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Freitag, 29. Mai 2020

Verletzte: Rote Flora steht für Bürgerkultur von Schiller, Lessing – dafür lohnt es sich zu kämpfen

Die Polizei beklagt im Rahmen der Demonstrationen für den Erhalt des linksalternativen Kulturzentrums Rote Flora in Hamburg über 100 Verletzte. Rund 16 sollen nach einem Zusammenprall zwischen der staatlichen Gewalt und der zivilen Gewalt zum Teil schwer verletzt worden sein.

Aus den Reihen der Demonstranten wird die Höhe der verletzten Zivilisten mit über 150 beziffert. Offizielle Zahlen gibt es bislang nicht. Dafür aber ein klares Bekenntnis: Die Rote Flora muss im Schanzenviertel erhalten bleiben – und zwar in den Händen der linksalternativen Szene. Gründe dafür gibt es zahlreiche. Ein Kommentar des Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com:

Es gehört zu dem Recht einer Demokratie, seine Meinung und persönliche Haltung durch Demonstrationen, ja sogar selbst durch zivilen Ungehorsam, kundzutun. Es gehört aber nicht zum Recht der Demokratie, zu glauben, man habe bei anderer Überzeugung das Recht, selbst Gewalt anzuwenden. Die Gewalthoheit liegt beim Staat. Das muss so sein. Und hier muss man auch dem Staat vertrauen, dass er dieses Gewaltmonopol mit Anstand, größter Güterabwägung und Besonnenheit anwendet. Auch wenn das in Hamburg nachweislich häufig nicht der Fall war, so hat doch der Staat immer wieder ein Recht darauf, so wie jeder Bürger, Fehlverhalten aus der Vergangenheit zu korrigieren.

Deshalb: Mit Gewaltanwendung werden weder der Staat, noch werden die Demonstranten, ihr Ziele erreichen. Hamburg hat eine großartige Kultur der Bürgergesellschaft. Deshalb müssen sich nun diese gesellschaftlichen Strömungen Gehör verschaffen und dadurch helfen, die Rote Flora nicht einem kapitalistisch-kommerziell dominierten Gutsherrn zu überschreiben, sondern die Rote Flora als ein Stück lebendiger und historischer Bürger-Kultur, auch der Bürger-Protestkultur, zu bewahren.

Die Rote Flora, auch bekannt als die Alte Flora, gehört in die Hände der links-alternativen Szene in Hamburg, die stets und vorwiegend auf intellektuellem wie gesellschaftspolitischem Terrain eine wichtige Rolle in Hamburg gespielt hat. Die Rote Flora steht auch für eine Aufklärungs- und Bürgerprotestbewegung vom Schlage Lessings oder Schillers.

Nicht umsonst gibt es in Hamburg ein Denkmal für Lessing – und nicht in München oder Leipzig, auch nicht in Dresden (dort residiert die als radikal verschriene sogenannte „Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen“ (kurz Ines oder Antikorruptionseinheit Sachsen).

Den Geiste Lessings oder Schillers gilt es in Deutschland, erst Recht in Hamburg, zu bewahren. Dafür lohnt es sich zu kämpfen – aber eben mit ziviler Würde und nicht mit plumper Gewalt. Ein Rechtsstaat kann nur als Rechtsstaat Akzeptanz gewinnen, wenn alle hart daran arbeiten – mit Stil und Toleranz den anderen Meinungen und Verhaltensweisen gegenüber. Es gilt der Radikalität sowohl auf Seiten des Staates wie auf Seiten der zivilen Bürger Einhalt zu gebieten. Wenn das nicht gelingt – ist dies immer das Ende der Demokratie. Als bestes Beispiel kann die von Edward Snowden aufgedeckte massenhaft verübte Kriminalität der US-Stasibehörde NSA genannt werden. In den USA läuft der Staat mittlerweile Amok – gegen die Freiheit.



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