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Montag, 17. Dezember 2018

Holocaust-Überlebende mit 110 gestorben – Alice Herz-Sommer

Alice Herz-Sommer gilt mit 110 Jahren als die nun in London verstorbene älteste bekannte Holocaust-Überlebende. Das teilte die „daughter-in-law“, Genevieve Sommer, mit.

Während des Zweiten Weltkriegs war Sommer zwei Jahre lang in einem Nazi-Camp, also in einem deutschen Konzentrationslager, gefangen gehalten worden. Wenn nächste Woche die offizielle Verleihung der Oscars in Hollywood ist, könnte eventuell auch posthum die nun verstorbene 110-Jährige Holocaust-Überlebende geehrt werden. Denn der Film über den Nazi-Terror und die Gefangenschaft von Alice Herz-Sommer in einem deutschen KZ ist als „best short documentary“ nominiert worden.

Schon jetzt trauern viele um die verstorbene Holocaust-Überlebende: „Wir alle dachten, sie würde niemals sterben“, sagte beispielsweise Frederic Bohbot, der Produzent der Nazi-Kurzdokumentation „The Lady in Number 6: Music Saved My Life.“ Bohbot sagte, er habe sich niemals Gedanken darüber gemacht, ob die nun verstorbene Alice Herz-Sommer jemals den Oscar zu sehen bekäme oder nicht.

Der Dokumentations-Film erzählt die berührende Geschichte von Alice Herz-Sommer – die eine begabte Pianistin war – und ihres Sohnes, mit dem sie 1943 von den Deutschen von Prag in das Nazi-Konzentrationslager Terezin, also Theresienstadt, deportiert worden war. Da den dortigen Insassen erlaubt worden war, ab und an Konzerte zu halten, tat sie dieses.

Insgesamt geschätzte 140.000 Juden waren während des Zweiten Weltkrieges nach Theresienstadt gesendet worden, von denen 33.430 dort ermordet wurden. Von den 140.000 Juden waren zudem 88.000 weiter ins deutsche Vernichtungslager Auschwitz auf polnischem Grund und Boden gebracht worden. Die meisten waren Juden, aber auch Homosexuelle oder Sinti und Roma, ebenso politisch Andersdenke, welche anschließend in Auschwitz von den Nazis und ihren Helfern ermordet worden sind.

Immerhin: Alice Herz-Sommer wurde gemeinsam mit ihrem Sohn Stephan und 20.000 anderen KZ-Häftlingen im Mai 1945 von der sowjetischen Armee befreit und damit vor der gewaltsamen Tötung durch die Nazis gerettet. Doch nicht nur Alice Herz-Sommer selbst und ihr Sohn erlitten schreckliches unter der deutschen Terrorherrschaft: Auch ihre Mutter war im Jahr 1942 in das deutsche Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden – als damals 73-Jährige Frau. Wenige Monate darauf war sie in das KZ Treblinka verlegt worden. Wie sie möglicherweise dort umkam und ob, ist nicht bekannt.

Belegt ist aber, wonach ihr Ehemann Leopold Sommer, den sie 1931 geheiratet hatte, im deutschen Konzentrationslager Dachau bei München an Typhus verstorben ist. Auch Dachau war ein Vernichtungslager und Tausende Insassen kamen dort durch Gewalt der Nazis ums Leben.

Noch heute können die Konzentrationslager besichtigt werden – sowohl Theresienstadt, also auch Auschwitz oder Dachau. Alice Herz-Sommer war am 26. November 1903, in Prag geboren worden – offensichtlich aber, das belegt ihr Name, mit deutschen Wurzeln. Das Klavier lernte sie im Alter von 5 Jahren zu spielen. Doch nicht nur Musik war ihre große Leidenschaft, sondern auch das Lesen. Seit ihrer Pubertät verehrte sie beispielsweise Franz Kafka.



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