Skip to main content
Montag, 22. April 2019

Moslems stürmen deutsche Botschaft in Sudan / Kritik in YouTube-Videos am Westen

Nachdem bereits der US-Botschafter in Libyen mit einem Raketenangriff am Mittwoch von aufgebrachten libyschen Moslems in seinem Haus in Libyen umgebracht worden war, ist nun erstmals auch die deutsche Botschaft im Sudan und zwar in der Hauptstadt Khartum von einem Mob aufgerieben worden. Es sei bislang niemand verletzt worden, teilte das deutsche Außenministerium mit. Allerdings zeigte CNN am Freitag Bilder, wie die Deutsche Botschaft in Teilen brennt. Derweil rechnet die US-Regierung mit weiteren Angriffen auf westliche Botschaften in islamischen Ländern.

Die Demonstranten die die deutsche Botschaft im Sudan stürmten, verbrannten die deutsche Flagge des Botschafts-Gebäudes und riefen arabische anti-westliche Sprüche. Im Gegensatz zu Ägypten oder Libyen war jedoch die sudanesische Polizei gewappnet und verteidigte das deutsche Botschafts-Gebäude mit Tränengas und Schlagstöcken. Derweil gibt es Berichte, wonach ganze Busladungen im Sudan zu diversen anderen westlichen Botschaften, darunter die amerikanische oder britische, unterwegs seien.

In fast allen islamischen Ländern kommt es derzeit zu teils gewalttätigen Ausschreitungen gegen westliche Institutionen, da ein umstrittener US-Pfarrer einmal mehr anti-islamische Medienpropaganda verbreitete. Sein Verbreitungsmedium war dieses Mal das Internet, besonders YouTube. Im Film „Unschuld der Muslime“ geht es um den islamischen Propheten Mohammed. Viele Moslems fühlen sich auf Grund der in dem Video polemisch vorgebrachten „Kritik am Islam“ in ihrer islamischen Ehre gekränkt.

Derweil berichtet der amerikanische Nachrichtensender CNN, der sich maßgeblich für Kriege der NATO gegen die syrische Regierung einsetzt und schon eine zentrale Propaganda-Maschinerie für die militärischen Angriffe auf Libyen im Jahr 2011 war, dass es auch in Kairo, der Hauptstadt Ägyptens, zu immer schwereren Ausschreitungen gegen alles Westliche komme. Es werden Bilder gezeigt, wie Demonstranten Steine gegen Polizisten werfen.

Neben dem Sudan, Ägypten, Tunesien, Iran, gab es teils auch gewalttätige Ausschreitungen gegen die USA und den Westen in Jemen. Zudem haben Tausende Palästinenser gegen den Westen demonstriert. Der Westen verweigert gemeinsam mit Israel den 9,2 Mio. arabischen Palästinensern seit Jahrzehnten einen eigenen Staat. An vorderster Front der Verweigerer ist Israels engster Verbündeter, die USA. Derweil gibt es immer mehr Videos von Islamisten, die den Westen scharf kritisieren. Dabei sind es keinesfalls, wie viele West-Medien tun, ausschließlich radikale Hamas-Anhänger, sondern Moslems, die das Gefühl haben, dass der Westen ihren Ländern Unrecht antut.

Auch wenn die Kritik dabei etwas abstrus ist und verkennt, dass der Westen vor allem in Afghanistan nicht als „Besatzungsmacht“ präsent ist, sondern um die Bevölkerung vor terroristischen Taliban zu schützen, kann eines doch nicht ignoriert werden in diesen Videos: Manches dort Kritisierte ist wahr. Zum Beispiel, dass die USA mit Drohnen unter Barack Obama, dem US-Präsidenten, Tausende Menschen in Jemen, Pakistan, Afghanistan und einigen anderen Ländern ohne rechtliche Basis umgebracht haben und immer noch täglich umbringen.

Das läuft immer unter der Schlagzeile „Kampf gegen den Terror“. Doch: Erstens gibt es für solche Massenhinrichtungen keine völkerrechtliche Basis und zweitens dürften die Drone-Angriffe in 95 Prozent der Fälle Unschuldige treffen, die als Kolletaralschaden hingenommen werden. Darüber gibt es immer mehr Berichte, auch in großen US-Medien, wie dem Wall Sreet Journal. Dass mittels Drohnen zu oft Unschuldige vom Westen, insbesondere den USA, getötet werden, sorgt (verständlicherweise) für zunehmende Aggressionen in islamischen Ländern. Man sollte sich einmal die Weltöffentlichkeit besonders in West-Medien vorstellen, wenn bekannt wäre, dass Russland oder China Tausende Menschen weltweit mit Drohnen-Angriffen umbringen (was sie nicht tun).

Unter dem Stichwort „Eine Botschaft an die Muslime weltweit – Was passiert mit uns ?“ finden sich zahlreiche Videos auf YouTube die auf Englisch mit deutschen Untertiteln viele westliche militärische Aktionen aufs schärfste als „Besatzungsmächte“-Kriege verurteilen. Darin wird auch zum kollektiven Widerstand gegen den Westen aufgefordert. Die Moslems in der Welt hätten die Pflicht zueinander zu stehen und sich zu verteidigen. Einige dieser Kritiker fordern sogar den Aufbau von Kalifen-Staaten, also islamischen Gottesstaaten. Dass der Westen in zahlreiche der jetzt explordierenden Länder Tausende scharfe Waffen geliefert hat (wie den islamischen „Rebellen“ im Libyen-Krieg 2011) scheint sich nun zunehmend zu rächen.

Beispiel für ein YouTube-Video das zu Protesten gegen den Westen aufruft:



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Freitag, 12. April 2019

Kamera im USB-Stick

Wikileaks US Botschaften Einkaufsliste anlässlich der Verhaftung von Julian Assange

Anlässlich der Verhaftung von Julian Assange, des „australischen politischen Aktivisten, investigativen Journalisten, ehemaligem Computerhackers, Programmierers und Sprechers der Enthüllungsplattform WikiLeaks“ (O-Ton Wikipedia Deutschland) publizieren wir hier die letzte Pressemeldung, welche Wikileaks im Dezember 2018 auf seiner deutschen Plattform publizierte. Assange hatte sieben lange Jahre seines Lebens geopfert, um für sein Projekt, die maximale Transparenz auf Regierungsebene über die Enthüllungsplattform Wikileaks […]

Sonntag, 07. April 2019

Deutsch Ostafrika

Ehemalige deutsche Kolonie Ruanda – 800.000 Menschen wurden 1994 ermordet

Es ist einer der schlimmsten Völkermorde auf dem afrikanischen Kontinent: Jener, den fanatische Hutu 1994 an rund 800.000 Menschen in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie (Deutsch-Ostafrika) begangen haben sollen. Noch heute erinnert man sich beispielsweise in der Ortschaft Mabare an den April 1994. Es war der Beginn vor der langen Regenzeit. Die Berghänge, schreibt Al Jazeera auf seinem Onlineportal aljazeera.com, hätten […]

Montag, 25. März 2019

Israel lässt Ayman Nasser seit 30 Jahren regelmäßig im Gefängnis schmoren

Amnesty International berichtet, wonach am 10. März 2019 ein israelische Militärgericht in den besetzten palästinensischen Gebieten eine Haftverlängerung für den NGO-Mitarbeiter Ayman Nasser angeordnet habe. Die Haft gegen Ayman Nasser werde um lange weitere sechs Monate aufgestockt. Die Haft setzt eine lange Kette von vorherigen Verhaftungen des Menschenrechtlers in den vergangenen 25 Jahre fort. Amnesty moniert, dass der NGO-Mitarbeiter bereits […]

Donnerstag, 24. Januar 2019

Israel schickt Beduine Sayyah Abu Mdeighim al-Turi 10 Monate ins Gefängnis

In einer Urgent Action teilt Amnesty International (AI) mit, wonach am 25. Dezember 2018 Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi eine zehnmonatige Haftstrafe in Israel habe antreten müssen. Amnesty schreibt zu dem Gerichtsurteil, dieses sei auf Grund der Tatsache gefällt worden, da der Verurteilte seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit für ein Beduinendorf wahrgenommen habe. Sayyah Abu Mdeighim al-Turi büße seine Haftstrafe derzeit […]

Mittwoch, 16. Januar 2019

Prozess, Alfamir Castillo

Schüsse auf Aktivistin in Kolumbien wegen Armee-Mordvorwürfen

Am 11. Januar 2019 hätten zwei Unbekannte in der Gemeinde Pradera im Süden von Kolumbien auf das Auto der Aktivistin Alfamir Castillo geschossen. Der Täter habe von einem Motorrad aus geschossen. Das berichtet nun Amnesty International Deutschland. Das Anschlags-Opfer sei in Begleitung ihres Mannes und zweier LeibwächterInnen gewesen, welche von der „Behörde für Schutzmaßnahmen“, der „Unidad Nacional de Protección“ gestellt […]

Samstag, 08. Dezember 2018

Wegen Land

Kolumbien – Menschenrechtsverteidiger Enrique Cabezas mit Mord bedroht

Amnesty International teilt in einer Urgent Action mit, wonach Enrique Cabezas, der Leiter der „Kollektivs Afro-Kolumbianischer Gemeinschaften“ in Curvaradó im Departamento Chocó im Westen Kolumbiens bedroht werde. Auch Morddrohungen stünden im Raum. Grund: Er setze sich für die Landrechte einiger kolumbianischen Gemeinden ein. Zudem kämpfe er für das Recht der dort lebenden Menschen sich aus einem seit Jahren bestehenden bewaffneten […]