nicht etwa den Wähler, seinen Auftraggeber anschaut, sondern gen Boden schweift. Sein Blick gleitet auf dem Wahlplakat, das von Stuttgart bis Berlin metergroß an diversen Wänden klebte, etwas narzisstisch gen Nirgendwo. Damals, kurz vor […]

Dienstag, 19. Dezember 2017

Sachsens Nazi-Panzer den man gegen Demonstranten einsetzen wollte am Pranger: Der Survivor R

Kommentar – Sachsen ist in vielerlei Hinsicht Deutschlands außergewöhnlichstes Bundesland wenn es im Produzieren von Negativmeldungen geht: Nirgends wurden Flüchtlinge so beschimpft, wie in Sachsen. [1, 2, 3] Zudem gründete sich in Sachsen eine Partei, welche auf Grund ihrer wenig weltoffenen und teils ins Fanatische abgleitenden völkischen Auffassung weltweit für Schlagzeilen sorgte: Pegida vom Pegida Förderverein e.V. in Dresden und Legida […]

Freitag, 10. November 2017

Saudi-Arabien gleitet in Terrorstaat ab unter Diktatoren-Sohn Mohammed bin Salman

Kommentar – Die ganze angebliche Anti-Korruptionswelle in Saudi-Arabien klingt zu gut, als dass wir sie glauben möchten. Deswegen möchten wir nicht dem geschickt inszenierten Saubermann-Image des herrschenden saudischen Diktators Salman bin Abdulaziz Al Saud, des 81-jährigen „König von Saudi-Arabien, Hüter der beiden Heiligen Moscheen“ folgen. Der Grund liegt auf der Hand: Schaut man sich die saudische Politik der vergangenen Jahre, […]

Samstag, 28. Oktober 2017

US-Großinquisitor Robert Mueller eröffnet wegen Russland-Kontakten erstes Strafverfahren

Kommentar – Es erinnert an die Verfolgung von Kommunisten in den USA in den 1950er Jahren: Jeder, der auch nur den Anschein erweckte, zum kommunistischen Regime in der Sowjetunion Kontakte zu haben, musste damit rechnen, seinen Job zu verlieren oder gar ein Strafverfahren an den Hals zu bekommen. Und im Mittelalter erledigte den Job des Oberstaatsanwalts der religiöse Großinquisitor. Wie […]