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Dienstag, 21. Mai 2019

NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke: Video-Testament soll veröffentlich werden in Italien – Leiche weg

In einem unbeschreiblich grotesken Drama um die Leiche des als Kriegsverbrechers verurteilten Deutschen Erich Priebke, findet derzeit die Suche nach einem Platz für die Leiche des ehemaligen Nationalsozialisten in Rom statt. Gleichzeitig wurde bekannt, wonach in Kürze das Video-Testament von Priebke veröffentlich werden solle.

Doch derzeit steht noch der Verbleib der Leiche von Erich Priebke im Zentrum der aufgeregten Diskussion zwischen Italien und Deutschland. Es heißt, wonach die römische Regierung die Leiche des ehemaligen SS-Offiziers unbedingt loswerden wolle. Die deutsche Bundesregierung wiederum sagt, sie sei für den Verbleib von Leichen grundsätzlich nicht zuständig. Dieses sei eine Angelegenheit der Angehörigen und Familien. Besonders heikel: Das Drama um die Leiche Priebkes eskalierte ausgerechnet am 70. Tag des Gedenkens an das Nazi-Ghetto von Rom – und zwar am 16. Oktober.

Die deutschen Behörden verweisen darauf, wonach „die Totenfürsorge den Behörden am Aufenthaltsort des Verstorbenen obliegt“. Dies bedeutet: Die Behörden in Rom dürften eine Beerdigung der Leiche Erich Priebkes gar nicht verhindern, sondern müssten sie sogar aktiv befördern.

Nachdem der Sarg mit den sterblichen Überresten Erich Priebkes rund ein Tag an dem italienischen Militärflughafen Pratica di Mare außerhalb von Rom aufbewahrt worden war, scheint er mittlerweile an einen unbekannten Ort weiterverbracht worden zu sein. Italienische Medien berichten, wonach die Regierung in Rom von einer „komplexen Geschichte“ spreche und derzeit versuche „eine Lösung in einem komplizierten technischen und rechtlichen Rahmen zu finden“.

Auch auf lokaler Ebene gibt es Schlagabtausche. Während der Präfekt von Rom grundsätzlich eine Beerdigung von Erich Priebke in Rom ablehnt, ist der Generalsekretär der Demokratischen Partei, Guglielmo Epifani, der Meinung, wonach man bislang im Umgang mit der Leiche „nicht gut gehandelt hat“. Fabrizio Cicchitto von der PDL sagte wiederum, es sei „absurd, die Verantwortung an den Präfekten zu geben.“ Der Präfekt von Rom ist Giuseppe Pecoraro.

Priebke ist ein gebürtiger Brandenburger und stammt aus dem Dörfchen Hennigsdorf bei Berlin. Am Freitag war er im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) bestätigte bereits gegenüber den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“, wonach man sich ein anonymes Grab in Brandenburg vorstellen könne. Damit wolle man verhindern, dass es in dem Heimatort Erich Priebkes zu einer Pilgerstätte für Neo-Nazis komme.

Dass es nun in Italien zu grotesken dramatischen Szenen rund um die Leiche des ehemaligen Nazi-Offiziers gekommen ist, liegt daran, dass es zur Trauerfeier im italienischen Ort Albano Laziale zu Tumulten gekommen sein soll. Angeblich, berichten Medien, hätten 500 Anwohner während der Trauerfeier demonstriert. Ein Demonstrant habe ein Plakat hochgehalten mit der Aufschrift „Henker Priebke“. Rechtsextreme vor Ort hätten hingegen Priebke als „Helden“ gefeiert.

Mittlerweile sagte der israelische Nazijäger Efraim Zuroff, man solle mit der Leiche Priebkes ähnlich umgehen, wie mit der Leiche des litauischen Nazi-Kriegsverbrechers Antanas Gecas. Dieser war unter falschem Namen beerdigt worden.
Priebke lebte seine letzten Jahre in einer Art gelockerten Hausarrests in Rom. Man hatte ihm in einem Prozess vorgeworfen, er habe sich an einem Massaker in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom (l’eccidio delle Fosse Ardeatine) im Jahr 1944 beteiligt. Damals waren 335 Menschen umgekommen, darunter 75 Juden.

Priebke selbst wollte angeblich in Argentinien neben seiner Frau begraben werden. Dort hatte er bis 1994 gelebt. Doch bislang lehne Argentinien angeblich eine Beisetzung Priebkes in Argentinien ab. Ein weiteres Gerücht besagt, wonach die beiden Kinder Erich Priebkes angeblich auch noch keinen Antrag für eine Beerdigung Priebkes an der Seite ihrer Mutter gestellt hätten.

Priebkes Anwalt, Paolo Giachini, sagte, er plädiere nach wie vor für eine Einäscherung der Leiche Erich Priebkes in Italien. Für weitere Tumulte dürfte das Video Testament des NS-Funktionärs sorgen, das wohl in Kürze veröffentlicht werden soll. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Testamentsveröffentlichung durch Priebkes Anwalt geschehen dürfte.



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